Björn_in_Shanghai

Berichte von 09/2011

30Sept
2011

Was chinesische Mädels wollen....

Ich muss zugeben, es ist etwas ruhiger geworden zur Zeit. Könnte zum einen daran liegen, dass ich nach der ganzen Sightseeing Action kein Geld mehr hab, könnte aber auch damit zu tun haben, dass ich jetzt mal lust hab auf Arbeiten!

Ich schlage mir also die Tage um die Ohren, sitze ungewohnt viel vor dem Computer, sehe dabei natürlich fabelhaft schnike aus und gehe merkwürdigerweise darin auf. Aber nicht am Donnerstag! Das chinesische Facebook, das mit Facebook eigentlich nix zu tun hat, jedoch genauso aussieht und lokal begrenzt ist, offeriert mir zahlreiche chinesische Kontakte. EIner dieser Kontakte beschert mir am Donnerstagabend einen Abend im "Yuyintang". Für alle Kölner: Das ist sowas wie das Underground von Shanghai und auch mein Mitbewohner meinte, es wäre seine Lieblingsbar geworden. Es spielt eine deutsche Metalcoreband. Ich bin entzückt und fahre mit der UBahn. Easy. Also wie ist das wenn Chinesen metallische Tanzmusik hören Björn? Also das ist so: Der Chinese steht absolut NICHT auf Tattoos und in ganz Shanghai sieht man Niemanden mit Tatöwierungen und Piercings. Warum nicht? Weil die alle in dem kleinen Piss-Laden stecken!! Wahnsinn. Der Laden ist voll und es geht zu. Gemächlich Chinesisch, wie beim allmorgendlichen Gang zur Arbeit wenn alle langsam vor mir hertrotten, und meine Überholspur einen Slalomparkour beschreibt, aber sie geben sich Mühe.

Der Sonntag wird mir auch von einem dieser Kontakte beschert, jedoch nicht nur von, sondern auch mit! Alles mal ausprobieren eben. Ein Blinddate. Naja - Will ja nicht sagen, dass ich´s nicht versucht hab. Im Nachhinein muss ich sagen, es hatte einiges gemeinsam mit der Slums-Erfahrung. Wenn man drinsteckt ist es super unangenehm, hinterher macht man es kein zweites Mal, aber man ist froh, dass man es mal miterlebt hat. -  Sie vercheckt natürlich die UBahnstation obwohl ich es ihr per SMS geschrieben habe. Egal, verkraftbar. Sie trottet neben mir her und sieht nicht halb so fabelhaft aus wie auf den Fotos im chinesischen Facebook, verkraftbar, ist in Deutschland schließlich auch nicht anders :-) Aber da ist nochwas: Ich hab mit einem Kerl im Facebookchat gequatscht, der meinte: "Be aware of the chinese girls, they just like to spend your money". Wollt ich nicht glauben, muss ich rausfinden - Lustig an der Sache: Wie will jemand mein Geld ausgeben, wenn ich das selber nicht kann, weil ja keines mehr da ist?`- hihi, das wird lustig denk ich mir. SOFORT gehts los. Sie möchte Taxi fahren, sie möchte Lunch essen, obwohl grad die Frühstückszeit vorbei ist. Sie will in eine schöne Gasse und Kaffee trinken. Welcher Chinese bitte trinkt freiwillig Kaffee? Die 2 Millionen Starbucks und Costakaffeeläden hier sind Zufluchtorte für uns Westler. Wer hat die da reingelassen? Hallo? Ich täusche vor, dass ich gleich zum Essen verabredet bin und verpisse mich. Ich sag ja, ist in Deutschland nicht anders - "they always like to spend your money".

Geschockt von dieser Welt, die mir nun wieder mal in den Rücken getreten hat, teste ich gleich mal die zweite Verabredung die ich mir für den Sonntag zurecht gelegt hab. - Nicht anders als in Deutschland :-) Auf ihre SMS-Frage was wir machen, schlage ich ein gemütliches Kaffee-Tee Trinken im Park vor und "Have a talk". Zudem lasse ich erklingen, dass ich zu fertig bin für sightseeing action und dass ich ungern viel Geld ausgeben würde. - Schlagartig bricht der vorher rege Kontakt ab. Hm, Zufall oder nicht? Mich kotzt das an.

