Björn_in_Shanghai

28November
2012

Transsiberian Railway - Eine Reise für die Ewigkeit

Seelenruhig rattern die metallischen Räder über die Stoßfugen der Eisenbahnschwellen. Ein Geräusch, welches Einschlafen noch stärker fördert als der monotone Vortrag der Dozenten, die ich mir in einem Monat wieder anhören darf. Und obwohl das letzte Dinner in spätabendlichem Alkoholkonsum endete, so kann ich mich nicht von der Schönheit der dahinschweifenden Berge- und Seenlandschaft losreißen, die sich mir kurz hinter Peking zeigt. China ist voller Gegensätze und so erschließt sich einem kurz nachdem man sich aus der lärmenden 23-Millionen-Stadt Shanghai heraus begibt eine still-gefrorene Atmosphäre des kommunistischen Ostens. Wie lange fährt man da? – War die häufigste Frage die ich zu hören bekam und ich musste sie mit „So lang du magst“ beantworten. Es ist dem Reisenden völlig freigestellt ob er eben in 5 Tagen sein Ziel erreichen oder in 30 Tagen Asien entdecken möchte. So bringt meine Reisegefährtin und mich der metallische, gut beheizte Warm Wasser Boiler in die Hauptstadt der Mongolei, vorbei an Eis Dünen durch welche Kamele reiten – der Wüste Gobi. Und heraus aus der eisernen Schönheit der Wüste erhebt sich der Industriemoloch Ulanbataar, der seinem Umland wohl an Schönheit ein Dorn im Auge sein mag, an existentieller Wichtigkeit allerdings unverzichtbar ist. Die Nomadenzelte im Umland nehmen uns für ein paar Tage auf und wir bekommen zu Fuß die Ruhe und saubere Luft zurück, die uns China genommen hat. Wilde Pferde, Kamele und ihre Neste verteidigende Raubvögel werden zu unseren täglichen Begleitern und bekocht von unserer Nomadenfamilie kehren wir gern zur Mittags- und Abendstunde in unser nur mit Feuerholz beheiztes Zelt zurück, in dem wir mit einem Briten und einem Kanadier ein paar Tage verbringen. Der Sonnenauf- und Untergang sind atemberaubend schön über den Bergen des Terelj National Park, jedoch können sie dem sternreichsten Himmel nur schwer das Wasser reichen, der so klar ist, dass man meint, man könne davon Fotos schießen. Und so kalt es auch ist, bei -40 Grad, nachts, draußen, so soll dies nur ein kleiner Vorgeschmack sein auf das, was uns in Russland erwarten wird. Eine angenehme Nacht mit einem Holland-Russland Pärchen, Bier und einem Kartenspiel bringen uns, verspätet geweckt von der Zugbegleiterin mit einem lauten, russischen „Irkutsk“, 60km nah an den Baikalsee. Die russisch orthodoxen Kirchen, die das Land schmücken mit ihren prachtvollen Wandmalereien stellen ein Stück wichtiges Kulturgut der Russen dar und der 600km lange Baikalsee gilt als das nächste Weltmeer, das irgendwann einmal Asien teilen soll. Hier bekommen wir die Möglichkeit unseren Horizont zu erweitern. French Toast bereitende Nachbarn, auf dem See radeln und zeltende Spanier, 6 Monate reisende Inder aus Holland, Marathonläufer, die den See überqueren und ein Stromausfall, der mal eben das ganze Dorf lahm legt und uns zu einem Abendessen im überteuerten Restaurant bei Kerzenschein zwingt. Hier ist der wohl schönste Fleck Russlands, hört man sehr häufig von Leuten, die diese Reise bereits auf sich genommen haben. Viele reisen gen Osten und berichten von ihren Erfahrungen. Man tauscht Empfehlungen für die nächste Jugendherberge aus. Weniger durch eine Empfehlung als durch den bekannten Reiseführer, dessen Ursprünge eben auch in Asien liegen, finden wir das Hundeschlittenrennen, das uns 10km durch den Wald rasen lässt. Ein deftig russisches „Charascho“ lässt die Hunde wild werden während ich auf der Bremse stehe. Das Lösen befördert mich fast auf den Hosenboden. Hier erlebt man Abendteuer, von denen man sich in Großstädten wahrscheinlich nicht träumen lassen würde. Jeder Tante Emma Laden strahlt ein gemütliches russisches Flair aus und die bezaubernd, hübschen russischen Mädchen verleiten schon sehr dazu irgendwann in seinem Leben noch einmal dieses Land aufzusuchen. Der nächste Zug bringt uns in die drittgrößte Stadt Russlands. Mit 1,5 Mio. Einwohnern ist dies bereits Novosibirsk, zu dem gerade mal zehn U-Bahn Haltestellen gehören. Die Stadt, die mit Leninstatuen ausgestattet ist wie das Gebiet zwischen Deutschland und Italien mit Bergen, protzt mit dem größten Opern- und Ballsaal Russlands in freudebringendem Grauton. Pompös erhebt sich die Kuppel über der Stadt während unter ihr die vorsteinzeitlich anmutende Metro für wenig Geld die Einwohner der sibirischen Metropole klappernd vom Park zum Bahnhof befördert. Stolz präsentiert das Personal des „Trans-Siberian-Train Museums“ den deutschen Besuchern technologisch, ausrangierte Betriebsmittel aus den Anfängen des Eisenbahnverkehrs ebenso wie ein voll funktionstüchtiges Eisenbahnmodell aus dem schönen Neustadt (D). Zweiundfünfzig Stunden später befinden wir uns in Moskau. Die riesige Stadt mit ihren offiziellen 12 Mio. Einwohnern und einer unbezifferbaren Zahl an Illegalen, ist reich. Wer hier eine Wohnung mieten möchte, der wäre in München deutlich günstiger weggekommen. Auch Essen und Unterkunft sind nicht mehr so günstig und so erfahren wir, gestartet im chinesischen Osten Asiens, nach dem preislich anziehenden Sibirien und den hübschen Pelzmäntel tragenden Russenfrauen nun den Gipfel des Eisbergs, Moskau. Hier wird jeder Tourist arm wenn er sich bloß eine Kirche anschauen mag, jedoch kann der gesteigerte Preis durchaus etwas bieten, was uns ein Ausflug in einen russischen Nachtklub beweist. Die russische Gastfreundschaft der zuerst arrogant anmutenden Damen entpuppt sich als ein reges Interesse an Kommunikationswut sobald man als deutscher Mann sein Herkunftsland preisgibt. Und somit beweist sich auch hier wieder die Tatsache, dass „der Deutsche“ weltweit zwar ab und an, zwecks Bildungsresistenz einiger Bevölkerungsschichten auf ein lautstarkes Hackenschlagen trifft, ihm jedoch im Allgemeinen stärker der Ruf von „Qualität“ und „Stabilität“  vorhereilt, was uns Kerlen bei den Mädels tatsächlich einen gewissen Vorteil verschafft. Mit diesem Wissen eilen wir, im Nachtzug schlafend, nach St. Petersburg, unserer Endstation. Auch hier zeigt sich Russland wieder von seiner kulturellen, prächtigen und gastfreundlichen Seite. Ich habe noch nie erlebt, dass mir in einem Hostel jemand morgens Waffeln und Kaffee macht. Das Marinsky Theater lädt uns zu Don Giovanni ein, die Petersburg erzählt von der atemberaubenden Gründung der Stadt und die überwältigenden Kathedralen von St. Petersburg lassen uns verzweifelnd etwas Vergleichbares bei uns zuhause suchen.

Ich sitze in einem Terminal. In meiner Hand halte ich eine Zeitung, auf der steht „Süddeutsche Zeitung“. Der Flug über Berlin lässt uns aus der Traumwelt zurück auf den Boden der Tatsachen finden. Ein deutsches „Besucherpark“ ertönt aus den Lautsprechern der S-Bahn, die uns Richtung München fährt und das Gefühl sagt mir, dass die sachliche Korrektheit der Ortsangabe gepaart mit dem spießig strengen Unterton mich dazu bewegen möchte mich so schnell wie möglich wieder aus diesem Land zu entfernen.

Der bis zu 6m tief zugefrorene Baikalsee Schaschlik und Bier in atemberaubender Natur Das international gesellige Zusammenleben im Zug                                                                                                                         

Björn Henseler, November 2012

20November
2011

Pekingente und Minggräber - auf in den kalten Norden

 

Es ist Donnerstag und es gibt Tage an denen man schon ganz genau weiß, dass eigentlich nichts gehen wird, weil später irgendwas großes, aufregendes ansteht. Heute ist so ein Tag. Die Kapazitätsanalyse geht schleppend voran und mein Kopf sitzt leider schon im Zug. Mitsamt mir und meinem Gepäck geht es mit gechillten 303km/h von Shanghai über Nanjing nach Beijing. Nanjing war früher eine der Hauptstädte Chinas und so wie Nan jing eben die südliche (nan) Hauptstadt (jing) ist, so ist Beijing eben die nördliche Hauptstadt, das heutige Peking! Hätte mir der Kopf nicht zeitig bescheid gesagt, dass er los wollte, säße ich wohl übers Wochenende wieder in Shanghai, doch da auf ihn Verlaß ist, reiße ich mich gestresst vom Mittagessen los, spute zum Bahnhof und erreiche mit einem fabelhaften Puffer von gigantischen 5 Minuten meinen Schnellzug. Wow. Nice. Wie einem die Pumpe gehen kann wenn man in der Bahn steht und keinen  Plan hat wann man ankommt. Hihi. 60 Euro setzt man halt nicht jeden Tag in den Sand, aber man zahlt auch nicht jeden Tag für eine Strecke von 1200km in 4,5 Stunden 60 Euro. Deutsche Bahn: Da solltet ihr mal nachziehen! Preispolitik China – alles für den kleinen Mann, da fühl ich mich angesprochen!

Reiseroute

D´r Zoch kütt doofer Pfeiler - cw-wert Zug? Action! AchterbahnfahrtReiseplanung

Die Reiseplanung läuft mal wieder kurz vorher in der Bahn – Just in Sequence! Zum Glück gibt’s in Peking nix zu sehn – Pustekuchen. Der Zettel ist so voll mit Sachen die gesehen werden müssen, dass meine charmante Reiseführerin die Kinnlade mit einem Expanderstrang sichern muss damit sie nicht zu schnell runterflitzt.

Was steht auf dem Programm:

Stattliches Programm! „Das geht nicht“ – Naja, dann wollen wir doch mal sehen. Mein Hunger treibt mich, und ihr Anstand sie, in das zufälligerweise gegenüberliegende Pekingentenrestaurant, in dem wir 5 Minuten zu spät ankommen, da Pekingente so begrenzt ist, dass sie nur zu bestimmten Uhrzeiten bereitgestellt wird. Mist. Wir landen beim Mongolen. Na? Kennt man den noch? Den hat die Tai Hu Tour hervorgebracht und obwohl ich ihn bis heute noch nicht ein einziges Mal in Groß-Shanghai gefunden hab, so hat es in Peking grad mal ca. 5 Minuten gedauert. Phantastisch. Lecker!!!

Ihr morgiger Unitag und meine Sightseeinglust ergänzen sich fabelhaft und somit geht es gleich morgens zum Sommerpalast. Der Sommerpalast ist fast gar nicht RIESIG und lädt zu einem gemütlichen Spaziergang um den Kunming See ein. Früh morgens tümmeln sich wenige Touristen in Sehenswürdigkeiten, wohl aber ab 10. Dann wird’s voll! Aber vorher ist der Gegensatz zum alltäglichen Shanghai-Tumult eine wahre Wonne und ich genieße es spazieren zu gehen und Fotos zu machen. Ja, ich bin ein Tourist! Kein Informationsschild entgeht meinem geschulten „Das ist interessant“-Auge und auch das hübsch anmutende Buddha-Armband als Souvenir aus dem Tempel Meer der Weisheit findet den Weg an mein Handgelenk und schmückt es bis zum heutigen Tag.

Zettel für den TaxifahrerDer Sommerpalast - ein ganzes Stück ArbeitTempel Meer der Weisheit The Lion plays with the ball Palast-hübsch Marmorboot der Kaiserwitwe Cixi Marblebridge Spazierengehen für Fortgeschrittene schönschönschön hübsch gell? 

Danach geht es zurück zur Wohnung und gleich wieder auf zum Essen. Was ansteht? Na ein straffer Zeitplan schmückt unseren Tag und so wie die junge Frau mein Wochenende im Oktober mit Sightseeing überrannte, so biete ich hiermit ausbalancierte Revenge.

Das „Tor des Himmlischen Friedens“ und die „Verbotene Stadt“ sind die nächsten zwei Ziele. Beide sind Wahrzeichen Beijings und müssen dringendst besichtigt werden. Das Tor ist der Eingang in die Verbotene Stadt und ist zugleich der Ort an dem 1949 die Volksrepublik China ausgerufen wurde. Hier hängt Maos riesige Fratze und blickt Richtung Tiananmen Platz auf dem sein Mausoleum steht.  Die verbotene Stadt selber war der Kaiserliche Hof und war lange Zeit nicht begehbar. Heute werden hier angeblich 80.000 Touristen am Tag durchgeschleust. Die Hauptachse ist gezeichnet von vielen großen Hallen, die immer einen Thron beinhalten und unterschiedlichste Bedeutungen haben. In den Nebengängen, die wir aus Zeitgründen mal außen vorgelassen haben waren wohl die Kaiserlichen Unterkünfte.  Ich hab mir wohl etwas mehr davon versprochen, aber abgehakt ist es trotzdem!

Tor des himmlischen Friendens Drachenkopfschildkröte - mal wieder Felsgebilder in der verbotenen Stadt - der aufmerksame Leser weiß wo die Steine herkommen

Der Ausgang ist auf der Rückseite der Verbotenen Stadt und wie nicht anders zu erwarten stehen hier  unzählige Rikschafahrer die die Touristenpärchen zu einer spannenden Fahrt durch die alten Gassen Pekings ermuntern möchten. Da wir natürlich eben auch wie ein Touristenpärchen aussehen haben wir 300meter mit einem Fahrer zu kämpfen entscheiden uns dann aber schnell den Bus zu nehmen. Yeah – First Time Bus fahren in China – check. Der Bus fährt uns Richtung Wanping Dajie, zu einem Markt, der berüchtigt ist. Hier gibt es alles wovor wir Angst haben. Schlangen, Magen, Skorpione, Hund, Katze am Spieß oder als Hackfleisch. Bei uns in Deutschland weiß man schon manchmal nicht was im Hackfleisch ist, warum sollte man das dann in China versuchen? Aber vielleicht ist ja das die beste Methode um mit dem Essen fertig zu werden. Unser eigentlicher Plan sieht die Pekingente für heute vor, allerdings klagen wir über „keinen-Hunger“ und dieser Markt verbessert die Situation definitiv nicht. Auf dem Weg zum Tiananmenplatz, der größte öffentliche Platz der Welt vor dem Tor des himmlischen Friedens, kommen wir noch an St. Josephs Kirche und an einem weiteren Markt vorbei. Die Kirche strahlt unnachahmlich kolonialstilmäßig und auf dem Platz davor fahren Skateboardfahrer ihre Lines. Bin ich wieder in Köln? Wohl kaum, so einen Markt gibt es nicht in Köln. Hier leben die Skorpione, die aufgespießt werden, noch  und er ergänzt das Produkspektrum des anderen Marktes um Spinnen und gerupfte Babyenten. Bäh! Disgusting!!!

Ekelmarkt1 Alles was das Herz begehrt St. Joseph Cathedral Ekelmarkt2 - Die Skorpione strampeln!!! Ekelmarktatmosphäre Happen für Zwischendurch gefällig?

Ein weiterer Bus fährt uns hinter den Tiananmenplatz. Hier gibt es ein kleines Gefühl dafür, wie Hutongs aussehen. Jedoch ist alles sehr touristisch ausgelegt. Es gibt wieder fleißig Straßenshops in denen freudig gehandelt werden darf. Ich kaufe mir mal wieder ein neues paar Schuhe für 2€ und wie beide kaufen uns Stäbchen. Juhu – meine ersten eigenen Stäbchen. Wir treffen auf einen Handwerksmarkt auf dem nicht nur Glasbroschen, sondern auch Wackelkopffiguren handgebastelt werden. Sehr abgefahren. Aber nun treibt uns dann doch der Hunger zurück nach Wudaoku . Es ist Freitag abend, den soll man ja bekanntlich nicht verkommen lassen. Wir starten einen zweiten Versuch Pekingente zu essen, müssen jedoch eine Stunde Wartezeit mitbringen. Meiyou. Hamma nit.

Der anschließende Partyabend stellt ein großes schwarzes Loch in meinem Kopf dar. Für 15Yuan ~1,5€ darf man Mojito auch nicht anbieten, das geht einfach nicht. Der Wecker bimmelt um 8. Wunderbar. Mein Schädel dröhnt. Heute steht eine Tempeltour mit ihrer Uni auf dem Programm. Es geht in die westliche Bergregion. Fabelhafte Luftverhältnisse und Ruhe krönen diesen morgen. Alles andere würde mich wohl auch umbringen oder zumindest meinen Magen im Reisebus entleeren, aber dazu kommt es glücklicherweise nicht. Der Rest des Nachmittags wird im Bett verbracht. Na toll. Alkohol ist scheisse! Björn, wolltest du nicht bald einen Marathon laufen? – eh, jup, stimmt, da war was. t-30Tage. Passt.

Tempel im Herbst Die Chinesen und ihre Bäume Berge sind was Tolles - Rosenheim Gebetsmünzenweitwurf Fischknutschen erwünscht St. Martin? Gebeinetürmchen

Gegen Abend geht es erstmal zu der gestrigen Partylocation, da mein betrunkener Kopf zwar die Fähigkeit besitzt mich pünktlich zu einem Zug zu bringen, wohl aber auch gern mal vergisst die Jacken an der Gaderobe abzuholen und sich mit dem Nummernbändchen der Gaderobe, hinter dem nicht nur meine eigene Jacke verborgen liegt, im warmen Bettchen daheim schlafen legt. Vollidiot! Nunja, diesen angebrochenen Abend nutzen wir für einen hübschen Spaziergang um einen See mit 1000 Bars und landen schlussendlich in einem Jazzlocal und lauschen bei einem Cappuccino den fabelhaften Klängen chinesischer Jazzmusik. Dass es den Chinesen mal wieder überhaupt gar nicht um die Jazzmusik geht, sondern einfach nur um den gewissen Status den man besitzt wenn man sich mit seinen Freunden in einem Jazzlokal blicken lässt, wird deutlich als die Musik anfängt zu spielen und die chinesische Partygesellschaft sich lautstark gegen die Beschallung wehrt. Ach ist das schön hier – Assis! Hauptsache ihr habt einen schönen Abend. Warum es an diesem Abend mit der Pekingente wieder nicht geklappt hat kann ich gar nicht mehr sagen, aber fakt ist: Da ging wieder nix. Stattdessen gab es ein phantastisches Teppanyaki mit reichlich Fleisch und Spargel. YEAH.

Teppanyai und Tee

Der nächste Tag ist gut durchgeplant, doch wie immer in China kommt alles anders als erwartet. Der Wecker bimmelt früh und einige Sehenswürdigkeiten schmücken unseren Tag, vielleicht. Beim morgendlichen Frühstück entdecke ich zufällig eine Anzeige auf einer Citymap: Great Wall, Ming Tombs, Olympic Stadium 400Yuan (=40€). Ein mehrfaches Nachtelefonieren bestätigt uns den Preis, räumt uns 90Minuten Vorbereitungszeit ein und sichert uns einen englischsprachigen Guide, ein Auto und einen Fahrer zu. Eigentlich stand die Mauer schon gar nicht mehr auf meiner Liste der Erwartungen, da sie schon ein Stück weg ist und ihr Interesse gar nicht so groß ist, dort nochmal hin zu fahren, jedoch reißen die Minggräber und ein Tag voller Abenteuer die ganze Sache wieder raus.  

Der Fahrer ist ein Taxifahrer, der englischsprachige Guide ist nicht da, aber es geht los. Soweit können wir das verkraften. Als er jedoch auf der Autobahn zur Mauer die Autobahngebühr zusätzlich kassieren möchte nachdem ich ja am Telefon die 400Yuan total ausgemacht hatte, geht meine Begleitung lebhaft aber charmant an die Decke. Der Fahrer glaubt zwar noch dass wir Touristen sind, ist aber auch etwas eingeschüchtert und versucht die Sache mit dem Reisebüro (oder was auch immer) telefonisch zu regeln.

Die Ming Gräber:

Es sind 3 Ming Gräber zugänglich. Ein Minggrab sieht immer ähnlich aus. Ein Haupttor führt in den ersten von einigen Höfen. Am Ende der Höfe kommt die Halle der Gnade. Nach der Halle kommen fünf Opfergaben und schlussendlich der Seelenturm. Hinter diesem liegt dann der Grabeshügel unter dem sich das eigentliche Grab befindet. 13 von 16 Mingkaiser liegen hier begraben. 3 Gräber sind zugänglich. In einem kann man in den Grabeshügel hinuntersteigen. Als wir aussteigen merken wir, dass hier keine Touristen sind. Totale Ruhe zeichnet dieses Minggrab – warum? Na klar – es ist natürlich  eines der beiden Gräber die nicht zugänglich sind. Vom Rundweg um den Grabeshügel können wir das benachbarte begehbare Grab erkennen. Wir beschließen uns dieses auch noch vorzunehmen nur ärgerlicherweise müssen wir das dem Taxifahrer klar machen. Er wehrt sich fürchterlich, schließlich ist das viel Zeit in der er anderweitig Geld verdienen könnte. Nebenbei bekommen wir aber wiedermal den Reisefritzen ans Telefon und erfahren, dass in unserer Reiseroute auch noch eine Seidenfabrik und ein Teehaus versteckt sind. Mit meiner Begleitung möchte ich niemals Stress anfangen. Als Schreiner lernt man, dass die Kunden eigentlich kein Problem des Handwerkers sind, man sich allerdings niemals mit der Frau anlegen darf, da die einem das Leben zur Hölle machen kann. Ich bin sehr froh so ein Mädel nun dabei zu haben! Nach 30 Minuten Diskussion auf Deutsch, Englisch und Chinesisch hat sie nun dem Reisefritzen und auch Alfred, so haben wir zwischenzeitlich den Taxifahrer getauft, klar gemacht, dass wir nun zu Füß rübergehen, uns das andere Minggrab anschaun, uns dann von Alfred zur Mauer fahren lassen und schlussendlich noch eine Runde um den olympischen Park drehen. Also im Vergleich mit Mädels die man in Deutschland kennenlernt hätte sie sich jetzt mindestens 3 von mir gezauberte Spezialabendessen verdient und ca. 20 von meinen handgemachten Kaffee. Wer schon mal da war, weiß sicher noch, dass es anders ist als an einer Imbissbude oder im Starbucks.

Nach einigen Umwegen landen wir am Minggrab Ding Ling. Der Grabesplan ist nach dem üblichen Muster konstruiert, jedoch sind hier deutlich mehr Touristen und die Grabstätte ist begehbar. Wir entdecken den Thron des Kaisers und die der Kaiserinnen mit denen sie damals zusammen begraben wurden und wandern durch gigantische Steintüren bis in die Grabeskammer. Abgefahren! Als wir auf dem Weg raus aus dem Grab entscheiden ob wir noch das Grabesmuseum besichtigen oder nicht, klingelt das Telefon. Alfred ruft an und erinnert uns höflich daran, dass die Mauer um 16 Uhr schließt. Wir sind erschrocken, dass es bereits so spät ist, freuen uns aber darüber, dass er nun schon 5 Stunden mit uns unterwegs ist und sich höflich am Telefon meldet und vor allem auch darüber, dass es noch da ist, aber scheinbar mag er Geld sehen. Lektion: Zahle den Fahrer nie auch nicht anteilig, wenn du noch nicht wieder zuhause bist!!! Auf dem Weg zur Mauer realisiert er, dass er nun Gas geben muss, damit wir nicht rummeckern. Der richtige Großstadttaxifahrer kommt aus ihm heraus und er tritt in die Eisen. Wahnsinn Alfred, „Loss jücke“! Wir erreichen die Mauer um 15:55 und werden hereingelassen. Phantastico! Wie bei der Anreise nur diesmal: Just in Time!

Nachbargrab Ding LingWeg zum NachbargrabEingangstor Grabkammer Thron  Gewölbe mit kleinen Türen Türgriff

Es gibt einen gekochten Neutral-Geschmack Maiskolben auf die Hand und wir hechten die Stufen hinauf. Wer drin ist, ist drin. So läuft das hier. Dies kann ich irgendwie nicht glauben uns somit rasen wir hoch. Wir haben uns natürlich in aller Eile das steilste Stück ausgesucht und erreichen ohne Restluft einen Turm von dem aus man gerade noch die Sonne untergehen sieht – Sonnenuntergang auf der Mauer – Check! Von oben sehen wir, wie die Besucher langsam das Mauerstück verlassen, wie sich der Parkplatz langsam leert und nur eine Person noch darauf herumschlendert. Auf einer Treppenstufe sitzend erholen wir uns bei unserem Maiskolben und beobachten gechillt den ungeduldigen Alfred aus sicherer Entfernung. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Shop vorbei, der Zertifikate ausstellt, die den Besuch der Mauer bescheinigen. Jedoch ist die englische Übersetzung der chinesischen Bedeutung etwas verfremdet. Hier geht es nicht um irgendein Zertifikat, sondern für das Zertifikat für brave Chinesen, die die große Mauer bestiegen haben. Es kommt die Frage auf, ob wir auch eins bekommen hätten, denn wie brave Chinesen fühlen wir uns nicht, was meinst du Alfred? Der offeriert uns einen fabelhaften Blick auf das „Vogelnest“, das Stadion der Olympischen Spiele und das angrenzende Olympiabad. Alfred fetzt sich nochmal mit dem Reisefritzen am Telefon und setzt uns dann, wie es sich für einen braven Chinesen gehört, direkt vor dem Pekingentenrestaurant ab und erhält 4 Zertifikate für brave Chinesen die zumindest zur Mauer gefahren sind in Höhe von je 100Yuan = 10€. Taxifahrer für einen Tag für 40€, vielleicht will ich ja doch nicht wieder zurück nach Deutschland.

Biyong auf der Mauer Mauerblick Björn auf Mauer bei Sonnenuntergang Biyong auf der Mauer2 Zertifikate für brave Chinesen Olympia Schwimmhalle

Wir müssen eine halbe Stunde warten. Diese nutzen wir für eine Dusche in der Wohnung gegenüber und platzen nach 30min VIP mäßig an den brav in der Schlange stehenden Chinesen vorbei direkt vor zu unserem Tisch. Finally!

Wie isst man Pekingente? -  

Pekingente wird in Scheiben serviert mit dünnen Pfannkuchen und einer Art Sojasauce. Dazu gibt es noch ein Schälchen mit Zwiebelstückchen, Knoblauch und Zucker. Die Entenhaut wird in kleinen Stücken in den Zucker gedippt und als Appetizer verzehrt. Eine Entenscheibe wird mit den Stäbchen gefasst, in die Art Sojasauce getunkt und bemalt wie ein Pinsel den Pfannkuchen. Dieser wird dann mit dem Entenstück und Gürkchen, Zwiebeln und Knoblauch gefüllt, zusammengewickelt und wie ein Wrap oder Fajita verspeist. Dazu gibt es noch tausende Köstlichkeiten die man dazu bestellen kann, wie zum Beispiel kalten Spinat mit reichlich Knoblauch und Eierkuchen. Man trinkt unaufhörlich Tee. Ein tolles Erlebnis, das man mal gemacht haben muss. Ein sehr entspannter erste Klasse Abend krönt den fabelhaften Tag voller Neuheiten und spannender Verläufe. Einschlafen ist nicht wirklich ein Problem!

Ihr Montag-morgen in der Uni ergänzt wiedermal meinen Sightseeing-plan perfekt, denn der Himmelstempel steht noch aus.  Er ist der Tempel in dem der Kaiser um eine gute Ernte gebeten hat und ebenfalls ein Wahrzeichen Pekings, das unbedingt gesehen werden muss. So wie das Sterben, so hat auch das Beten hier eine gewisse Reihenfolge einzuhalten, und so besteht der Tempel nicht nur aus einer Halle sondern wiedermal aus einer großen Reihe an Gebäuden die durchschritten werden müssen. Angefangen vom Himmelsalter in dem sich mehrfach die heilige Zahl 9 wiederspiegelt über das Himmelsgewölbe, welches von der Echomauer eingeschlossen wird, über eine 360meter lange Brücke bis hin zum Tor der Halle des Erntegebetes und schlussendlich eben in die Halle des Erntegebetes schritt damals der Kaiser auf dem Weg zum Gebet. Wichtig: Der Kaiser geht beim Tor immer durch das rechte Tor, die anderen offiziellen durchs linke und der Gott des Erntegebets fliegt durchs mittlere. Dieses ist natürlich für die Öffentlichkeit verschlossen, so dass ich mich mit dem rechten Tor zufrieden geben muss. Die Halle des Erntegebetes ist eine Holzkonstruktion die ohne Drahtnägel oder Zement verstärkt, nur durch konstruktive Maßnahmen, steht.

Brücke zum Tempel Tor zum Tempel - Biyong rechts - Rest: links. Alles klar? Tempel des Erntegebetes Tempel des Erntegebetes2

Ein paar spielsüchtige Chinesen ...mit Steinchen ...beim Stricken ...und beim Kartenspiel

Nach diesem Kaiserlichen Schmankerl geht es tatsächlich mal auf den Tiananmenplatz. Uni ist aus und man ist wieder zu zweit unterwegs. Dieser Platz ist der weltgrößte öffentliche Platz und soll dem Besucher das Gefühl vermitteln sich in der Mitte des chinesischen Universums zu fühlen. Großartig beeindruckt bin ich aber weniger von dem Heldendenkmal, noch von dem Mausoleum vom großen Macker, der sich übrigens mal in der Mitte des chinesischen Universums hat beerdigen lassen – Egoist – als vielmehr von den 2 gigantischen LED Bildschirmen die neuerdings auf dem Platz stehen und phantastische Gegenden Chinas zeigen, in denen ich noch nicht war. Einige bekannte wie zum Beispiel Macau sind auch dabei, Hongkong ist zu sehen, was auch noch auf sich warten lässt.

Heldendenkmal auf dem Tiananmenplatz Mausoleum von Mao Zhedong Tor des himmlischen Friedens

Der weitere Plan sieht „die Halle des großen Volkes“ vor, die auch als „Volkskongresshalle“ bekannt ist. Hier kommen die Delegationen aus den unterschiedlichen Provinzen zusammen und berichten fleißig den Regierungsjungs. Ein Audioguide leitet uns deutsch-stotternd durch die Hallen und versucht uns die gestalterischen Ideen hinter den Hallen näher zu erläutern. Er hätte vorher lesen üben sollen! Es ist ein spannender Besuch der sich wirklich lohnt und wärmst weiter zu empfehlen ist. Vor der Halle erwartet uns ein kleiner Shop in dem kleine Mao-Statuen, Bilder vom Führer und kommunistische Wahrzeichen zu erstehen sind. Ich glaub ich spinn!

Halle des großen Volkes Die Shanghaihalle

Wir essen phantastisch in einem der vielen kleinen Läden, in denen sonst nie ein Westler auftaucht und testen ihre Kenntnisse der chinesischen Schriftzeichen. Sie ist fit – es schmeckt!

ca 9m2

Wir kaufen einen Kaffee bei Starbucks um auch nicht zu sehr der chinesischen Kultur zu verfallen und zahlen für zwei Kaffee grade mal doppelt so viel wie fürs Essen. Das Land der Mitte – voller Gegensätze.

Nun flitzen wir nach Hause um meine Sachen zu holen. Es ist Montag und mein Flieger geht um 21:30. In China bedeutet das, dass ich um 21:00 Uhr am Flughafen einchecken sollte. In Deutschland würde man bei so einer Aktion zu hören bekommen dass der Check-Inn schon seit 1,5 Stunden geschlossen ist. Hier ist das kein Problem. Auf dem Weg zum Flughafen liegt noch der 798 Art District, in dem es Ausstellungsstücke chinesischer Künstler gibt. Der Bereich sticht dadurch heraus, dass unzählige Künstler hier Galerien und Shops haben und auch die Straßen mit Statuen geschmückt sind. Wir sind spät dran und vieles ist bereits geschlossen. Es ist dunkel, aber vielleicht macht das auch die ganze Geschichte grad gemütlich. Ein Shop bereitet ihr eine hübsche neue Uhr, eine Gallerie uns einen Blick auf chinesische Kunst und schlussendlich ein verlassenes hübsches Cafe uns einen Tee, einen Cappuccino und ein Stück Tiramisu, kurz bevor ich zum Flughafen muss. Wiedermal bin ich viel zu spät dran, da die gemütliche Atmosphäre im Cafe einfach zu hinreißend war, aber die chinesische Gelassenheit am Flughafen bereitet mir keine Probleme. Auch der chinesische Mitarbeiter am Flughafensicherheitscheck-Inn verpasst mir mit den Worten „Wo xihuan Deguo“ (Ich mag Deutschland) eine gelassene Atmosphäre und einen entspannten Start in einen 1,5 stündigen Flug zurück nach Shanghai. Peking – check.

798 Art District BMW aus Stein Dicke Kunst Touristengedeck

Ich glaube allerdings, dass es mich noch einmal hierher verschlagen wird, nämlich wenn ich im Februar versuchen werde mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau zu fahren. Und auch wenn es arschkalt sein wird, so kann ich es mir eigentlich nicht nehmen lassen mal 10km auf der Mauer zu wandern. Das gehört einfach dazu. Mal sehen was wird.

Das nächste Ziel ist Hongkong Ende November. Meine Visaverlängerung treibt mich also in den Süden. Mal sehen ob das gut geht.

Bis dahin:

 

Grüße aus Shanghai

Björn

13November
2011

Hola Portugal - que pasa?



Ich bin wieder eingestiegen in den Bus auf dem „normales Leben“ steht und fahre darin sehr angenehm. Es gibt keine Auseinandersetzungen mit nur chinesisch-sprechenden Country-side-Asiaten und auch das „Fragen nach dem Weg“ hat es in seinem Rollstuhl nicht über die Stufen zu mir in den Bus geschafft. Hier sitzt man bequem. Zugegeben: Der Busfahrer ist ein stressiger Zeitgenosse. Es wird wieder wie wild gehupt, gestresst und die Einsamkeit ist wahrscheinlich derjenige gewesen dessen Zivijob es ist „Fragen nach dem Weg“ durch die Gegend zu schieben und steht daher auch noch draußen.

Meine neue Identität „Manuel Speckmann“ der auch gern von den Chinesen „Speckman“ geschimpft wird, besorgt Maschinendaten chinesischer Maschinenhersteller. Die Ansage eines ehemaligen Diplomanten in seiner Diplomarbeit verleitete mich dazu zu der Bewältigung dieser Aufgabe „Manuel Speckman“ ins Leben zu rufen. „Sollte jemals jemand nach Maschinendaten fragen, bloß nicht meinen Namen erwähnen“ warnte mich seine Aussage und somit verlasse ich meine eigene Haut.

Ich bereite mich auf den nächsten Job vor, der mich nach Guangdong Province verschlägt. Im Süden Chinas, was mal eben 1200km weit weg ist, ist es noch deutlich wärmer als in Shanghai und somit werden wir vom Projektleiter ermahnt bloß kurze Hemden zu tragen. Mich treibt es am Montag morgen um 5:00 aus dem Bett. Toll!!! Der Flug geht um 7:30, das bedeutet 6:30 dort sein und das bedeutet für den Praktikanten, der zu arm ist um das Taxi zu nehmen, dass er früh aufstehen muss um die Bahn zu erwischen. So hart kann das Leben sein. Naja, zum Glück haben mich meine Kollegen mit ordentlich Reisegepäck versorgt, damit ich mir auch bloß keine Sorgen um meinen Rücken machen muss. Halb so schlimm. Ich treffe am Flughafen auf meine Kollegen und ein Fahrer fährt uns zur Firma. Es geht darum sich den Laden anzuschauen. Die Kollegen schauen wie der Laden organisiert ist und ich schaue was mit den Maschinen los ist. Laufen die oder nicht? Und wenn nicht, warum nicht. Dies mache ich eine Woche lang und werte am Ende der Woche in einer Präsentation die Ergebnisse grob aus um sie zu präsentieren. Juhu!!!!