Ich beschließe wieder mehr zu Arbeiten und mir mehr westliches Kulturgut zu Gemüte zu führen und führe die Balkonsession ein! - Dazu gehören: 2 zueinander gerichtete gemütliche Sessel auf dem Balkon. große Kopfhöhrer mit phantastischem Klang, eine Packung Platzchen und ein Whiskey. .... uuuuund ALLE Scrubsstaffeln, die der Mitbewohner fleißig gesammelt hat. YEAH!!! los gehts. Meine Abende sind gerettet.

Balkonsession

Ich habe auch gedacht, wer in Shanghai ist, der sollte die Zeit nutzen und nicht so nen Blödsinn anfangen. Aber wie es sich zeigt, so ist ein gewisser deutschsprachiger Austausch und ein funken westliches Kulturgut sehr wichtig. Auch dann, wenn man von sich selber behauptet, dass man NIE Heimweh bekommt und überhaupt kein Problem damit hat, andere, neue Leute kennenzulernen.

Nun ist es wieder Wochenende und China feiert eine Woche lang sich selber. Die Festlichkeiten werden vorbereitet, die Leute arbeiten deutlich mehr, damit sie länger frei haben werden und die Büros werden mit extra vorbereiteten und gestempelten Bannern versiegelt, damit auch keiner auf die Idee kommt, das Büro zu betreten. - Die spinnen die Chinesen!

Office closed already!

Morgen startet unsere Fahrradtour. Ich habe mir einen Rucksack, Schuhe und eine Jacke besorgt. Ich sehe aus wie ein Abendteurer. Bin ich ja auch, schließlich glaube ich ernsthaft, dass ich morgen beim Überlandbusterminal ein Ticket bekomme -

Die spinnen die Praktikanten.

Ready for Take off

Grüße aus Shanghai

Zai dian

Björn    

PS: Hier noch ein Photonachtrag vom Dinner am ersten Wochenende in Huangshan.

arrangement OutcomeUh Boy, how´s it going?Wagemutig - Biyong der Neugierige

21Sept
2011

Sightseeing in progress

Was kann es wohl bedeuten, wenn die Frequenz des Erscheinens der Blogeinträge nachlässt? - Richtig! Der aufmerksame Leser merkt sofort, die Lust am Schreiben kann mir gar nicht vergangen sein. Es liegt wohl eher entweder an tausend Dingen, die man hier erleben kann oder an frühabendlich drückender Feierabendstimmung die mich ins Bett zwingt um das anstrengende fast 5-tätige Wochenende zu verarbeiten. Aktuell treffen beide Einflussfaktoren zu.

5-tägig? Was macht der Kerl da drüben? Der soll arbeiten der Lausebub! - NÖ!

Nach meinen Einschneidenden Erlebnis letzte Woche in den Gassen der Negativseite Shanghais, folgte eine kurze aber arbeitsintensive Woche. Es zwang mich 2 Tage in´s Büro und gleich danach auf die "Furniture manufacturing and Supply China". Die zweigeteilte Shanghaier Möbelmesse, die allen Maschinenherstellern und Zulieferern das Ausstellen auf einem Expo Gelände und ihren Kunden, nämlich den Möbelausstellern, einen Stand auf dem anderen Expo Gelände verschafft. Macht ja auch Sinn, dass die Kunden erstmal durch ganz Shanghai müssen um sich dann bei ihren Zulieferern sehen zu lassen und umgekehrt - VOLLIDIOTEN!!!