Reiseroute rough to Guangzhou further touring to/through Macau

Produzieren!!!  Chinesen halt Chinese gegen Absaugung - trotz Heimspiel verloren

Es ist eine anstrengende Woche. Wie der Kontrolleur vom Dienst laufe ich durch die chinesische Küchenkorpus und Frontenproduktion. Ich trage beamtenmäßig mein Normblatt auf einem Clipboard und mache Kreuze. Die Arbeiter kennen mich schon, ich glaube sie mögen mich nicht. Aber einer mag mich ganz besonders. Es ist Martin, der freundliche englisch sprechende Chinese, der meine zahlreichen Fragen direkt an die chinesischen Arbeiter übersetzt. Die provokante Frage ob er denn bereit sei eine Woche mit mir durch die Produktion zu laufen und meinen Dolmetscher zu spielen beantwortet er selbstbewusst mit NEIN, aber er hat keine Wahl. Chinesen sind faul, aber er muss dringend Pfunde verlieren. Wir schaffen das.

Martin checkt die Lage

Gut für mich ist, dass die Unterbringen hier fabelhaft ist, und so sehr ich mich auf verausgabe mit meinen oberschniken Schuhen durch die Produktion zu laufen und meine Hemden ekelig voll zu schwitzen (die Produktion ist natürlich nicht runtergekühlt), so erwartet mich am Abend ein übertrieben großes Apartment mit einem 4m²Bett. Wahnsinn! Früher hatte ich eine Zimmer das grad mal so groß war. Es gibt ein riesiges Wohnzimmer, 2 Fernseher, ein Büro eine Gästetoilette und ein Badezimmer in dem es einem wirklich sehr gut gehen kann. Ich bevorzuge die Badewanne!

Beste Spielwiese der Welt Arbeitszimmer im Hotel Ruheecke vorher nachher

 Es war eine aufregende Woche. Ich lerne wie die chinesischen Industriellen ticken und benutze bloß das eine Werkzeug, mit dem man in ganz China zum König der Nation werden kann. Ein einziges Tool, das man nicht in der FH lernt und für das es auch nicht wirklich Kurse zu belegen gibt. Das Beherrschen dieses Tools erlaubt es den Westlern in China großartige Geschäfte zu machen und zwar bloß deshalb, weil die Chinesen das Tool nicht beherrschen. Schade eigentlich. Dieses Tool nennt sich „gesunder Menschenverstand“.

Freitag, der 21. Oktober: Erste Präsentation beim chinesischen Kunden. Meilenstein!

Ich befinde mich 1200 km südwestlich von Shanghai. Mein Reisekoffer ist nicht rollbar. Es ist mein Reiserucksack, der mich einlädt die Zeit hier unten zu nutzen. Aber wie? Ghuangzhou ist eine Industriestadt. Gibt’s da was zu sehen? Der Chef rückt die Information raus, dass man es einmal gesehen haben sollte. Alles klar. Also Ghuangzhou muss wohl sein, aber wenn ich schon bleib, dann auch das ganze Wochenende, basta. Was liegt da näher als einen Wochenendtrip nach Macau zu starten.

2 Autos starten von der Fabrik am Freitag nachmittag nach der Präsentation. Das eine fährt die Kollegen nach Ghuangzhou zum Flughafen. Der Schnösel-Praktikant bekommt seinen eigenen Wagen mit Fahrer und wird zum Busbahnhof gefahren. Dort kauft mir der Fahrer ein Ticket für den Bus nach Zhuhai, stellt mich an die Bushaltestelle und verschwindet. Das ist ein blödes Gefühl wenn man an einer Bushaltestelle steht und nicht weiß wohin es geht. Man kann nicht direkt nach Macau, da man erst über die Grenze muss. Man fährt also nach Zhuhai und läuft dann rüber. Aber an welchem Grenzübergang werde ich landen? Das können mir die chinesischen Mitfahrer auch nicht verraten. Kein Stress. Der Lonely Planet weiß mal wieder mehr als ganz China zusammen.

Meine „Arbeitskleidung“ verschwindet während der 1,5stündigen Busfahrt in meinem Rucksack und wird gegen meine Reisekleidung eingetauscht. Kleider machen Leute!

Es geht nach Portugal! – Nicht wirklich. Aber Macau war früher portugiesische Kolonie und somit wird man bei der Einreise gleich mit „Entradas“ begrüßt. Englische Texte verschwinden und werden durch portugiesische ersetzt. Jetzt bin ich froh, dass sich 2 Semester spanisch im ersten und zweiten Semester auszahlen.

Ich wandere durch den „Gongbei Port“ und steuere gleich auf eines der günstigsten Gasthäuser das der Lonely Planet offeriert zu. Schön ist, dass die nördliche Halbinsel Macau zu Fuß ohne Probleme leicht zu durchqueren ist. Somit spare ich Geld. Es ist beschrieben, dass sie die Preise für Übernachtungen am Wochenende in Macau verdoppeln und somit mache ich das schlechteste Preis/Leistungsgeschäft meines Lebens. 170Yuan ~17 Euro pro Nacht für einen Verschlag in dem ein nicht akzeptables Bett steht. Der Bereich ist umschlossen von Pappwänden und oben nicht geschlossen, so dass man alles hört was so los ist. Zu meiner Freude höre ich eines Abends wie sich zwei Mädels zum weggehen bereit machen. Wundervoll. ICH WILL PENNEN! Ich bin hier Tourist und den ganzen Tag unterwegs! Ich nutze den Abend und erkunde Macau.

Entradas wundervoller Vergleich zum 5 Sterne Hotel in Zhoungshan Juhu - endlich wieder auf dem Teppich Zwischenzimmerliche Kommunikationsmöglichkeiten ermöglicht!

Was ist Macau? – Macau ist portugiesische Kolonie und China-unabhängig. Als Deutscher kommt man ohne ein Zusatzvisum rein, Schweizer und Österreicher müssen wohl für ein paar Tage eines kaufen. Der neue Entry nach China zurück muss im Visum noch drin stehen, bzw nicht durchgestrichen sein, da man sonst nicht wieder zurückkommt. Blöd oder? Macau wird als das Las Vegas Asiens angepriesen. Es ist voll mit Casinos und Leuchtpracht. Es offeriert viele Kolonialbauten aus der Vergangenheit und seine Einwohner sind Mischlinge westlicher und östlicher Gestaltungsmerkmale. Macau gestaltet sich international und unabhängig. Mit meinem Westler-Antlitz kann ich hier niemanden beeindrucken, dafür stoße ich hier mit Englisch auf Reply.

Las Vegas al Macau Lisboa Wynn Wasseraction Gesunde Entfernung zur Gefahrenprävention Bombastisches Macau - du siehst gut aus!

Macau besteht aus der nördlichen Halbinsel, die an die Provinz Guangdong angrenzt und der südlichen Insel Taipa und Coloane die über 3 Brücken mit dem nördlichen Teil verbunden sind. Auf dem südlichen Teil wird fleißig Land gewonnen und Casinos darauf errichtet – unaufhörlich.

Welcher Vollidiot hat eigentlich ein pinkes Rathaus?

Der Plan sieht vor, sich den Samstag Macau anzusehen, dann am Sonntag mit dem Long-distance-bus nach Ghuangzhou zurück zu fahren und dort einen halben Tag zu verbringen um dann abends von dort wieder zurückzufliegen. Umbuchen eines chinesischen Fluges ist übrigens absolut gar kein Problem!

Der Tag startet mit einer Wanderung um 7 auf die südliche Insel zu einem Fahrradladen. Dort leihe ich mir ein bicicleta und radle erstmal zur A-MA Statue in der Mitte der Insel. Der Legende nach wollte dieses Mädchen hierher kommen doch man ließ sie nicht passieren. Ein armer Fischer nahm sie mit. Während der Überfahrt kam ein Sturm auf und zerstörte alle anderen Boote, nur das des Fischers berlebte. Ihr zu Ehren baute er den A-Ma Tempel.

Das zieht sich Westliches Land - westliches Frühstck Tempel auf dem Weg - die raucht vielleicht was weg... Wahnsinn, wen man hier so alles trifft bicicletas maintenance

Danach geht es einmal gegen den Uhrzeigersinn um den südlichen Teil der Insel. Ich betrete das Süd-chinesische Meer! Phantastisch! Entlang der Küstenstraßen eröffnen sich einem wundervolle Ausblicke mit Meer und der im Hintergrund verlaufenden Guandong Province, die von hieraus ohne Probleme zu erkennen ist, aber natürlich auch nur deshalb, weil Björn das gute Wetter mit nach Macau gebracht hat.

Das Casino Galaxy auf Taipa unter blauem Himmel Radltour Auf auf auf den Berg A-Ma Statue über den Dächern Macaus Mein Esel Der Tempel1 Der Tempel2 Der Tempel3 Aussicht ich, Meer und China (Hintergrund) Gelungenes Radlbild - man beachte: Eigentlich wird links gefahren Am Strand

Ich bringe das Rad zurück und starte meine Sightseeing-tour auf der nördlichen Halbinsel gleich nachdem mich der Taxifahrer Tobi dorthin gefahren hat. Nochmal laufen ist nicht drin, ich muss mich auch langsam mal an den chinesischen Lebensstil gewöhnen.

Die Fassade der Kirche Sao Paolo gilt als das Wahrzeichen der Kirche in Asien. Leider steht sonst nichtmehr viel, da der Rest abgebrannt ist.

Ruinen der Kirche Sao Paolo 

Der Lonely Planet bietet Karten an, die mich zielsicher durch Portugal geleiten und somit treibt er mich nun in das angeblich beste Museum Asiens – Das Macau Museum. Wie jedes Stadtmuseum gibt’s Infos zur Geschichte und das ganze drum und dran, aber es rettet mich vor der bratenden Hitze und ist zudem noch kostenlos. Vom Dach des Museums erkennt man auch wieder das alles überragende Casino Lisboa, das auch Abends durch bunte Farben das Stadtbild prägt.

Auf dem Dach einer ehemaligen Festung umfunktioniert zum Museum - Casino im HintergrundBeichtstuhl im Museum Hochzeitsbett im Museum

Es gibt viele Kirchen im Kolonialstil zu begutachten und ich spaziere den ganzen Tag so durch die Gegend und besorge mir kurz vor der abendlichen Einkehr zwei Dosen Heineken und diesmal besser schlafen zu können.

Hübsche Kolonialstil Gassenlandschaft Macaus Stadtblick mit Casino Lisboa Das Tor zur Welt - Macau als internationale Stück China merkwürdige Park-fitness-übungen Baustelleneingang mit Drehkreuz - obergeil Erster portugiesischer Macker in Macau um 1550

Sonntag morgens geht’s nach Ghuangzhou. Viel Zeit ist ja nicht, aber kein Problem, hier gibt’s auch wieder eine Ubahn, die mich zügig durch die Gegend fährt. Den Busfahrkarte habe ich ca. 1 Minute vor Abfahrt gekauft, was mir nicht den Gedankengang eröffnet hat zu überlegen ob ich vielleicht eine feste Platznummer habe, die hat nämlich jeder. Ich setze mich selbstbewusst gleich mal wie die coolen Jungs damals auf die Rückbank und zeige auch als sich der gesamte Bus an der zweiten Station mit Chinesen füllt keine Anzeichen von Ungewissheit. Die Chinesen rotieren wie wild im Bus und beschweren sich, dass irgendwer falsch sitzen muss. Aber der einzige der hier falsch sitzt hat eine lange Nase und wird daher nicht angesprochen. Es bleibt also mehr Zeit, sich um meinen Aufenthalt in Ghuangzhou im Lonely Planet zu erkundigen. Westliche Arroganz und Dreistigkeit sind doch was Schönes.

Im Bus nach Ghuangzhou kurz vor der Chineseninvasion Macau Ghuangzhou - kommt wohl er noch

Der Legende nach wurde Ghuangzhou von fünf Unsterblichen gegründet, die auf fünf Ziegen aus dem Himmel geritten kamen. Zu diesem grandiosen historischen Hintergrund gibt es eine Statue im grünen Stadtpark zu bestaunen, die fünf Ziegen zeigt. Also ich würde mal vorsichtig vermuten: Ihr habt doch alle einen an der Waffel! Es gibt wiedermal ein hübsches Museum und ein Sun-Yatsen Gedenkmerkmal – klar! Schön zu bemerken ist, dass ich hier wieder meinen westlichen VIP Status genießen darf! Die Chinesen möchten wieder Fotos machen mit mir. YEAH! Kein Problem. Ich schmeiße eine Runde Kekse für alle und Frage nach dem Weg. Phantastisch – niemand kennt den Weg und keiner kann mir auf Englisch antworten. Juhu, ich bin tatsächlich wieder in China. Dabei bin ich grad mal 100km weit mit dem Bus gefahren. Und da sag mal einer die Westler wären ignorant. Das nächste touristisch angehauchte Ziel ist eine von Verkehr befreite Insel in Ghuangzhou selber, die von Kolonialbauten nur so wimmelt und auf der man sich wie im Märchen vorkommt. Unzählige Hochzeitspaare und Models lassen sich vor den wundervollen Gebäuden ablichten. Ein wahnsinns Geschäft für die Photographen. Malerisch schön zeigt sich ein kleiner Park von dem aus gleich der große Fluss zu begutachten ist.

Alter Linienbus im Stadtmuseum Die fünf Unsterblichen ...und ihre scheiss Ziegen :-) Blick über Ghuangzhou Sun Yatsen Memorial interkulturelles Treffen Hochzeit vor Kolonialstilkirche im

So, für ein Ziel ist noch Zeit. Es treibt mich in den Ahnentempel der Chen-Sippe. Diese Schule des Konfuzianismus beinhaltet 19 Gebäude und Skulpturen aus chinesischer Literatur. In zahlreichen Shops gibt es Handwerksarbeiten aus Jade und Kamelknochen zu begutachten.

Ahnentempel der Chen Sippe Ahnentempel von innen Literatursituation -

Meine innere Uhr und die Lautsprecheranlage des Tempels errinnern mich daran, dass es spät ist und dass ich dringend zum Flughafen sollte. Ich würde wirklich ungern meinen Flug verpassen. Knapp aber gut schaffe ich es ins Flugzeug. Wieder etwas Neues abgeschlossen.

Chinesisches Fluggepäck aus dem Frachtraum (wie warm wirds da eigentlich?)

Was kommt als nächstes? – Der 4. Dezember rückt näher. Ich habe mich über den Shanghai Marathon informiert und beschlossen, den ersten Marathon meines Lebens zu laufen. Wieviel Staubbelastung in der nächsten Zeit auf mich zukommt weiß ich nicht, aber ich bin sehr aufgeregt diesen sportlichen Meilenstein in meinem nicht allzu langweiligen Sportlerleben festhalten zu dürfen – Marathon in Shanghai – Wo sind meine Laufschuhe?

 

Grüße aus Shanghai

 

Björn

 

 

 

07Oktober
2011

Around Tai lake - Eine Erfahrung der besonderen Art

Schluss mit Ruhe! – Schluss mit Ruhe?.

Samt Rucksack und Wanderschuhen begebe ich mich in eine anspruchsvolle Woche. 580km Outbackerfahrung mit dem Fahrrad und das Vorantreiben meiner eher mageren chinesisch Kenntnisse sollen diese Woche genauso prägen wie einschlägige Eindrücke in das chinesische Leben und Überleben abseits der Großstadt und abseits der chinesischen Kenntnis von westlicher Restzivilisation.

Der Überlandbus soll mich nach Jiangyin zum Studienkollegen bringen, von wo aus wir dann mit den Rädern erst ca. 40km südlich zum Tai See fahren und diesen dann gegen den Uhrzeigersinn umrunden um schließlich wieder in Jiangyin zu landen. Der Tai Hu ist ca. 2.250 km² groß was den  „heimischen“ Chiemsee mit gerade mal 80 km² schnell alt aussehen lässt (28x).

Route

Der erste Schritt vor die Tür zeigt mir meine neue Heimat in einem ganz anderen Licht. Zum ersten Mal sind meine Augen in der Lage, die Pflastersteine der Straße am häuslichen Seiteneingang wahrzunehmen. Zum ersten Mal werde ich nicht vor der chinesischen Postfiliale zu Brei gefahren und zum ersten Mal könnte ich nicht aus dem Grund dass alle Taxen besetzt sind keines bekommen, sondern weil sogar auch die Taxifahrer alle verschwunden sind. – Wo ist Shanghai? Es gibt Fragen, die werden schneller beantwortet als einem lieb ist, ebenso diese. Gleich in der U-Bahn weiß ich wo sich Shanghai befindet, doch dies ist nur die Vorhut. Die restliche Bevölkerung erwartet mich schon temperamentvoll in der Busstation. Übermotiviertes Ordnungspersonal mit Trillerpfeifen, schreiende Kinder, dreist drängelndes Fußvolk, gefängnisatmosphärenverbreitende Gitterzäune und Absperrungen heißen mich recht herzlich willkommen im chinesischen Reisewahnsinn. Mein morgendliches „da geht noch ne halbe Stunde“ ändert sich somit in ein „Mist, der nächste freie Bus fährt erst um 14:30“ und wir verpassen gleich mal den ersten Tag Radeln. Ich verbringe also den Tag damit, zwischen ungebändigten Menschenmengen zu warten und schlussendlich auch zu reisen, was unser Tagesziel Wuxi (40km südlich) nicht wirklich näher rücken lässt, uns aber einen netten geselligen Abend in Jiangyin bei der Eröffnung der volksfestlichen Begebenheiten beschert, ebenso wie ein sehr gemütliches chinesisches 2-Leute Dinner neben einer Dachterrassen-Montage – ganz üblich chinesisch also.

Busstation Seitenstraßen Ambiente Seitenstraßenambiente2 Festlichkeiten

Der erste Tag

Der Wecker bimmelt um 6:00. Ein Frühstück beschert uns eine saubere Grundlage und der chinesische Verkehr gleich mal Verzweiflung und Kopfschmerzen. Das anfängliche „Wenn´s so weiter geht, wird’s zwar nett aber langweilig“ wendet sich also endlich in ein Abenteuer und unser Orientierungssinn wird gleich mal auf die Probe gestellt. Wir finden den Weg.

StartfotoFrühstück in Wuxi          

Die ersten Tage sind der Einstieg in das, was man sich von China vorzustellen glaubt, es nach einem Monat in Shanghai aber nicht wirklich mehr anzutreffen glaubt: Stinkende, überladene Autos auf überfüllten Straßen, gammlige Gassen, Wandervolk, Rollerfahrer, Tiere. Szenarien, die sich eben nur dort abspielen, wo keiner nach dem Rechten sieht. Unzählige Eindrücke prägen uns fürs Leben und charakterisieren „den üblichen chinesischen Wahnsinn“. Zebrastreifen und Geisterfahrer auf der Autobahn sind eben so wenig eine Seltenheit wie maßlos überfüllte, rostige Kähne in Kanälen und mit Stöckelschuhen ausgerüstete Bergsteigerinnen, schimmlige Hotelzimmer, und spärlich ausgerüstete Toiletten. – Wir versuchen uns anzupassen, doch immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken, das uns in unserem Glauben an ein heiles China zweifeln lässt. Wir erreichen die Stadt Wuxi. Touristische Ziele werden in China weiträumig angekündigt und somit gelingt uns der Besuch der Drachenlicht-Pagode und der darauffolgende Besuch, des mit der Cable Car leicht zu erreichenden Bergspitze, was uns einen hervorragenden ersten Blick auf den Tai See erlaubt. Die Weiterfahrt gestaltet sich schwierig. Chinesisches Kartenmaterial hat gewisse Ähnlichkeit mit dem vorzeitlichen Weltbild. So genau wie man damals wusste, dass die Erde eine Kugel ist, ebenso präzise scheinen die Chinesen ihr eigenes Land zu kennen. Unterschiedliche Karten bieten unterschiedliche Interpretationsansätze zu Fragestellungen wie: „Wie sind wir denn jetzt da hingekommen?“ oder „Wo soll das da langgehen?“. Ähnlich phantastisch ist die Beschilderung der Straßen und Ortschaften. Städte und Dörfer sind generell NUR in chinesischem Kulturgut gekennzeichnet, was eine Lokalisierung der aktuellen örtlichen Begebenheit häufig zu einem Mysterium macht. Genauso genial ist die Übersetzung der chinesischen Beschilderung in die für uns lesbaren Buchstaben, die bloß ca. 50% der Information des chinesischen Kommunikationsinhaltes wiedergibt. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als sich einige chinesische Zeichen anzueignen um einigermaßen ans Tagesziel zu gelangen. Ein starker Regenfall hinter Wuxi erleichtert uns das Vorankommen nicht, eben so wenig wie der erste Platten, mit dem Flo zu kämpfen hat, doch unser Wille, den Ling Shang Buddha zu sehen, treibt uns weiter voran. Auf der westlich von Wuxi gelegenen Halbinsel steht in einem abgesperrten, für Touristen teuer zu bezahlenden, Areal, ein 88 m hoher Buddha, der bereits weit aus der Ferne zu entdecken ist. Beeindruckt von der Gewalt dieser hohen Statue und vollkommen zufrieden mit dem Anblick des Giganten beschließen wir uns die 20€ teure Investition kurz vor der Dunkelheit um 16:00Uhr nicht zu geben und verbleiben mit freundlichen Fotos. Der Weg führt runter von der Halbinsel Richtung Westen. Das angepeilte Ziel lautet Yixing. Doch erst mal heißt es wieder: Reifen flicken. Ein Reisnagel sitzt im Mantel und verhindert die Weiterfahrt. Ist doch wundervoll. Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit an einem Tag zwei Platten zu haben? China beeinflusst scheinbar die Statistik mit einem vorprogrammierten systematischen Fehler – Vermüllung!

Hund hängt unter einer Brücke - disgusting!Auf zur Pagodeunsere erste Pagode - still excitedDrachenlichtpagode neben neumodernZugfährt auf dem Kanalgezogene KolonneRegen und MatschalarmRegenalarmSchlauchwechsel auf der AutobahnLing Shan Buddha aus der Entfernung

Es treibt uns bis in ein kleines Dörfchen, dessen Namen wir einmal kurz hören und gleich wieder vergessen. Es muss ca. 25km Nordöstlich vor Yixing liegen und offeriert uns gleich mal ein Hotelzimmer für 24 Euro das Doppelzimmer. Wie lehnen dankend ab und trudeln langsam weiter voran bis wir an eine Gruppe Radler stoßen, die zufällig ebenfalls grade nach einem Zimmer suchen. Zu unserem Vorteil in einem sehr günstigen Etablissement, das für das westliche Auge nicht gleich als Hotel zu erkennen ist. Dass diese Art der Unterkünfte in China auch nicht Hotel, sondern Gästehaus heißt, lernen wir später, ebenso wie die Zeichen, die uns auf unserer weiteren Reise das Auffinden günstiger Schlafgelegenheiten ermöglichen soll. Das Zimmer ist natürlich scheiße, aber es hat 2 Betten, ein Badezimmer und natürlich: Einen Fernseher, dessen besondere Fähigkeit im späteren Verlauf von Bedeutung sein wird. Wir nehmen unsere erste wohlverdiente Dusche nach 120km Wegstrecke, zwei atemberaubenden Sehenswürdigkeiten und einigen Zwischenfällen. Der Abend treibt uns in Entspannung verbreitenden Badelatschen durch das sehr nasse Dörfchen XYxingxiblablabla (komisch, dass die Rechtschreibprüfung dass nicht findet) gleich zum nächsten Supermarkt. Kekse!!! Reiseproviant für den nächsten Tag und Bier für einen friedlichen Abend segnen unsern Elan am ersten Abend. Auf der Suche nach Essen begegnen wir wieder unseren chinesischen Radel-Kollege-Zimmerbesorg-Dolmetschern, die bereits eine Fressstätte der östlichen Küche gefunden haben, dass uns jedoch erst im Inneren der feinen Gaststätte klar wird. Der Anführer der Truppe, wohl der der am besten englisch spricht, und das heißt noch lange nicht, dass er englisch sprechen kann, malt freudig eine Kuh auf ein Blatt Papier und viele Pfeile zu allen möglichen Körperteilen des Tieres. An die Enden der Pfeile schreibt er das englische bezeichnende Wort des Körperteiles und macht und klar, dass wir uns völlig frei aussuchen können, auf was wir Hunger haben. Erst als er mit seinem Finger auf die Region zwischen seinen Beinen deutet und garstig anfängt zu lachen bestellen wir Nudeln! Diese bestellen wir zweimal nach, und nach 3 Pötten Nudeln, 2 Pötten Gemüseallerlei und einem Pott „Rind-Nimm dir was du magst“ kostet der ganze Spaß für die 5-Köpfige Truppe 10€. Wir haben nicht ganz verstanden wie sich der Preis rein mathematisch zusammensetzt, doch unser geringfügiges Betriebswirtschaftliches Verständnis vom Gestikulieren beim Handeln in Kombination mit einem lückenhaften Verständnis der chinesischen Sprache macht uns sehr schnell klar, dass hier in China mit Aristoteles nicht viel anzufangen ist, wohl aber mit rummeckern, laut werden und handeln. Naja, die Nudeln waren gut und günstig war´s auch! Glücklich traben wir raus und laden die Kollegen auf ein Bier in unserem Zimmer ein. Bier ist ja schon da, alles easy. Es dauert nicht allzu lange, da klopft es an der Türe. Die 3 Jungs stapfen hinein. Es klimpert. Wir bekommen Angst. Die chinesische Gastfreundschaft bereitet uns ein „Ihr habt nicht genug Bier“ und ein „wir essen sogar Knabberzeug ultrascharf“, ebenso wie einen lustigen Abend, der nur noch von der Polizei gekrönt wird, die uns Westler in das Gästehaus hat laufen sehen uns nicht verstehen kann, warum wir nicht nebenan für 240 Yuan schlafen, denn der „glückliche Mann“ (Westler) muss doch in dem Besten Hotel schlafen. Flo ist beim Öffnen der Türe ganz gut das Herz in die Hose gerutscht und auch ich tue mich nicht leicht mit dem Anblick der Ordnungshüter gleich am ersten Abend in unserem Zimmer, doch nach kurzem Vorzeigen des Ausweises (wir waren übrigens schwarz/nicht-registriert in dem Zimmer) ist alles erledigt. Der Inhaber kommt sich nochmal kurz für die Strapazen endschuldigen, Flo bekommt den chinesischen Namen Fu-Lin, Wir bringen dem Chinesen, der übrigens Wan-wei (One way gesprochen) heißt, „Was schmeckt lecker“ bei, da er bald nach Deutschland kommt und sicher gehen möchte nur das beste zu essen und schon geht der erste Tag friedlich zu ende.

Chinesische Radler Meute

Der zweite Tag.

Wie ist Fahrradfahren in China? – Also das ist so: Generell gibt es in China eine Verkehrs-Hierarchie. Ganz oben steht der LKW, dann kommt der Bus, dann das Auto, dann die ganzen motorisierten Zwei/Dreiräder, dann kommt das Fahrrad und dann der Fußgänger. Im Prinzip genau wie in Deutschland, nur andersrum! Zusätzlich gibt es ein paar Regeln: Rechtsabbiegen geht immer, Zabrastreifen sind Blödsinn und Ampeln sind Richtlinien. Diese wundervolle Kombination aus der sich für jedes Individuum in seiner Verkehrskategorie eigene Verhaltensregeln ergeben, bereitet mir gleich mal einen Zusammenstoß mit einer motorisierten 3-Rad Pritsche. Naja – überlebt, gibt schlimmeres. Desweiteren hört man in Nachrichten NIEMALS etwas von Unfällen, was bei den eben geschilderten Verhaltensrichtlinien jedoch schwer vorzustellen ist. – Für was so eine Reise alles gut ist…..

Autobahn Gegenverkehr Autobahn Nickerchen - gemütlich dezent überladen BMW C1 Nachbau Autobahn Sherpa Bringdienst

Unsere morgendliche Reise nach Dingshan befriedigt uns nicht annähernd mit den Eindrücken die wir uns von der China-weit berüchtigtsten Töpfergegend erhofft hatten, was uns improvisieren lässt. Auch der Bambuswald scheint ein Stück zu weit zu sein, da wir bereits zu weit Richtung Süden gefahren sind und ein Aufsuchen des Waldes, der angeblich sehr schön sein soll, in weite Ferne hat rücken lassen. Von einer Straße, die wir befahren, entdecken wir auf einem Berg ein Kloster mit Pagode und ein Wortgefecht mit örtlichen Polizeibeamten mit anglizistischer Sprach-Behinderung in Kombination mit englischsprachigen Mountainbike-Chinesen, beschafft uns den Einstieg zu dem Berg, an dem man prozentuale Steigungsschmerzen zu ertragen hat, bevor man von einem Buddhistischen Mönch und keinen Touristen auf dem Berg empfangen wird. Verlassen scheint der Ort, doch das ist er nicht, da noch nie wirklich Jemand dort war. Das Areal wird touristisch ausgebaut, hat allerdings scheinbar noch nicht den Weg in die Reiseführer geschafft – unser Glück! Umgeben von einer pseudo-chinesischen-Mauer führt der Weg um den Tempel auf den Berg zum Endstation-Türmchen, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das Umland und die 3 Zeitstunden entfernt liegende Frühstücksidylle hat. Wir werden mehrfach zum Essen „eingeladen“ doch die bereits montierte touristische Preistafel schreckt uns ab. Dennoch reicht es zu einem Foto, schließlich landen hier nicht wirklich oft Westler und die Mönche sind sogar sehr erfreut uns zu sehen. Wir beschließen den Abstieg. Unten angekommen und sehr zufrieden mit dem improvisierten Sightseeing-Trip stoßen wir auf eine 5-köpfige Radler-Truppe, die ebenfalls in selbiger Richtung den Tai Hu umrundet und auf dem Weg ist nach Huzhou, südwestlich des Sees. Wir freunden uns schnell mit ihren zwei Anführern an und beschließen, die heutige Etappe gemeinsam zu meistern. „Captain“ und „Jack“ (kein Witz!!!) nehmen uns freudig auf und wollen uns gleich für die nächsten Tage mit verpflichten, doch ihre Auffassung von „See umrunden“ entspricht nicht der unseren. Der weitere Tag bringt damit ein reges vorrankommen auf der Schnellstraße. In China geht das so: Schön sind die kleinen Wege, die auf Deutschen Karten meist weiß eingezeichnet sind. Sie verbinden die kleinen Ortschaften miteinander und sind stressfrei. Darüber hinaus gibt es Schnellstraßen, vergleichbar unseren Bundesstraßen und dann gibt es noch Autobahnen und Expressways. Jedoch ist nicht ganz klar, wer was befahren darf, so dass man als Fahrradfahrer oder Fußgänger auch gern mal einige Kilometer auf der Autobahn zurücklegen kann, notfalls eben auch gegen die Fahrbahn, egal ob Seitenstreifen vorhanden oder nicht. „Szenarien, die sich eben nur dort abspielen, wo keiner nach dem Rechten sieht.“ Angekommen in Huzhou bemerken wir auf einem Berg eine Pagode, gigantischen Ausmaßes, so dass man sie schon von Weitem sehen kann und auch in der Stadt sich immer wieder an ihr orientieren kann. Jack´s Internet findet die Pagode, doch Beschreibungen fehlen. Auch der Captain kennt die Pagode nicht. Das macht uns neugierig. Wir beschließen uns am nächsten Tag von der Reisetruppe zu trennen und die Pagode zu erkunden, doch vorher kommt noch unser Abendprogramm von ganz besonderem Wert. Einer der Jungs ist aus der Stadt und kennt sich angeblich aus. Sein Freund, der bei der Polizei arbeitet hat ein Hotel arrangiert – ist natürlich nix arrangiert und wir pennen wieder in einer Absteige, aber immerhin, die haben die Jungs super für uns Ausfindig gemacht. Es soll gleich losgehen, doch wir, die Westler, wollen unbedingt duschen. Es ist kurz vor 18 Uhr und da die Chinesen pünktlich um 6 essen wollen, fallen wir in Ungnade. – Mir doch Latte – Frisch geduscht landen wir beim Dinner. Wir sind herzlichst eingeladen zum feucht fröhlichen Ganbei-Abend. Meine Kenntnisse über Verhaltensweisen kann ich nun hervorragend unter Beweis stellen. Es gibt das volle Programm: Eine „kleine“ Vorspeise, einen Hotpot Hauptgang und eine Endlos Bier Fontäne, dass den Chinesen die Ohren wackeln. Fleißig werden Visitenkarten verteilt und chinesisch-Kenntnisse unter Beweis gestellt. Trink-Verhaltensweisen sind keine Neuheiten mehr und somit läuft der Abend auf einen interessanten, interkulturellen Austausch, mit gelegentlichen Dolmetschererfordernissen, hinaus. Test bestanden. Bi-yong und Fu-lin kommen so gut bei den östlichen Kollegen an, dass wir gleich auch noch zur Fußmassage im nahegelegenen Nobel-Massagesalon eingeladen werden. Yeah. Fu-lin landet den Volltreffer und bekommt die männliche Massier-dame ab. Glück gehabt. Es gibt begabte Mädels und leckere Melone, ebenso wie Tomaten, Nüsse und einen Wunschtee. Da wir in der Provinz sind und die eigentlichen 108Yuan hier viel Geld sind, gestaltet sich die Geschichte zeitlich etwas länger, was uns entgegenkommt, denn ich könnte mir keine besseren 70 Minuten vorstellen nach nun schon 238 km Wegstrecke. Wir bedanken uns noch einmal ausgiebig beim „Pay-man“ und verabschieden uns von unserer Reisegruppe. Das mit dem abendlichen Fernseher ist ein Mysterium. Fu-lin schaut abends immer fleißig nach seinen Fahrradschläuchen während ich die Fernbedienung in die Hand nehme. Ich schalte den Fernseher ein. Da ich eh kein einziges Wort verstehe, bin ich eingeschlafen, noch bevor er mich drauf aufmerksam machen kann, dass das Teil zu laut ist. Der tief schlafende Bi-yong, nach 2 Minuten im Bett, träumt schon von der nächsten Etappe.

Flussambiente Unterwegsin einer kirchein einer Kirche2Buddhistenkloster3Buddhistenkloster2Buddhistenkloster Hilton-Donut-Hotel HuzhouPolizeistation HuzhouGanbei-Abend Huzhou7-kößfige RadlermeuteGästehaus Binguan Relikt

Der dritte Tag.