Messe in China nach Deutschem Vorbild rock&roll auffa Messe unglaublich exotisch

Naja, - ich habe einen Job, oder vielmehr ein paar. Zuerst mal Kaffee trinken! Ganz wichtig! Am Dienstag wird auf der Messe erstmal die Lage gecheckt. Standardmäßiges chinesisches Messechaos. Die Messe beginnt in ein paar Stunden und der Laden sieht aus wie Dresden ´45. Unser Stand ist vorhanden, es kleben jedoch die Schilder eines anderen Ausstellers daran, obwohl auf den im innern klebenden Plakaten deutlich unser Name zu erkennen ist.

Zweiter Job: Zusammenstellen von Informationen der chinesischen Zulieferer. Ich mache mich also wichtig und laufe in meinem gestriegelten Anzug und meiner schwarzen Kravatte über die Messe. Ich sehe wichtig aus und komme mir auch so vor. Ich verteile Visitenkarten und sammle fleißig Produktinformationen. Ich stelle mich auf eine bevorstehendes Preiskataloginvasion ein, aber das ist mir egal. Mir gefällt das neue Ich. Dass meine Kravatte-Anzug Kombination dabei aussieht als käme ich grade von einer Beerdigung, erfahre ich ja erst am Abend :-)

Sehr abgefahrene Bemerkung: Der Ausländer wird beim Betreten der Messe bei geschicktem Eintreten nicht nach seiner Eintrittskarte gefragt. Der westliche Vorsprung, oder das gespielte östliche Schamgefühl? Man weiß es nicht. Nundenn. 17 Uhr - Bier muss ran. Liebevoll drückt mir der Kollege ein paar Yuan in die Hand und fordert mich freundlich auf etwas zu Trinken zu organisieren - ENDLICH! Jetzt bin ich Praktikant! Das hat lang gedauert. Ich wehre mich natürlich, jedoch nich vor Angst ausgenutzt zu werden, sondern vor dem Malleur, das es geben könnte wenn ich mir der klimpernden Kiste Bier wieder auf die Messe laufe. Natürlich kann ich mich nicht gegen die durstigen Kollegen durchsetzen und so landen 7 Flaschen Bier bei unserem Messestand. Hat alles geklappt. Hm, wieso? Tüte mit Bier durchschmuggeln obwohl die zwei Chinesen vor mir auch nicht mehr reingelassen wurden weil es schon zu spät war - check. Durchkommen obwohl ich verplant habe die Eintrittskarte vorher um meinen Hals zu hängen - check. Dreist aussehen beim Bestellen von 7 Bier draussen an der Kaffeebar - check. Wahrscheinlich ist es tatsäch das östliche Schamgefühl davor einen Westler anzusprechen, doch ich hoffe immernoch darauf endlich mal ein dreistes Arschloch zu werden!!! Ich übe weiter!

Nachdem ich nun auch noch die zweite Aufgabe, das Sammeln von Maschinendaten unbekannter Hersteller :-) , erfolgreich gemeistert habe, widme ich mich am zweiten Tag gleich der nächsten Aufgabe: Mal schaun, wie die Chinesen so ihre Möbel bauen. WIe ist die Konstruktion, auf was stehen die so, wie sehen die Stände der Kunden aus? Wie ich bemerke, ist dieser andere Messeteil ca 20mal so groß und hat schon Ligna Niveau. Ich habe wiedermal viel Spaß daran über die Messe zu laufen und gebe mich interessiert an Möbeln. Mein Anzug verleiht mir wiedermal ein fabelhaftes Aussehen. Ärgerlich am heutigen Tag ist bloß, dass ich alle 20meter einknicke, da ich am vorabend mal wieder nach Ewigkeiten ne Stunde laufen war. Ja, ich habe die Straßen Shanghais bei Nacht mit Laufschuhen erkundet und habe nun Schmerzen. BLÖD! Aber auch der Tag ging dann irgendwann mal rum!

Heute ist Donnerstag - Zeit für Wochenende. Meine reizende Flugbegleitung richtung Fernost besucht mich aus Peking. Fabelhaft, das bedeutet: Gesellschaft, Maglev fahren und sightseeing. Ich fahre 1,5 Stunden zum Flughafen mit der Ubahn. Meine schicken Schuhe stellen sich als hervorragend alltagstauglich heraus. Bin das wirklich ich?