Auf dem Weg zur Pagode liegt die „Altstadt“ von Huzhou. Hier finden sich nachgebaute chinesische Gebäude und Baustellen. Nett anzuschauen ist die vielleicht ehemalige Stadtmauer, von der der Teil mit Torbogen noch steht. Was hier echt ist und was nicht, weiß in China wahrscheinlich Niemand so genau. Dennoch verbreitet es chinesischen Flair und wir mögen das! Am Fuß der Pagode entdecken wir wieder einmal einen Haufen Treppen, wodurch wir unsere Räder auf ein baldiges Wiedersehen vertrösten müssen. Oben angelangt beschauen wir eine ebenfalls noch nicht ganz fertiggestellte Sehenswürdigkeit, die bald wahrscheinlich viele Touristen anlocken soll. Eine weite Aussicht bis raus zum Tai Hu und der Blick auf die Straße, die wir auch hätten nehmen können stimmt uns fröhlich in den Tag hinein. Wir nehmen das Frühstück, das wir bereits unten gekauft haben zu uns und sind guter Dinge. Was heißt eigentlich Aussicht auf Chinesisch? – Aussicht, das bedeutet, etwas erahnen zu können. Viel Industrie und ein dichter Nebel verbieten eine weite Sicht, so dass wir oft nur die Ufergebiete des Sees ausfindig machen können. Von 90 Inseln, die sich im See befinden wissen wir nichts. Einige größere kann man erkennen, aber die kleinen bleiben wohl verborgen, bis man sich mit einem Boot auf den See wagt. Wie steht es mit Schwimmen in China? – Mein erster Gedanke an diese Tour hatte was zu tun mit Flos Grundidee, Fahrrad zu fahren und meiner Ergänzung, ein Zelt einzupacken. Ähnlich meiner deutschen Reiseerfahrung, Flüsse und Seen als morgendliche Dusche zu nutzen äußerte ich mein Verlangen in ein Gelächter chinesischer Erfahrungsgewissheit: „In China kannst du Schwimmen knicken!“ Tatsache. Auch wenn der See vielleicht Flächenmäßig 28x so groß ist wie das bayrische Meer, so kann er sich noch lange nicht mit diesem an Schönheit und Sauberkeit messen. Idyllische Bilder auf die ich im Internet gestoßen bin müssen aus weiter Vorzeit stammen. Der See stinkt und sieht ganz und gar nicht appetitlich aus. Überall waschen die Leute fleißig ihre Klamotten in den vielen Nebengässchen des Sees. Die Industrie kippt ihren Müll hinein und die Touristen tun das übrige um möglichst wenig Müll in ihren einigen Taschen zu behalten. Die Chinesische Auffassung von „Umwelt“ scheint nicht besonders gut der Unsrigen zu entsprechen. Heute soll es am See entlang Richtung Osten gehen bis wir dann Richtung Süden nach Nanxun reisen können. Auf dem Weg zum See, den wir recht wahllos querfeldein fahren kommen wir durch sehr kleine Dörfchen, die sich um Huzhou herum siedeln. Enge Gassen und kleine Brücken sind mit unseren Rädern sehr gut zu befahren. Wir ernten viele Blicke von unwissenden Ostkindern und sammeln wiedermal Erfahrung; Auch hier ist die Textilindustrie groß. Viele kleine Scheunen rauschen. In ihnen befinden sich kleine Maschinen, die aus mehreren Fäden eben ein Tuch weben. Dies geschieht in unzähligen Garagen mit je unzähligen Maschinen. Billigproduktion halt. Nanxuns Altstadt soll gut erhalten sein, zwar touristisch, aber original. Ebenfalls durchflossen von vielen Gässchen wollen wir hier einige Attraktionen besichtigen und auch die Nacht verbringen. Der Tag beschert uns bloß 60 gefahrene Kilometer. Im Vergleich zu den vorigen Tagen eigentlich eine Schande, jedoch lohnte sich die Pagode und auch die Gassen Nanxuns sind nett anzuschauen. Im 10€ Eintrittspaket enthalten sind 8 Sehenswürdigkeiten von denen wir uns die interessantesten raussuchen. Es ist eine Seidenstadt, mit Museum und Häusern der ehemaligen reicheren Bevölkerung. Diese hübsch eingerichteten Häuschen deuten ein wenig von der Vergangenheit, hauen uns aber nicht um. Unser abendliches Verhandlungsgeschick beschert uns ein Hotelzimmer für 140 Yuan. 20 über Soll pro Person, aber immer noch im Rahmen. Das bereits zweite Zimmer mit Computer. Es steht tatsächlich ein richtiger Computer im Zimmer. Er soll dem Gast wohl den Zugang zum Internet ermöglichen, sieht aber so schäbig aus, dass wir es gar nicht erst probieren. Das allabendliche Essprogramm sieht den „Mongolen“ vor, wie wir ihn nennen. Er ist wahrscheinlich kein Mongole, aber seine Speisekarte sieht so aus. Es gibt ihn in jeder Stadt. Sein Kennzeichen ist ein Topf vor dem Eingang in dem er eine Hühnersuppe warm hält. Er hat Bilder an der Wand, so dass auch der Westler sein Essen bestellen kann und er kostet nichts. Die Nudeln werden vor unseren Augen zubereitet und nach ca. 5 Minuten haben wir das fertige, sehr leckere Essen und eine Suppe vor uns und zwar zu einem unschlagbaren Preis von 10 Yuan was ca. 1€ entspricht. Wahnsinn! Das idyllische Altstadt-Gewimmel Nanxuns umgeben von seiner industriellen Smogwolke und dem industriellen Konsumtreiben neureicher Chinesen zeigt uns ein Nachtleben, das vor Schuhverkäufern nur so strotzt. Hier leiste ich mir für 1,50 € gemütliche Schlappen und wir uns den Reiseproviant für den nächsten Tag. Es ist bunt und man kann nicht glauben, dass dies ein kleines Dorf ist. In China ist eben immer mehr Schein als Sein. Egal in welcher Richtung.

SynchronisierungsproblemeDurch Huzhouauf dem Weg zur Pagodedie Pagodeauf der Pagodeauf der Pagode2Shuttle ServiceUferEinsamkeitFabrik dort wo sie gebraucht wirdauf der unfertigen KüstenstraßeGassen hinter HuzhouWeberei Fussmaler in Nanxun Gondolero der besonderen Art  Der MongoleEs gibt Westlerkram

Der vierte Tag.

Direkt vor dem Gästehaus ist der „Bäcker“. Was frühstückt man in China? – Also die Namen sind uns wohl auch nicht bekannt. Unser universelles „Zhe ge“ (Das Stück) in Kombination mit einem entscheidenden Fingerzeig klärt eindeutig unser Verlagen. Klar ist auch: Es kostet nichts. Für 1€ kann man so satt sein wie von einem ausgiebigen Mittagessen. In China gibt es an jeder Straßenecke in den Morgenstunden (bis ca. 10 Uhr) fliegende Händler oder kleine Shops, die das Frühstück für dich zubereiten. Es gibt Pfannkuchen wahlweise pur, süß, scharf oder mit herzhafter Schweinefleischsoße. Es gibt Sesambällchen mit einer Art Marzipan Mohn Füllung. Es gibt Teigtaschen mit Peperoni. Es gibt im Wasserdampf gegarte, mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigmanteltaschen. Es gibt mit pflaumenmuß-ähnlichem Aufstrich gefüllte Teigtaschen. Es gibt frittierte Teigstangen. Es gibt Würstchen und Bacon-spieße. Es gibt eigentlich an jedem Stand immer wieder so viel neues Frühstückszeug zu entdecken, dass es niemals langweilig wird. Weiter die Küste entlang in nordöstlicher Richtung fahren wir an einem ebenfalls noch nicht geöffneten Freizeitpark im Ranch-Stil vorbei. Unsere bereits erlernte chinesische Dreistigkeit bringt uns dazu schnurstracks am Wachpersonal vorbei durch den Eingang zu radeln und uns zu verstecken. Wir sitzen auf einem vielleicht 5m hohen Hügel in diesem Areal, das direkt am See liegt. Vor uns erstreckt sich eben dieser und dahinter der auf der Landzunge liegende Berg Dongshan. Eben dieser ist unser Tagesziel. Mit solch einem Ausblick von der Pferderanch aus schmeckt das Frühstück gleich noch viel besser. Wir hecken einige abenteuerliche Pläne aus und machen uns wieder auf den Weg. Ein getarnt liegendes Erdloch bereitet mit den ersten und letzten Überschlag dieser Tour. Salto vorwärts. Wunderbar. Natürlich bemerken das auch die Wachleute und es beginnt eine abenteuerliche Verfolgungsjagd durch den Freizeitpark. Wir auf unseren Rädern auf der Flucht vor dem Wachpersonal im Touristen-Caddie. Spaß muss sein. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, ist weglaufen natürlich meine große Stärke und das Wachpersonal erwischt uns nicht. Der Primärplan sieht vor, einen chinesischen Fischer anzuquatschen ob er uns mit seinem Boot auf die Landzunge fährt. Wir bereiten Vokabeln und Bildchen vor, doch auch nach dem dritten Fischer und einer Stunde Überzeugungsarbeit müssen wir uns leider geschlagen geben. Der Fischer fährt früh morgens und dann noch einmal um 4 Uhr nachmittags auf den See. In diesen Zeiten scheint es kein Problem zu sein mitzufahren. Für unsere individuelle Fahrzeit möchte er 500Yuan berechnen. Wir sind zu geizig und ziehen den harten Sattel den weichen Wogen des Sees vor. Mist. Naja, immerhin verbuchen wir das Erlebnis unter: Nicht jeder Chinese ist billig zu bestechen UND Eine Diskussion auf Chinesisch geführt. Pädagogisch also besonders wertvoll diese Stunde Unterricht. Es dauert einige Zeit bis wir auf den Dongshan Rundweg treffen und auch hier haben wir noch lange keinen Blick auf den Berg, der sich eben auf dieser Halbinsel befinden soll. Schätzt man auf der Karte eine Stunde, sind es in Wirklichkeit immer mindestens 1,5 wenn nicht sogar 2. Schließlich landen wir im Städtchen Dongshan, gelegen am Fuße des Berges, der keine wahnsinnig beachtliche Höhe aufweist, uns jedoch am Ende des Tages in den Wahnsinn treibt, als wir versuchen den Einstieg zu finden und schließlich scheitern. Jedoch liegt auf dem Rundkurs noch das buddhistische Goldpurpur Nonnenkloster, dessen Name uns zwar nicht klar wird, wohl aber sein Zweck. Der Zweck des Klosters besteht nämlich darin, armen reisenden Studenten die Suche nach Gratisobst zu erleichtern und zwar im Klostereigenen Obstgarten. Mandarinen ohne Ende. Phantastisch! Woran erkennt man ein buddhistisches Kloster/einen buddhistischen Tempel? Bisher waren alle buddhistischen Anlagen gelb angepinselt. Zudem stehen vor den Tempeln riesige Metallständer mit Kerzenhaltern zum Entzünden von unzähligen Räucherstäbchen. Das Mekka aller Esoterik-Freaks. Hier gibt’s Räucherstäbchen in allen Formen, Farben und Größen zur Huldigung Buddhas. Wieder auf dem Rundweg eröffnet sich uns ein fabelhafter Blick auf den See, der bisher schönste, den wir erhaschen konnten. Allein dafür hat sich die Landzungen-Extratour gelohnt. In Dongshan selbst beschließen wir wieder unser Nachtlager aufzuschlagen. Vorbei an dem offiziellen Dongshan Binguan (Dongshan Gästehaus – sehr, sehr nobel – zu teuer für Studenten), über ein chinesisches Gästehaus, das keine Ausländischen Touristen aufnehmen möchte, obwohl unsere neu-chinesische Dreistigkeit bereits die Schlagstätten besichtigt hat, bis hin zum endgültigen Gästehaus. Ich stelle mich freundlich vor und frage nach ob es sich hier um ein Gästehaus handelt. Sie bejaht und schreit die Wand an. Warum tut sie das fragst du dich? Haben wir uns auch. Ein zweiter Blick auf die Wand zeigt einen Durchbruch zum nebenan liegenden Friseursalon. Dieser gehört auch der Besitzerin, sie hat bloß ihre Schwester an den Gästehaustresen gesetzt. Sie kommt rüber uns zeigt mir das Zimmer. Ich nehme es, es kostet wiedermal 100Yuan – Standard. Der fatale Fehler den ich begangen habe ist, dass ich mir die Dusche nicht angesehen habe, aber wir sind ja wegen der Abenteuer unterwegs, nicht wahr? Die Dusche ist im Badezimmer versteckt. Neben dem Waschbecken geht ein Schlauch weg zu einer Duschbrause. Diese kann an die bereits defekte Wandmontage gesteckt werden. In der schmalen Badezimmerkabine ist ein Abfluss am Boden. Somit wird das gesamte Badezimmer zur Dusche. Innovativ oder? Der Mongole beschert uns ein weiteres Abendessen und die langweilige Stadt eine frühe Nacht, die wir auch benötigt haben nach einer Etappe von ca. 140km.

Radl pumpen vor dem Dongshang Rundweg Idylle Glocke des Friedens trauriges Wandbild Steine ritzen  All in one toilete

Der fünfte Tag.

Unser Tagesziel ist der Lingyanshan und so lang der Name ist, so kurz ist der Weg dorthin. Eine einfach zu findende Küstenstraße und unser bereits geschultes Navigiergeschick lässt uns bereits zum recht frühzeitig gelegten Frühstück auf einem Felsen auf halber Höhe zum Gipfel mit Blick auf das sehr nahegelegene Tagesziel sitzen. Idyllisch scheint der buddhistische Tempel mit Pagode, der touristisch erschlossen ein aktives buddhistisches Kloster beinhaltet. Das wollen wir sehen. Aber erst einmal – Wiedermals Treppen. Unsere Neugierde erforscht jeden Winkel des Klosters und unsere neuchinesische Dreistigkeit goes beyond. Wir geraten in eine Ecke, die für die Touristen nicht vorgesehen ist. Die Schule der buddhistischen Mönchsanwärter. Ein am Eingang Wäsche säubernder Mönch weist uns auf die Klasse hin und macht uns deutlich, dass wir leise sein müssen. Während uns ein anderer Herr rausschmeißen möchte, erlaubt er uns jedoch hier zu bleiben. Er hat sehr kurz geschnittene Haare, wie alle buddhistischen Mönche, die wir treffen. Er trägt ein gelbes Mönchsgewand und gelbe Schuhe. Ähnlich denen, die ich einige Tage zuvor gekauft habe. Schöne Schuhe! Er hat in einem bestimmten Raster Stellen auf seiner spärlichen Behaarung zu punkten ausrasiert. Wir schleichen uns hinein. Als wir auf eine Fotowand treffen kommt er zu uns und erklärt uns die verschiedenen Klassen. Als er bemerkt, dass wir ihn ansatzweise verstehen freut ihn das. Er fragt ob wir schon mal gebetet haben oder ob wir beten können. Wir verneinen. Daraufhin bekommen wir eine Gebetsstunde. Es ist ein Ritual. Man steht vor einem Schrein. Dann legt man die Hände zusammen und verneigt sich ein paar Mal. Dann geht man auf die Knie und mit den Händen nach vorne um sich zu verneigen. Die Reihenfolge ist fest vorgeschrieben. Danach geht’s wieder zurück in die Ausgangsposition. Dies wiederholt man mehrere Male. Eine tolle Erfahrung die uns zuteil wird. Wir erkennen auf einem der Fotos den Dalai-Lama und lassen uns er klären, dass er der Schief Master von den Jungs ist. Alles klar. Danke für den Exkurs. Wir bedanken und verabschieden uns leise. Wir schauen noch ein paar andere Schreine an und bevor wir gehen sagt meine neu-chinesische Dreistigkeit noch schnell einem Mönch, dass ich seine Schuhe hübsch finde und dass ich gern ein Paar kaufen würde. Er zieht los und klärt das mit dem Chef – wir dackeln hinterher. Am lustigsten an solchen Situationen sind immer die Blicke der Chinesen. Die Westler haben mal wieder was geschafft was wir nicht geschafft haben. Auch meine Gespräche mit dem Mönch werden aufmerksam von umherstehenden einheimischen Touristen verfolgt. Meiyou – Die haben keine Schuhe. Der Mönch möchte uns aber nicht so stehen lassen uns nimmt uns mit in sein Zimmer. Wie sieht das Zimmer eines buddhistischen Mönchs aus? Er hat ca. 6 m², einen Schreibtisch, ein Bett und einen kleinen Esstisch. Das Waschbecken sind 3 Schüsseln, die mit einem Schlauch aus einem externen Behälter durchspült werden. Er hat 3 Stühle, scheinbar für Gäste, wir sind ja zu zweit. Zudem hat er ein Handy und einen Computer mit Flachbildmonitor. Hatte ich mir anders vorgestellt. Aber alles in allem sieht es schon spartanisch aus. Wir lassen uns auf einen Schluck heißes Wasser überreden und verdrücken uns wieder nachdem er mir klar gemacht hat, dass die Schuhe nur für Mönche sind – schade! Es geht noch ein Stück den Berg weiter rauf und wir beschließen beim Verzehr der letzten Nonnen-Mandarinen nach Mudu zu fahren und eine kurze Bootsfahrt zu machen. Mudu ist scheiße! Es gibt wieder Gärten und einen buddhistischen Tempel, viel Tourismus und eine Wasserstraße von 100m durch die ein Boot einmal hin und zurück fährt. Naja, Bootsfahr – check.

chinesischer ÜberlängentransportBuddha Kloster buddhistische Mensa Buddha Statue mit Glaubensrelikt auf der Brust fast gekauft, aber neee Oben auf dem Lingyan Shan Zeitvertreib der LKWfahrer

Was nun? Suzhou lockt mit weiteren Gärten und Tempeln. Wir beschließen es gut sein zu lassen. Genug Sightseeing. Eigentlich hätte es morgen zurück gehen sollen, jedoch starten wir beide Samstag wieder in die neue Woche und arbeiten bis Freitag drauf durch wegen der Feiertage, daher macht ein Tag Puffer Sinn. Wir starten also los, auf den Highway und heizen wie die Irren nach Jiangyin. Um 19 Uhr, eine Stunde nach Sonnenuntergang kommen wir an, besorgen ein Busticket um dem eventuellen morgigen Busterror zu entgehen und runden die Tour in der Barstraße von Jiangyin ab, wo alles angefangen hat. Diesmal jedoch im Hofbräuhaus bei ‘nem Hendl mit Pommes und Rinderroulade mit Rotkohl und Kartoffeln. Und zwei Halben natürlich. – Home sweet Home!

Hofbräuhaus1 Hofbräuhaus2

Zurück in Shanghai gönne ich mir erstmal wieder ein sehr westliches Gut. Etwas auf das ich jetzt sehr lange verzichtet hab und das jetzt dringend sein muss. Naja, Es gibt halt Gewohnheiten von denen kommt man nicht los. Nächste Woche gehts geschäftlich nach Guandong Province. Mal sehen was das so mit sich bringt. Werde sicher wieder einiges zu erzählen haben.

westliches Luxusgut

Grüße aus Shanghai

Bi-yong

30Sept
2011

Was chinesische Mädels wollen....