Wieder erwartet mich der übliche chinesische Alltagsstress. Der Flieger ist an einem Terminal angeschrieben, landet aber am anderen. Alles kein Problem, wenn nicht bloß 11 Minuten verbleiben würden bis der letzte Transrapid das provinzähnliche Hafengebiet verlässt. Just in Time - das Wochenende beginnt mit einer 8 minütigen Fahrt in die Stadt bei Tempo 300. Rasante Fahrt und die Schuhe hab ich auch noch an :-)

430 Spitze

Standard Sightseeing am Bund, ich bin ja schon Shanghainese, und eine Taxifahrt zur Glamourbar bescheren und einen fabelhaften Abend und 2 überteuerte Cocktails in einer Schnöselbar. Voll Geil!

Was steht auf dem Programm? - Eigentlich ist die Frage falsch gestellt. Die korrekte Frage lautet: Was steht NICHT auf dem Programm? - Es geht also los, ein spannendes Wochenende erwartet uns. Gleich einmal starten wir sanft in den lieben Shanghaier morgen. Mit fabelhaftem Wetter, hochgekrempelten Hosen und Teigtaschen mit Schweinefleischfüllung gleich zum Frühstück - würg. Egal - mir versaut nix die Laune!!!

Wir besuchen den People´s Park. Ein überraschenderweise englisch sprechendes jungen Mädchen, entzückt von unserem Auftreten und gewillt ihr Englisch zu verbessern, quatscht uns einfach mal so an. Will sie was verkaufen? Sie geht wieder und  lässt uns in unserem romantischen Tai Chi Idyll zurück. Beim Ausweg aus dem Park treffen wir zufällig auf einen Sightseeingbus der unseren Reiseplan deutlich zerstört. Nundenn, auf ins Touristengedränge. für 3 Euro einen Tag Bus zu fahren ist doch super. Wir erkunden alles was toll ist und steigen aus wann es uns gefällt. Der Yu Yuan Garden offeriert uns einen religiösen Tempel, malerisches chinesischem Ambiente mitten in der Großstadt und ein Mittagessen, wie es chinesischer kaum sein könnte. Meine entzückende Reisebegleitung spricht im Gegensatz zu mir, ein ausgeprägteres chinesisch, was zu keinerlei Kommunikationsproblemen führt. Weder zwischen ihr und dem Verkäufer, noch zwischen ihr und mir :-) COOL!

Tai Chi Kollegen Reiserouten TouritourYu Yuan Wall die Guten schauen böse drein! Yu Yuan Gasse Yu Yuan Garden hostorisch vor neureich Dragonwall ZickZack Brücke Mittaaach!!

Es treibt uns nach Pudong. Die westliche Seite des Flusses protzt mit gigantischen Wolkenkratzern. Diese wiederum protzen mit prallen Eintrittspreisen. Was kostet die Welt? Immer her damit. Wir stehen auf 474m über dem Boden auf der weltweit höchsten Aussichtsplatform eines Gebäudes. Unter uns ist ein Glasboden der uns den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die klein erscheinenden Autos und die nicht wahrzunehmenden Fußgänger befinden sich 474m unter uns und wir verbringen 2 Stunden dort oben, bis die Dunkelheit einkehrt und uns das selbige Schauspiel in bunt glitzernder Fassade darbietet. Unglaublich! Man blickt über die weitesten Teile der Stadt. Einzig allein die Smogwolke begrenzt nach vielen Kilometern die Sicht. Lustige Informationstafeln wecken mein Touristenherz und ich eigne mir alles an, was mir an Wissen angeboten wird.