Ich muss zugeben, es ist etwas ruhiger geworden zur Zeit. Könnte zum einen daran liegen, dass ich nach der ganzen Sightseeing Action kein Geld mehr hab, könnte aber auch damit zu tun haben, dass ich jetzt mal lust hab auf Arbeiten!

Ich schlage mir also die Tage um die Ohren, sitze ungewohnt viel vor dem Computer, sehe dabei natürlich fabelhaft schnike aus und gehe merkwürdigerweise darin auf. Aber nicht am Donnerstag! Das chinesische Facebook, das mit Facebook eigentlich nix zu tun hat, jedoch genauso aussieht und lokal begrenzt ist, offeriert mir zahlreiche chinesische Kontakte. EIner dieser Kontakte beschert mir am Donnerstagabend einen Abend im "Yuyintang". Für alle Kölner: Das ist sowas wie das Underground von Shanghai und auch mein Mitbewohner meinte, es wäre seine Lieblingsbar geworden. Es spielt eine deutsche Metalcoreband. Ich bin entzückt und fahre mit der UBahn. Easy. Also wie ist das wenn Chinesen metallische Tanzmusik hören Björn? Also das ist so: Der Chinese steht absolut NICHT auf Tattoos und in ganz Shanghai sieht man Niemanden mit Tatöwierungen und Piercings. Warum nicht? Weil die alle in dem kleinen Piss-Laden stecken!! Wahnsinn. Der Laden ist voll und es geht zu. Gemächlich Chinesisch, wie beim allmorgendlichen Gang zur Arbeit wenn alle langsam vor mir hertrotten, und meine Überholspur einen Slalomparkour beschreibt, aber sie geben sich Mühe.

Der Sonntag wird mir auch von einem dieser Kontakte beschert, jedoch nicht nur von, sondern auch mit! Alles mal ausprobieren eben. Ein Blinddate. Naja - Will ja nicht sagen, dass ich´s nicht versucht hab. Im Nachhinein muss ich sagen, es hatte einiges gemeinsam mit der Slums-Erfahrung. Wenn man drinsteckt ist es super unangenehm, hinterher macht man es kein zweites Mal, aber man ist froh, dass man es mal miterlebt hat. -  Sie vercheckt natürlich die UBahnstation obwohl ich es ihr per SMS geschrieben habe. Egal, verkraftbar. Sie trottet neben mir her und sieht nicht halb so fabelhaft aus wie auf den Fotos im chinesischen Facebook, verkraftbar, ist in Deutschland schließlich auch nicht anders :-) Aber da ist nochwas: Ich hab mit einem Kerl im Facebookchat gequatscht, der meinte: "Be aware of the chinese girls, they just like to spend your money". Wollt ich nicht glauben, muss ich rausfinden - Lustig an der Sache: Wie will jemand mein Geld ausgeben, wenn ich das selber nicht kann, weil ja keines mehr da ist?`- hihi, das wird lustig denk ich mir. SOFORT gehts los. Sie möchte Taxi fahren, sie möchte Lunch essen, obwohl grad die Frühstückszeit vorbei ist. Sie will in eine schöne Gasse und Kaffee trinken. Welcher Chinese bitte trinkt freiwillig Kaffee? Die 2 Millionen Starbucks und Costakaffeeläden hier sind Zufluchtorte für uns Westler. Wer hat die da reingelassen? Hallo? Ich täusche vor, dass ich gleich zum Essen verabredet bin und verpisse mich. Ich sag ja, ist in Deutschland nicht anders - "they always like to spend your money".

Geschockt von dieser Welt, die mir nun wieder mal in den Rücken getreten hat, teste ich gleich mal die zweite Verabredung die ich mir für den Sonntag zurecht gelegt hab. - Nicht anders als in Deutschland :-) Auf ihre SMS-Frage was wir machen, schlage ich ein gemütliches Kaffee-Tee Trinken im Park vor und "Have a talk". Zudem lasse ich erklingen, dass ich zu fertig bin für sightseeing action und dass ich ungern viel Geld ausgeben würde. - Schlagartig bricht der vorher rege Kontakt ab. Hm, Zufall oder nicht? Mich kotzt das an.

Ich beschließe wieder mehr zu Arbeiten und mir mehr westliches Kulturgut zu Gemüte zu führen und führe die Balkonsession ein! - Dazu gehören: 2 zueinander gerichtete gemütliche Sessel auf dem Balkon. große Kopfhöhrer mit phantastischem Klang, eine Packung Platzchen und ein Whiskey. .... uuuuund ALLE Scrubsstaffeln, die der Mitbewohner fleißig gesammelt hat. YEAH!!! los gehts. Meine Abende sind gerettet.

Balkonsession

Ich habe auch gedacht, wer in Shanghai ist, der sollte die Zeit nutzen und nicht so nen Blödsinn anfangen. Aber wie es sich zeigt, so ist ein gewisser deutschsprachiger Austausch und ein funken westliches Kulturgut sehr wichtig. Auch dann, wenn man von sich selber behauptet, dass man NIE Heimweh bekommt und überhaupt kein Problem damit hat, andere, neue Leute kennenzulernen.

Nun ist es wieder Wochenende und China feiert eine Woche lang sich selber. Die Festlichkeiten werden vorbereitet, die Leute arbeiten deutlich mehr, damit sie länger frei haben werden und die Büros werden mit extra vorbereiteten und gestempelten Bannern versiegelt, damit auch keiner auf die Idee kommt, das Büro zu betreten. - Die spinnen die Chinesen!

Office closed already!

Morgen startet unsere Fahrradtour. Ich habe mir einen Rucksack, Schuhe und eine Jacke besorgt. Ich sehe aus wie ein Abendteurer. Bin ich ja auch, schließlich glaube ich ernsthaft, dass ich morgen beim Überlandbusterminal ein Ticket bekomme -

Die spinnen die Praktikanten.

Ready for Take off

Grüße aus Shanghai

Zai dian

Björn    

PS: Hier noch ein Photonachtrag vom Dinner am ersten Wochenende in Huangshan.

arrangement OutcomeUh Boy, how´s it going?Wagemutig - Biyong der Neugierige

21Sept
2011

Sightseeing in progress

Was kann es wohl bedeuten, wenn die Frequenz des Erscheinens der Blogeinträge nachlässt? - Richtig! Der aufmerksame Leser merkt sofort, die Lust am Schreiben kann mir gar nicht vergangen sein. Es liegt wohl eher entweder an tausend Dingen, die man hier erleben kann oder an frühabendlich drückender Feierabendstimmung die mich ins Bett zwingt um das anstrengende fast 5-tätige Wochenende zu verarbeiten. Aktuell treffen beide Einflussfaktoren zu.

5-tägig? Was macht der Kerl da drüben? Der soll arbeiten der Lausebub! - NÖ!

Nach meinen Einschneidenden Erlebnis letzte Woche in den Gassen der Negativseite Shanghais, folgte eine kurze aber arbeitsintensive Woche. Es zwang mich 2 Tage in´s Büro und gleich danach auf die "Furniture manufacturing and Supply China". Die zweigeteilte Shanghaier Möbelmesse, die allen Maschinenherstellern und Zulieferern das Ausstellen auf einem Expo Gelände und ihren Kunden, nämlich den Möbelausstellern, einen Stand auf dem anderen Expo Gelände verschafft. Macht ja auch Sinn, dass die Kunden erstmal durch ganz Shanghai müssen um sich dann bei ihren Zulieferern sehen zu lassen und umgekehrt - VOLLIDIOTEN!!!

Messe in China nach Deutschem Vorbild rock&roll auffa Messe unglaublich exotisch

Naja, - ich habe einen Job, oder vielmehr ein paar. Zuerst mal Kaffee trinken! Ganz wichtig! Am Dienstag wird auf der Messe erstmal die Lage gecheckt. Standardmäßiges chinesisches Messechaos. Die Messe beginnt in ein paar Stunden und der Laden sieht aus wie Dresden ´45. Unser Stand ist vorhanden, es kleben jedoch die Schilder eines anderen Ausstellers daran, obwohl auf den im innern klebenden Plakaten deutlich unser Name zu erkennen ist.

Zweiter Job: Zusammenstellen von Informationen der chinesischen Zulieferer. Ich mache mich also wichtig und laufe in meinem gestriegelten Anzug und meiner schwarzen Kravatte über die Messe. Ich sehe wichtig aus und komme mir auch so vor. Ich verteile Visitenkarten und sammle fleißig Produktinformationen. Ich stelle mich auf eine bevorstehendes Preiskataloginvasion ein, aber das ist mir egal. Mir gefällt das neue Ich. Dass meine Kravatte-Anzug Kombination dabei aussieht als käme ich grade von einer Beerdigung, erfahre ich ja erst am Abend :-)

Sehr abgefahrene Bemerkung: Der Ausländer wird beim Betreten der Messe bei geschicktem Eintreten nicht nach seiner Eintrittskarte gefragt. Der westliche Vorsprung, oder das gespielte östliche Schamgefühl? Man weiß es nicht. Nundenn. 17 Uhr - Bier muss ran. Liebevoll drückt mir der Kollege ein paar Yuan in die Hand und fordert mich freundlich auf etwas zu Trinken zu organisieren - ENDLICH! Jetzt bin ich Praktikant! Das hat lang gedauert. Ich wehre mich natürlich, jedoch nich vor Angst ausgenutzt zu werden, sondern vor dem Malleur, das es geben könnte wenn ich mir der klimpernden Kiste Bier wieder auf die Messe laufe. Natürlich kann ich mich nicht gegen die durstigen Kollegen durchsetzen und so landen 7 Flaschen Bier bei unserem Messestand. Hat alles geklappt. Hm, wieso? Tüte mit Bier durchschmuggeln obwohl die zwei Chinesen vor mir auch nicht mehr reingelassen wurden weil es schon zu spät war - check. Durchkommen obwohl ich verplant habe die Eintrittskarte vorher um meinen Hals zu hängen - check. Dreist aussehen beim Bestellen von 7 Bier draussen an der Kaffeebar - check. Wahrscheinlich ist es tatsäch das östliche Schamgefühl davor einen Westler anzusprechen, doch ich hoffe immernoch darauf endlich mal ein dreistes Arschloch zu werden!!! Ich übe weiter!

Nachdem ich nun auch noch die zweite Aufgabe, das Sammeln von Maschinendaten unbekannter Hersteller :-) , erfolgreich gemeistert habe, widme ich mich am zweiten Tag gleich der nächsten Aufgabe: Mal schaun, wie die Chinesen so ihre Möbel bauen. WIe ist die Konstruktion, auf was stehen die so, wie sehen die Stände der Kunden aus? Wie ich bemerke, ist dieser andere Messeteil ca 20mal so groß und hat schon Ligna Niveau. Ich habe wiedermal viel Spaß daran über die Messe zu laufen und gebe mich interessiert an Möbeln. Mein Anzug verleiht mir wiedermal ein fabelhaftes Aussehen. Ärgerlich am heutigen Tag ist bloß, dass ich alle 20meter einknicke, da ich am vorabend mal wieder nach Ewigkeiten ne Stunde laufen war. Ja, ich habe die Straßen Shanghais bei Nacht mit Laufschuhen erkundet und habe nun Schmerzen. BLÖD! Aber auch der Tag ging dann irgendwann mal rum!

Heute ist Donnerstag - Zeit für Wochenende. Meine reizende Flugbegleitung richtung Fernost besucht mich aus Peking. Fabelhaft, das bedeutet: Gesellschaft, Maglev fahren und sightseeing. Ich fahre 1,5 Stunden zum Flughafen mit der Ubahn. Meine schicken Schuhe stellen sich als hervorragend alltagstauglich heraus. Bin das wirklich ich?

Wieder erwartet mich der übliche chinesische Alltagsstress. Der Flieger ist an einem Terminal angeschrieben, landet aber am anderen. Alles kein Problem, wenn nicht bloß 11 Minuten verbleiben würden bis der letzte Transrapid das provinzähnliche Hafengebiet verlässt. Just in Time - das Wochenende beginnt mit einer 8 minütigen Fahrt in die Stadt bei Tempo 300. Rasante Fahrt und die Schuhe hab ich auch noch an :-)

430 Spitze

Standard Sightseeing am Bund, ich bin ja schon Shanghainese, und eine Taxifahrt zur Glamourbar bescheren und einen fabelhaften Abend und 2 überteuerte Cocktails in einer Schnöselbar. Voll Geil!

Was steht auf dem Programm? - Eigentlich ist die Frage falsch gestellt. Die korrekte Frage lautet: Was steht NICHT auf dem Programm? - Es geht also los, ein spannendes Wochenende erwartet uns. Gleich einmal starten wir sanft in den lieben Shanghaier morgen. Mit fabelhaftem Wetter, hochgekrempelten Hosen und Teigtaschen mit Schweinefleischfüllung gleich zum Frühstück - würg. Egal - mir versaut nix die Laune!!!

Wir besuchen den People´s Park. Ein überraschenderweise englisch sprechendes jungen Mädchen, entzückt von unserem Auftreten und gewillt ihr Englisch zu verbessern, quatscht uns einfach mal so an. Will sie was verkaufen? Sie geht wieder und  lässt uns in unserem romantischen Tai Chi Idyll zurück. Beim Ausweg aus dem Park treffen wir zufällig auf einen Sightseeingbus der unseren Reiseplan deutlich zerstört. Nundenn, auf ins Touristengedränge. für 3 Euro einen Tag Bus zu fahren ist doch super. Wir erkunden alles was toll ist und steigen aus wann es uns gefällt. Der Yu Yuan Garden offeriert uns einen religiösen Tempel, malerisches chinesischem Ambiente mitten in der Großstadt und ein Mittagessen, wie es chinesischer kaum sein könnte. Meine entzückende Reisebegleitung spricht im Gegensatz zu mir, ein ausgeprägteres chinesisch, was zu keinerlei Kommunikationsproblemen führt. Weder zwischen ihr und dem Verkäufer, noch zwischen ihr und mir :-) COOL!

Tai Chi Kollegen Reiserouten TouritourYu Yuan Wall die Guten schauen böse drein! Yu Yuan Gasse Yu Yuan Garden hostorisch vor neureich Dragonwall ZickZack Brücke Mittaaach!!

Es treibt uns nach Pudong. Die westliche Seite des Flusses protzt mit gigantischen Wolkenkratzern. Diese wiederum protzen mit prallen Eintrittspreisen. Was kostet die Welt? Immer her damit. Wir stehen auf 474m über dem Boden auf der weltweit höchsten Aussichtsplatform eines Gebäudes. Unter uns ist ein Glasboden der uns den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die klein erscheinenden Autos und die nicht wahrzunehmenden Fußgänger befinden sich 474m unter uns und wir verbringen 2 Stunden dort oben, bis die Dunkelheit einkehrt und uns das selbige Schauspiel in bunt glitzernder Fassade darbietet. Unglaublich! Man blickt über die weitesten Teile der Stadt. Einzig allein die Smogwolke begrenzt nach vielen Kilometern die Sicht. Lustige Informationstafeln wecken mein Touristenherz und ich eigne mir alles an, was mir an Wissen angeboten wird.

Pudong Modell Jin Mao Building von oben Jin Mao und Ich ohne Worte Prollos adrett glamurös

Wir setzen unsere Reise am Fuß des Giganten fort und erkunden die Bundseite östlich des gelben Flusses. Ein Eis und ein chinesischer "Singer Songwriter" versüßen uns den Abend ebenso wie die auch von unten umwerfende Optik der fabelhaften Konsummetropole. Es ist Freitag abend. Ein Abendessen in der "Food Republic" stärkt uns für den Abend und das anschließende Bier im Paulaner Biergarten setzt die Segel des Partyschiffes. Ich sponsore meinen Einstand an die ebenfalls anwesenden Kollegen. Der in Lederhosen auftretende pseudebayrische Urchinese lächelt und seine im Dirndl steckende ostasiatische Kellnerfreundin kassiert mal eben 8Euro pro Getränk und mich in die Armut. Naja - immerhin Live-musik.

Es geht wieder auf die Hengshan Lu. Ich bin mir wohlst bewusst über die finanziellen Tücken der Stadt und somit entscheiden wir uns für Flatratetrinken. Aber nicht in der Bar von letzter Woche, sondern in der nächsten. Rückschritte verboten!!! Es ist genauso! Egal. Wir haben Spaß und bewundern chinesische Würfelspiele. So cool würd ich ja auch gern aussehen beim Würfeln. Hier gibt es weniger Westler als in der Bar um die Ecke. Wahrscheinlich ist das auch der Grund weshalb der Kellner uns anwesende Westler nun auch noch böser anschaut, egal, ich bin betrunken, das macht mir nix. War ja auch ne anstrengende Woche - lach!

Samstag. Keine Zeit für Kopfschmerzen, jetzt gibts SIghtseeing. Die French Concession steht an. Der Reiseführer hat durch das ehemals französisch besetzte Gebiet der Stadt einen Stadtspaziergang vorgesehen, den wir uns ganz genau anschauen. Gemütliche Gässchen, nette Straßenverkäufer und sogar chinesische Kultur bieten uns einen sehr gemütlichen Tag. Im Fuxinpark schließlich geraten wir an lusitge Plastiklaufräder auf einem See, die uns zu kurzer sportlicher Närrischkeit verleiten. Mein Kopf ist jedenfalls nicht so erwachsen, wie mein Alter das vermuten lässt. Ihrer scheinbar auch nicht - Und los!

Ein Touri in Frankreich Die Königin des Handelns Otto und Co westlicher Spieltrieb westliches Flair östliches Flair

In einem netten Kaffee im Zielhafen der French Concession Xintiandi endet der Stadtspaziergang. Ein Taxi geleitet uns wieder zum Bund und eine Fähre wiedermals auf die östliche Seite des gelben Flusses. Ich reserviere mir einen weiteren freien Montag und freue mich auf mehr Sightseeing. Ein weiterer Abend in der Food Republic hat ebenfalls ein Highlight für uns parat. Meine Begleitung zeigt mir Tepanjiaki (is mir egal wie man das schreibt, ich bin hier der Klugscheisser). Der (vielleicht) japanische Koch bereitet das Essen gleich vor dir auf seiner heissen Herdplatte zu und serviert es dir umgehend. Eine sehr gemütliche Angelegenheit. Bei diesem gemütlichen Essen beraten wie die weitere Vorgehensweise. Sie ist ein Klassemädel und möchte wohl auch so den Abend ausklingen lassen. Wir landen also gestrigelt mit unserem Kollegen Flo in der Cloud 9 Bar oben auf dem Jin Mao Building. Diese Bar vermittelt uns zuerst das Gefühl dass wir zu blöd sind Aufzug zu fahren, da wir 3 mal umsteigen müssen (eigentlich sollen wohl die Besucher bloß durch den Wolkenkratzer geführt werden), dann suggeriert sie jedem von uns James Bond zu sein (da wir piekfein in einer Bar sitzen, mit super Ausblick, viel zu freundlichem Personal und Ledersesseln) und dann schlägt sie einem mit 10 Euro pro Drink fett mit dem Vorschlaghammer in die Fresse. Hm, James Bond hätte wahrscheinlich einfach die Kellnerin gevögelt und wäre dann mit dem Fallschirm vom Turm gesprungen. Da wären einige Probleme auf einen Schlag gelöst. Ich schaue mir nochmal meine frisch geputzen Schuhe und meine im schwarzen Kleid drappierte Begleitung an und entscheide mich für die gechilltere Variante sitzen zu bleiben und den Cocktail auszutrinken. Braver James.

Das anschließend aufkommende Partygefühl wird schnell von einem "hier gehts nicht weiter" des Taxifahrers beendet, da wir bemerken, dass die Partylocation "im Fabrikgelände" scheinbar schon plattgewalzt wurde und eine Autobahn gebaut wurde und das, obwohl der Reiseführer vom letzten Jahr ist. In Shanghai geht eben alles ein bisschen größer und vor allem schneller!

Die Sonne weckt uns auf dem Balkon. Jiaozi (gebratene Teigtaschen mit Fleischfüllung) auf dem Balkon und ein Kaffee katapultieren uns über den Weg des Ekelns vorbei an Gemütlichkeit gleich wieder zurück ins Wochenende. Eine Exkursion nach Xinjin und Suzhou steht auf dem Programm. Es sind zwei Orte, durchlaufen von kleinen Wasserstraßen, ähnlich Venedig, die teils touristisch, teils sehr untouristisch in Erscheinung treten. Zwischen zwei Wegpunkten begleitet uns freundlicherweise ein übermäßig sportlicher Zeitgenosse auf seiner Rikscha Richtung Zielstation. Da im eher außerhalb gelegenen örtchen Touristen genauso selten sind wie Taxen, erfreut er sich eines Geschäfts mit Westlern und fährt uns für 2 Euro durch die G egend. Auch in diesem Ort gibt es wiedermal alles zu kaufen wovor man Angst hat und der Abend mündet für uns in einem Hotpot Restaurant der "All you can Eat" Extraklasse. Klausi, meine neue Lieblingslanguste leistete mir während des Essens nette Gesellschaft, bevor er dann am Essensabend eintauchen durfte, jedoch in heisses Fett. Ärgerlich. Ich beweise wiedermal, dass mir mein chinesischer Name zu Recht gehört, dennoch lässt Klausi auch im gebrutzelten Zustand nicht mir sich reden und will die Beine nicht breit machen, die Sau. Blöder Arsch, und dabei zahlen wir sogar. Naja, beim nächsten mal.

Zao shanghao, guten Morgen ShanghaiVenedig mit Stäbchen Der Friseur Chillen im Gässchen Fischfütterung Clichee   Der ProtagonistRikschafahrt1Rikschafahrt2 Klausi the faithfull

Eine weitere hervorragende Nacht in wohliger Wärme und mit fabelhafter Musik vom Paule Kalkbrenner auf dem Balkon lässt uns auch in den Montag entspannt eintauchen. Der letzte Tag. jetzt muss was gehen! Als erstes besuchen wir das Shanghai Museum. Hier gibts alles was die chinesische Kultur bisher geschichtliches hervorgebracht hat. Von München über Stempel und Kalligraphie, über chinesische Minderheiten bis hin zu Getöpfertem gibt es einiges, was das Touristenherz erfreut. Gewappnet mit einem chinesischen Pfannkuchen und Milchtee (very famous) geht über die Haupteinkaufs- und Touristenstraße Nanjing Lu zum Bund. Dort wartet bereits unser Schiff, dass uns zu einer 3 stündigen Bootsrundfahrt zum Yangtse-Delta entführt. Entführt daher, da wir irgendwann 1 Stunde warten müssen, da ein Boot im Hafen montiert wird und doof, weil man eigentlich nur nochmal ein bisschen was von Shanghai sieht uns sonst nen reudigen Hafen in dem viele rostige Schiffe liegen. Als es dann zum Yangtse Delta geht, sieht man bloß aus weiter Ferne die großen Schiffe und schnurstracks dreht der Pilot wieder um. Touristen abzocken können die hier in Chine tatsächlich gut. Aber wir lernen dazu.

Whatever Wazuuuup??? Bi yong - the Greatful!!! Eintauchen in Shanghai Seemannsidyll Shanghai aus der Ferne

Der künstlich beschaffte Stress lässt uns zum Flughafen rennen und wir erreichen den Flieger noch grade so um uns vorher am Flughafen für ca 2 Euro each ne warme Mahlzeit reinzustellen. Schade - das wars schon wieder. Naja, Arbeit macht auch Spaß, Wir verabschieden uns gebührend, ich verspreche meinen Besuch in Peking und setze mich wieder in die Bahn zurück zur Wohnung. Pleite und übermüdet falle ich in mein Bett und wache nicht mehr auf bevor mein Wecker mich nicht mehr schlafen lassen mag.

Auf in die schniken Schuhe und los. Die Woche startet!

Gruß aus Shanghai

Björn (Bi yong)

12Sept
2011

Ich verlasse Shanghai !!!

Ich blicke zurück auf eine sehr aufregende, gar nicht allzulang erscheinende erste Woche in meinem neuen Job, fernab von Sicherheitsschuhen und Meterstäben. Meine schicken Schuhe erweisen sich als angenehme Begleiter selbst bei längeren Büroaufenthalten und es fällt mir gar nicht schwer mich an das Tragen von Hemden zu gewöhnen. Erste Etappe erfolgreich gemeistert. Gut der Junge!

Tschakaa!!!!

Ich erarbeite Kennzahlen und bastel fleißig an Exceltabellen herum. Früher hab ich mich immer gefragt was die Kerle den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen und rumklicken. Als Schreiner aus der "ich muss da mal dran" und "ui - wer ist denn da"-Perspektive macht man sich noch kein Bild davon, wie arbeitsintensiv ein nicht-produktives Geschäft sein kann. Aber gleich in der ersten Woche heisst es: Disziplin beweisen. Die Kollegen verlassen der Reihe nach das Büro. Einige sind auf Tour, ein weiterer hat Kurzurlaub, der nächste merkt dass es leerer wird im Büro und auch ich lasse mich bloß auf einen Tag allein im Büro ein, wonach ich dann auch bereits angefangen habe von zu Hause aus zu arbeiten. Hier heisst es: Disziplin beweisen. Kaffee Flatrates sind verlockend, doch Durchhaltevermögen vor dem Rechner soll bewiesen werden. Wer den einen Fuß quasi im Feierabend hat, hängt bereits mit dem anderen Fuß 2 Wochen im Rückstand. Das soll natürlich nicht passieren!

Was also ist zu tun, wenn der Kopf nicht mehr das tut, was er soll? Normalerweise ist dann der Beistand zweiier Freunde gefragt, die eben bereits den ganzen Tag vor der Türe stehen und dringend ausgeführt werden wollen. Doch mit Laufen in der Innenstadt konnte ich mich bisher noch nicht so richtig anfreunden. Also verfalle ich in alte Verhaltensmuster und beschreite eine Zeitreise ca 1/2 Jahrzehnt zurück ins Fitnessstudio. Es ist alles vorhanden und meine Kreativität beschert mir ein Training wie ich es lange nicht hatte. 15min laufen, 60min pumpen, 15 min schwimmen. Super - was ein Tag. Und? Kann ich jetzt weiterarbeiten? - NIX! Ich hab hunger und bin müde. Verdammt - Ich hasse es wenn ein Plan nicht funktioniert. Geschickt wie ich bin, habe ich mir Aufbrühnudeln aus dem Westler-Laden besorgt. Dauern ca 2 Minuten bis sie fertig sind, jedoch 200 Minuten bis man alle Nudeln mit den Stäbchen aus der Brühe hinterher wieder rausgezogen hat. Wird schon!

Laufen über Shanghai Schwimmen über Shanghai Schwimmen über Shanghai2

Inzwischen ist es Freitag abend. Der Kollege aus dem Chinesischkurs von der Hochschule ist bereits unterwegs im Überlandbus nach Shanghai und ich freue mich darauf mal etwas vom Shanghaier Nachtleben mitzubekommen, nachdem ich ja letztes Wochenende 1320 Stufen rauf und runtergelatscht bin. Es verschlägt und in die Hengshan Liu (Straße). Jeder Westler, der bereits in Shanghai war, kennt diese Straße. Es geht um Killer, Koks und Nutten, genau wie in Deutschland. Allerdings gibts weniger Killer, aber dafür mehr Nutten, meint man zumindest. Tatsache - es gibt hübsche chinesische Mädchen. Dessen werde ich mir dieses nachts bewusst. Und ja, die Westler werden von den Chinesen verarscht. Dessen werde ich mir erst des nächsten morgens bewusst. Es funktioniert so: Der Westler wird in den Club gelotst. Am Eintritt zahlt er 100Yuan (10Euro) und bekommt ein "Freitrinken" offeriert. Skeptisch wie ich bin, hinterfrage ich 1000mal und löse das Rätsel nicht. Am nächsten morgen wird mir alles klar: Der Chinese hat seine 20 Mädels dabei und flackt schön Gigolomäßig auf den gepolsterten Coaches neben seinen Uschis, die eigentlich nicht wirklich viel anhaben. Er sitzt in mitten des Partyraumes, indem die Musik deutlich zu laut erklingt und erfreut sich der Veranstaltung. Was ist die Veranstaltung? Die Veranstaltung ist, dass die Westler zwar nen Freitrinkenschein haben, dass jedoch die einzige Bar die die Freidrinks ausschenkt, draußen im Vorraum ist und dass dort bloß ein Bar-boy steht, der nix kann! Der Laden ist voller Westler, was einen immensen Ansturm auf die Theke nicht ausschließt, nein - eigentlich eher unmöglich macht, an etwas zu Trinken zu kommen, was manchen Westler doch wieder an die Standardbar treibt, wo überteuerte Preise warten. Und der Sofachinese macht sich sauber drüber lustig. Aber naja, wenn das Bier extrem scheisse ist, und es sonst nur Schnaps gibt, dann findet das wirklich jeder Bargast witzig, auch der betrunkene Westler, der wie blöd den Asiamädels hinterherdackelt, die ihn wiederum abwimmeln weil er ja zu krass betrunken ist - hartes Schicksal!

Shanghai Partymädel Zwei Rosenheimer im Osten Östliche Animierversuche

Der nächste Tag ist ein kurzer! - Er startet um 3, beschert eine günstige, spärliche Portion "Was auch immer" und lädt mich wieder dazu ein, mich mit Fakemarketverkäuferinnen zu prügeln. Ich werde besser! Im Weiteren Verlauf hat er einen Besuch in einer American Bar und ein Tiger 0,4liter Bier für mich übrig. - Gute Nacht. Oh halt, ich hab vergessen, dass er mir noch auf dem Weg, ein wahnsinniges chinesisches Spektakel offerierte, das alte chinesische Muttis bei ihrer Allabendlichen Park-Tanz-Therapie-Synchron-Orgie zeigt. Merkwürdig, aber überwältigend.

Ost-Interpretation von Michael Jackson´s

Der Sonntag ist ein harter! Meine gestern zu teuer erstandenen Krawatten sollen fachgerecht an meinem Hals montiert werden. Jup, läuft. Eine Sightseeingtour der Extraklasse ist geplant, wohingegen Extraklasse immer eine Frage der Definition ist, aber ich bin ja nicht nach China geflogen um mich nicht umwerfen zu lassen.

Das Motto des heutigen Tages lautet: Schicksal! Dies musste auch die kleine Maus erleben, die wohl zur falschen Zeit am falschen Ort war und vom Schicksal eben etwas zu heftig überwältigt wurde als ihr lieb ist. So gings uns später auch. Der Onkel des Kollegen führte uns durch ein chinesisches Viertel. Seine gewohnte shanghaiisch-chinesische Dreistigkeit, die ernüchternde Einblicke in das tatsächliche Shanghai verleihen mag, bescherte mir die Erinnerung daran, dass ich tatsächlich ein Extremes Schamgefühl empfinden kann. Ich verlasse Shanghai. Oder auch nicht. Wir steigen durch ein Gitter und begeben uns in das, was in unser Aller Vorstellung "Slum" genannt wird. Hier hört der lustige Teil auf!

Sieht autentisch aus!

Verarmte Famlien wohnen eng zusammengefercht in stinkenden Gassen. Wir gehen praktisch direkt durch ihre Wohnzimmer und fangen uns fragende Blicke ein. Die Frauen waschen die Wäsche mit Bürsten und Seife von Hand in Waschbütten, überall hängt Wäsche. Immerwieder erwischt uns eine Wolke unwohlriechenden Etwas. Ein Ghetto, aus dessen Labyrinth man kaum herausfindet obwohl man rauswill. Ich wehre mich, bin jedoch hinterher sehr froh gesehen haben zu dürfen, was eben die Kehrseite der Medaille bedeutet. Diese so pompös wirkende Stadt mit ihren neuen Bauten und dem glamourösen Erscheinungsbild, ist scheinbar genauso glaubwürdig wie das aufgebretzelte Mädel, das uns entgegenkommt. Hinter ihrer Fassade aus einem kurzen Rock und Schminke verbirgt sich offenbar ein Leben, das sich wahrscheinlich Niemand wünscht. True or False? - Who knows?

Straßenverkehr Armengasse

Um diese Viertel herum befinden sich die kleinen, unzähligen Shops der Familien. Sie reparieren Roller, massieren Füße, schneiden Hare, verkaufen Tiere, kochen Essen, betreiben Kioske. Welcome to Shanghai.

Essensshop Tiermarkt Rollerwerkstatt unzählige Shops Shop

Ein paar Ecken weiter werden wir selbst ungewollt zu Lebensmittelkontrolleuren. Es ist ein Markt für Meereskram. Ja, es stinkt, aber das ist in Hamburg nicht anders. Allerding: Ich schau in das Gesicht eines Fisches. Er liegt aufrecht vor mir auf einem Tablett. Seine Kiemen bewegen sich und bemerke Lebenszeichen. Nun bewegt sich auch das große Maul und schnappt nach Wasser. Wasser gibt es jedoch keins, denn das Tablett auf dem er liegt ist das der Metzgerin, die bereits von hinten angefangen hat den Fisch in ca 3cm breite Scheiben zu zerschneiden. Diese Scheiben liegen neben dem Fisch. Er kann sie sehen. Ein weiteres tragisches Schicksal. Es ist dreckig, wir treffen einen umherliegenden Hund und um die Ecke, im selben Laden verkauft eine Familie handgearbeitete genähte Waren. Portemonaits, Mäppchen.... Nette Umgebund oder?

Mahlzeit! Not yet spicy Kurz vor der Freiheit Kurz vor der Freiheit 2

Schluss damit! Wir fahren was Essen! - Naja, ein Brot, ich könnt eigentlich eher kotzen, aber irgendwas muss ja mal rein. Danach beschaue ich noch den zukünftigen Reiserucksack, eine fitte Jacke und Wanderschuhe für die hoffentlich bald startenden Wochenende - Überlandbus - Chinaerkundungen und die im Oktober geklante Fahrradtour um den Tai-Lake nahe Suzhou.

Wir holen noch einen Kollegen ab und gehen was Richtiges Essen. Der Spicey Frog steht auf der Speisekarte und nun wollen wir doch mal sehen, was der so kann. Grad eben noch durften wir einen seiner Kollegen im Käfig betrachten, nun sitzt der Artgenosse schon auf dem Teller und wird mit Mühe und Not mit Stäbchen gehalten. Glitschig, knorpelig und knöchern, jedoch sehr lecker. Wir fragen uns ob es wirklich Frosch war, oder ob uns China wiedermal verarscht hat.

Spicy Frog Fußgängerzonenambiente

Zum Ausklang des Abends gibt es ein Bierchen auf der Dachterasse einer Kirche. Hier oben im Kathleen5 präsentiert sich uns im 5. Stock schon ein fabelhafter Blick über die innerste Innenstadt von Shanghai. Friede, Freude, Eierkuchen. So haben wir den Tag nicht erlebt, aber so endet er. Keine Sorge, ich verlasse Shanghai nicht wirklich, aber ein Blick über den Tellerrand bietet immerwieder Blicke, die einen nachdenklich werden lassen, wie gut man es doch hat.

Gruß aus Shanghai

Björn

06Sept
2011

Erfolgriches Auftreten

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, gestaltet sich nun das „Über-die-Straße-gehen-versuchen“ als reine Nebensächlichkeit. Der anfängliche, ungeübte Angstschweiß weicht also einem an Selbstbewusstsein strotzenden, männlichen, Könner-Standard-Schweiß, der mein neues Wo (chin. Für ICH) ständig mitbestimmt. Blöd nur, dass ich in der U-Bahn wieder wie ein Affe angeschaut werde, was dem entgegenwirkt.

Ein langes Wochenende steht bevor. Nach den ersten paar Tagen in Shanghai wird es also Zeit sich auf den ernsten Teil des Lebens vorzubereiten. Es werden also wichtige Vorkehrungen zu meiner Integration in das chinesische Leben getroffen und ich verabrede mich gleich mal in den Biergarten der Park Taverne. Bei einem gemütlichen Heineken werden also die nächsten Wochenenden mit anderen Landsmännern besprochen und dem Abend ein Sinn gegeben.

Der nächste Tag verhilft mir erfolgreich zu meiner chinesischen Handynummer, die ich nun endlich benutzen und somit die Kommunikation am kommenden Wochenendtrip sicherstellen kann. Gleich vom Xujiahui park aus, wird die erste SMS an meinen Mitbewohner und Kollegen verschickt. Es funktioniert – ich bin mobil. Ein schönes Gefühl. Ebenfalls sehr mobil und dazu noch sehr flexibel und fleißig ist die chinesische Mücke, die bereits ihre drohenden Bahnen um mich herum zieht. Ja – hier gibt es Mücken und Ja – die stechen mehr als bloß einmal. Unterbrochen beim Lesen des vom Vormieter hinterlassenen literarischen Meisterwerkes „It´s all chinese to me“, das von der chinesischen Regierung zwecks Prittstift teilweise zensiert wurde – wo auch sonst haben Beamte soooo viel Zeit? – Stimmt, in Deutschland zum Beispiel, werde ich von dem unbekannten Summen gestört. Die Form ist ähnlich, das Summen ist ähnlich, die Hinterlassenschaften sind ähnlich, bloß die Gestaltung des Blutsaugers scheint im Schöpfer den Künstler hervorgerufen zu haben. Die chinesische gemeine Parkmücke ist schwarz mit hellgrünen Stellen und leuchtet lustig. Beim Versuch sie zu fotografieren fange ich mir bloß noch mehr Bisse von dem blöden Vieh ein, wonach ich die Sache zwecks „It´s all chinese to me“ und einem gekonnten Hakenschlag beende. Tatsache, wirklich alle Hinterlassenschaften sind ähnlich!

Park inmitten einer Metropole 2 Ladies

Das Wochenende beginnt mit einer 6 stündigen Autofahrt für wagemutige 400km. Wahnsinn, das kriegt selbst mein Bus nicht langsamer hin. In China gibt es für interessierte Neuankömmlinge immer interessante Dinge zu sehen. So auch an Raststätten. Während der Eisverkaufstand vor der Türe mit Nervenbetäubenden, weiblichen Krächtztönen in der Endlosschleife „Icecleam, Icecleam, bingxiling, bingxiling“ tönt, pinkeln im Restroom der Herren  eben diese am Reihenpissbecken, stehend gegen eine Glasfront hinter der sich Blumen befinden, die jedoch aussehen, als wünschten sie sich die Glasfront hinfort. Fürs Wohlbefinden ist also gesorgt. Dessen kann sich auch der chinesische Kollege überzeugen, der bereits Reis aus der Plastiktüte lutscht.

Reiseroute

Zebrastreifen auf der Autobahn Ladesicherung auf der Autobahn Toilettenambiente

Nach dem mehrmaligen Versuch „bingde, bingde“ kalte Getränke zu bekommen verköstigen wird im Auto nun also auf der Weiterfahrt warmes Bier und lassen es uns dabei gut gehen. Informationen über unser Reiseziel, der alltägliche Arbeitsstress und Metallboxen auf Ladeflächen von Pritschen auf der Autobahn in denen Schweine schlimmer als in Deutschland zusammengefercht sind, stimmen uns freudig auf das Wochenende ein. Ein fabelhaftes Hotel und eine nette Sherpa (Reiseführerin) erwarten uns und unseren Hunger am Ziel.

Chinesisches Essen.

Falls sich jemand schonmal gefragt hat, wofür der kleine Drehtisch auf Tischen im China-Restaurant ist, so kann ich mitteilen: Er ist nicht dafür da, um eurer kleinen Schwester die Cola rüberzuschieben ohne den Hintern hochbewegen zu müssen. Nein. Vielmehr wird für alle Leute bestellt was alles so schönes auf der Karte steht. Es ist eine eher gemütliche Sache, wäre da nicht der Alkohol. Man wäscht sein fertig verpacktes Geschirr kurz mit heißem Wasser ab, muss wirklich nicht lange auf das Essen warten und startet dann in einen Abend den man sein Leben lang nicht vergessen wird. Ich erkläre an dieser Stelle nicht, wie mit Stäbchen gegessen wird, es bleibt jedem selbst überlassen dies herauszufinden. Es soll bloß gesagt sein: Eine Gabel gibt’s da nicht!!! Man dreht fleißig den Kreisel vor sich und nimmt sich einfach direkt von dem Teller auf dem das Essen serviert wurde mit den Stäbchen runter und verköstigt dieses quasi „On the fly“ über seinem wohl sauber gespültem Geschirr. Bei gemeinschaftlichen Aufrufen zum Trinken sind alle herzlich eingeladen ihr Glas zu schwingen. Aber wehe es trinkt jemand nicht mit, und wehe jemand trinkt es nicht leer. Es sind zwar bloß 0,1 l Gläser, aber das kann bei hoher Frequenz durchaus in die Hose gehen. Die gebräuchliche Form des Trinkens jedoch geschieht durch das direkte Ansprechen einer Nachbarperson, die mit einem Trinken möchte. Wichtig beim zuprosten ist, dem Gegenüber Respekt zu zollen indem man das Glas nie höher hält als der andere, was natürlich schnell mal auf der Oberfläche des Tisches enden kann. Diese Form des Trinkens geschieht recht häufig,  vor allem wenn einige Deutsche sich eben in ihrer Landessprache dazu verabreden, alle mal mit dem chinesischen Kollegen zu trinken um zu schauen, was da denn so möglich ist. Eine wirklich sehr lustige Veranstaltung, die Niemand verpassen sollte.

Der Plan für das Wochenende sieht eine Bergwanderung vor. Wir sehen wahnsinnig schöne Felsformationen und erleben die erste Bergkette, die vollständig mit Steinstufen erschlossen ist. Vollumfänglich touristisch erschlossen, bleibt uns kein Moment Ruhe vor den Heerschaaren der chinesischen Sighseeing-Lovers. Unzählige chinesische Lastesel (Männer, die Konsumgüter in die Berge schleppen) laden uns auf ein Wasser ein und wir entdecken alle 50m ein Kiosk nach dem anderen. Sehr viele Aussichtplateaus ermöglichen uns die fabelhaftesten Bilder unserer Wenigkeiten vor atemberaubenden Bergmassiven und Kieferbäumen. Die anfänglich auf 5 Stunden angesetzte Bergtour entpuppt sich schließlich nach  chinesisch-englisch-deutscher Kommunikationsschwächen zu einer 10stündigen Tour und wir gelangen an das Ende unserer Kräfte. Nach dem Erklimmen von 4 Gipfeln, übernachten wir in einem noch fabelhafteren Hotel und der nächste Tag bringt uns nach einer deutlich kürzeren Wanderroute mittels Seilbahn wieder runter auf den Boden der Tatsachen in den Ort, der ebenso heist wie das Bergmassiv „Huang Shan“ (Gelber Berg).

Tempel Lastesel Faule Sau Gipfelshop NiiiceCrowded Peak

Land der MitteNiceKeine Drogen, sondern chinese Cookiesberühmter PinetreeStairsStairs2Nice3

Bei der Rückreise in den Ort, bemängelt die Reiseführerin meine unsoziale Verhaltensweise, die sich durch ein gestohlendes Handtuch, gedacht als Sonnenschutz bei der Wanderung,  bemerkbar macht, das wir gleich ins Hotel zurückbringen müssen und noch Strafe zahlen für eine Sonderreinigung. Chinesen – billig aber pingelig, wa?

Der anliegende Nachmittag eröffnet sich von seiner erlabendsten Seite mit einem weiteren chinesischen „Tischlein dreh dich“ Mittagessen in einem sehr feinen Separee eines der besten Restaurants Huang Shan´s wie uns erklärt wird. Es gibt alles wovor man sich normalerweise fürchtet. Wundervoll, auf ins Getümmel: Getrocknetes Rinderblut, Schlange und „Etwas von einem Fisch“, dass sehr viel Ähnlichkeit mit einer Fensterprofildichtung aufweist. Dieser auf ca. 200 Euro geschätzte luxuriöse Nachmittagssnack für 7 Personen mit eigener Bedienung im Zimmer, die einem jeden Wunsch von den Lippen abliest, reißt in unser Reisebudge ein dimensionsloses Loch von 400 Yuan, was grade mal etwas mehr als 40 Euro sind.  Also Essen, geht immer!

Gefolgt von einem entspannten Nickerchen geht es nun an den wirklich anstrengenden Teil des Nachmittags: Die Massage, jawoll! Die erste! Fuß- oder Ganzkörpermassage? Na – immer auf die Vollen! Die kleine fängt ganz lieb an, irgendwann steht sie mal auf dir und hat Tricks und Kniffe drauf dich mit ihren wahnsinnig kleinen Fingern in den Wahnsinn zu treiben. Wenn das Essen sooo günstig gewesen ist, kann das hier ja eigentlich auch nix kosten oder? Denkste! 70 Minuten schlagen mal eben mit 18 Euro zu Buche. BÄM! Hatte ich mir ehrlich gesagt anders vorgestellt!

Diverse andere Hotelgästechinesische Konsequenz

Da das Essen schon wieder sooo lange vorbei ist, gehen wir gleich noch mal nen Happen nachschieben! Was ist ein HotPot? – Naaa? Jemand eine Idee? Wiedermal ein runder Tisch, aber diesmal mit einem Loch in der Mitte. Darunter eine Herdplatte, die den auf ihr befindlichen Topf in Wallung versetzt. Der Topf beinhaltet, natürlich durch eine Metallseite getrennt, 2 Hälften. Die Eine Seite: Scharf, die andere Seite: super scharf! Man bestellt flux Fleisch, Nudeln und alles was man sonst noch gern in der brodelnden Suppe zerfetzen möchte und kippt die vorbereitete Tiefkühlkost bloß noch in das kochende Wasser. Nach einigen Sekunden ist alles durch und ähnlich entspannt wie beim weihnachtlichen Fondue, können alle getrost versuchen die Lustigen Kleinigkeiten mit ihren Stäbchen aus dem brodelnd heißen Hotpot rauszupicken. Eine tatsächlich sehr gemütliche Angelegenheit. Man sieht viele Pärchen die sich an Zweiertischen in der romantischen Mensaatmosphäre gegenübersitzen – wie gesagt: in China ist immer Stress, warum soll das beim Essen anders sein? Mal sehen wie´s da beim Sex zugeht?!? – naja, oder eigentlich lieber nicht. Aber wie hat ein weiser Augsburger Bayer mal gesagt: Vegeln muast ah! Machste nix ne?`

HotPot Arrangement HotPot Action

Zurück in Shanghai

Der erste Arbeitstag nach unserer Rückreise beschert mir einen sehr interessanten ersten Einblick in Fabrikplanung und meinen Kollegen einen sehr schicken Praktikanten in einem hübschen Hemd und netten Schühchen. Süß der Kleine! – Komme mir fast seriös vor. Der Ausblick aus dem Fenster auf Xu´hui und die Aussicht bis nach Pudong zum Flaschenöffner ist überwältigend, ähnlich wie der Pastapreis in der Mittagspause. Essen geht eben doch nicht immer!

Blick aus dem Büro1 Blick aus dem Büro2 Blick aus dem Büro3

Ich verlasse das Büro nach meinem ersten 11 stündigen Arbeitstag erfolgreich und zufrieden und blicke getrost nach vorn. Anfang Oktober soll es die nächste Reise geben, da China eine Woche lang Volksurlaub beantragt hat. Wunderbar! Mal sehen was kommt.

Gruß aus Shanghai, Zai dian!

31August
2011

Uuuuuund los!

Tschüss Deutschland!

Danke Steffi fürs Fahren!

Der Flug war problemlos und stressfrei. Wenn das für den Rest der Reise auch gilt, wirds zwar nett, aber langweilig!

Was ist das erste, das Jemandem ins Gesicht springt, wenn er aus dem Flugzeug steigt? Hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit. Selbst nach einem Zwischenstop in Dubai kann einem das hier drüben am östlichen Zipfel Chinas ganz ordentlich den Rest geben, vor allem wenn man aus Gepäckplatznot noch nen Wollpulli und ne Jacke trägt Lachend

Das Zimmer ist vom Feinsten, ein Willkommensbier symbolisiert die Krönung des Tages. Nach 9000km und 14h Flug plus 4 h Aufenthalt in Dubai, da nimmt ein Tsingtao bier im klimatisierten Apartment sogar aus der Dose den Platz der Oase in der Wüste ein. Angekommen!

Zähneputzen in Dubai - nette Sitznachbarin :-)Chinesischkurs Kollegen zufällig am Flughafen getroffen

Der nächste Tag schickt mich zu den baldigen Arbeitskollegen und zu einer Pizzaria, die mir nicht wirklich das gibt, was ich hier in China erwartet hatte, wohl aber den Magen füllt, was ohne Frühstück natürlich schonmal nicht schlecht ist. Es kommt die Frage auf, inwieweit sich das chinesische Leben in meinem Alltag etablieren soll. Wie weit bin ich bereit zu gehen um mir eben nicht mehr westlich vorzukommen und wie lange werde ich das durchhalten?

Die erste Bahnfahrt schlägt mir bei genau dieser Frage ins Gesicht. Man steht nicht nur in der U-Bahn, sondern man ist selbst die Attraktion der U-Bahn. Alle Leute schauen einen an, was im Gegensatz zu Deutschland tatsächlich nicht an den immensen Schweißflecken liegt!

Tagesplan: Büro anschauen - check, Bahncard aufladen - check, Zimmer einräumen - check, Portemonait entrümpeln weil man den ganzen Kram hier eh nicht braucht - check, Hemden schneidern lassen - aha! los gehts. Es verschlägt mich zum "Shanghai - Science and Technology Museum". "Wenn du in der U-Bahn bist, dann siehst du das schon", hat es geheissen. Tatsache! Ein Labyrinth an..... Allem, wie sich am nächsten Tag rausstellen sollte. Die Fülle der Schneider, die für ihren Laden werben ist gigantisch und die Preise sind der Hit. Es beschert mir 3 maßgeschneiderte Hemden bis Samstag in 3 verschiedenen Stoffen für fabelhafte 100 Yuan each (ca10Euro) und ich bin zufrieden. Die Frage des Tages, welchen Schneider man nehmen soll erübrigt sich recht schnell, wie sich später rausstellen soll, denn der nächste Tag offenbart, dass es nicht nur unendlich viele Schneider an der einen Seite der U-Bahn gibt, sondern dass sich am anderen Ende der U-Bahn Heerscharen von Fakeartikelverkäufern entpuppen, ein Labyrinth, dass komplizierter ist als ein deutscher Gang zum Amt. Schaut man sich die Waren der Verkäufer an, so entdeckt man schnell, dass alles ähnlich ist. Also: Viele Leute verkaufen die Sachen von Wenigen. Vermutung: Es gibt wahrscheinlich sogar eine Großschneiderei die alles näht, daher ist auch die gezielte Auswahl des Tailors hinfällig, dies gilt es aber noch zu prüfen.

Fakezeug Labyrinth - ein Gang

Der weitere Tag beschert mir die atemberaubenden Ausblicke der östlichen Seite des Huangpu Flusses. Hier in Pudong (Fluss-ost) steht der Oriental Pearl Tower, das Finance Building (Flaschenöffner) und das Jin Mao Building. Sehr oberflächlich betrachtet wirken sie schön, gigantisch, monströs. Was sich in ihrem Inneren verbirgt, wird hoffentlich bald gelüftet.

Oriental Pearl at

Die Westseite (Puxie) lässt mich eben diese Gebäude am nächsten Tag aus dezenter Flussentfernung betrachten von einer Bank aus, auf der ich von einer der zahlreichen Sicherheitskräfte freundlich, vorsichtig, sprachunbegabt hingewiesen werde, dass die Füße bitte nicht auf die Bank gehören, sondern auf den Boden. Da ich nicht ins Gefängnis möchte, gehorche ich brav.

Modernste Stadt - ranzigster Kahn

Mit meinen heute erstandenen 3 PoloShirts für je 100 Yuan mit abgefahrenen Markennamen, die mir als armen Studenten kein Begriff sind und mit einer neuen Tasche, die all meine 100 Kleinigkeiten aus meinen Taschen aufnimmt (Stadtführer, Karte, Portemonait, Schlüssel, separate U-Bahnkarte, Fotoapparat, Bleistift, Chinesisch Lexikon, 2 Handys, Kalender, Reisepass Cool ... nett oder? die Verkäuferin hat vielleicht gestaunt als ich den Pröl aus meinen Hosentaschen in mein neues Hab und Gut rübergeschaufelt habe), mache ich mich auf den Weg in mein Apartment. Der Hunger quält mich, das Aufladen der Visakarte lief nicht so verlockend einfach wie ich mir das vorgestellt hatte. Daher: Schick aber arm!

Ich werde von meinem Mitbewohner und Betreuer Christof in den Fresstempel "Food Republic" eingeladen, der mir wohl auch nach meiner Zeit in China nicht aus dem Kopf gehen wird, da er sich direkt gegenüber unseres Büros befindet. Hier gibt es chinesich, jawoll!! Zweite großartige Leistung des Tages nach dem Abwimmeln unzähliger Fakeartikelverkäuferinnen: Qing wen, nimen you kuaizi ma? Wo yao yi shuang! Björn bestellt STÄBCHEN und isst damit! Wahnsinn!

Erstes Fazit:Shanghai ist nicht nur die Stadt über dem Meer, sondern auch die Stadt des Lichts. Alles leuchtet, alles hupt, alle machen Stress! - Hallo? Ich bin Student, verdammt! Zwar ist der chinesische Gang ein sehr gemächlicher, aber wenn die auf dem Moped oder im Auto sitzen, ist die Hierarchie klar geregelt: der Stärkere gewinnt! Wer einen Funken ihrer Sprache spricht, erringt unendlich viele Sympathiepunkte. Ach ja, ich habe sogar hübsche chinesische Mädchen gesehen. Solls ja nicht geben, gibts aber doch! Proofed!