Pudong Modell Jin Mao Building von oben Jin Mao und Ich ohne Worte Prollos adrett glamurös

Wir setzen unsere Reise am Fuß des Giganten fort und erkunden die Bundseite östlich des gelben Flusses. Ein Eis und ein chinesischer "Singer Songwriter" versüßen uns den Abend ebenso wie die auch von unten umwerfende Optik der fabelhaften Konsummetropole. Es ist Freitag abend. Ein Abendessen in der "Food Republic" stärkt uns für den Abend und das anschließende Bier im Paulaner Biergarten setzt die Segel des Partyschiffes. Ich sponsore meinen Einstand an die ebenfalls anwesenden Kollegen. Der in Lederhosen auftretende pseudebayrische Urchinese lächelt und seine im Dirndl steckende ostasiatische Kellnerfreundin kassiert mal eben 8Euro pro Getränk und mich in die Armut. Naja - immerhin Live-musik.

Es geht wieder auf die Hengshan Lu. Ich bin mir wohlst bewusst über die finanziellen Tücken der Stadt und somit entscheiden wir uns für Flatratetrinken. Aber nicht in der Bar von letzter Woche, sondern in der nächsten. Rückschritte verboten!!! Es ist genauso! Egal. Wir haben Spaß und bewundern chinesische Würfelspiele. So cool würd ich ja auch gern aussehen beim Würfeln. Hier gibt es weniger Westler als in der Bar um die Ecke. Wahrscheinlich ist das auch der Grund weshalb der Kellner uns anwesende Westler nun auch noch böser anschaut, egal, ich bin betrunken, das macht mir nix. War ja auch ne anstrengende Woche - lach!

Samstag. Keine Zeit für Kopfschmerzen, jetzt gibts SIghtseeing. Die French Concession steht an. Der Reiseführer hat durch das ehemals französisch besetzte Gebiet der Stadt einen Stadtspaziergang vorgesehen, den wir uns ganz genau anschauen. Gemütliche Gässchen, nette Straßenverkäufer und sogar chinesische Kultur bieten uns einen sehr gemütlichen Tag. Im Fuxinpark schließlich geraten wir an lusitge Plastiklaufräder auf einem See, die uns zu kurzer sportlicher Närrischkeit verleiten. Mein Kopf ist jedenfalls nicht so erwachsen, wie mein Alter das vermuten lässt. Ihrer scheinbar auch nicht - Und los!

Ein Touri in Frankreich Die Königin des Handelns Otto und Co westlicher Spieltrieb westliches Flair östliches Flair

In einem netten Kaffee im Zielhafen der French Concession Xintiandi endet der Stadtspaziergang. Ein Taxi geleitet uns wieder zum Bund und eine Fähre wiedermals auf die östliche Seite des gelben Flusses. Ich reserviere mir einen weiteren freien Montag und freue mich auf mehr Sightseeing. Ein weiterer Abend in der Food Republic hat ebenfalls ein Highlight für uns parat. Meine Begleitung zeigt mir Tepanjiaki (is mir egal wie man das schreibt, ich bin hier der Klugscheisser). Der (vielleicht) japanische Koch bereitet das Essen gleich vor dir auf seiner heissen Herdplatte zu und serviert es dir umgehend. Eine sehr gemütliche Angelegenheit. Bei diesem gemütlichen Essen beraten wie die weitere Vorgehensweise. Sie ist ein Klassemädel und möchte wohl auch so den Abend ausklingen lassen. Wir landen also gestrigelt mit unserem Kollegen Flo in der Cloud 9 Bar oben auf dem Jin Mao Building. Diese Bar vermittelt uns zuerst das Gefühl dass wir zu blöd sind Aufzug zu fahren, da wir 3 mal umsteigen müssen (eigentlich sollen wohl die Besucher bloß durch den Wolkenkratzer geführt werden), dann suggeriert sie jedem von uns James Bond zu sein (da wir piekfein in einer Bar sitzen, mit super Ausblick, viel zu freundlichem Personal und Ledersesseln) und dann schlägt sie einem mit 10 Euro pro Drink fett mit dem Vorschlaghammer in die Fresse. Hm, James Bond hätte wahrscheinlich einfach die Kellnerin gevögelt und wäre dann mit dem Fallschirm vom Turm gesprungen. Da wären einige Probleme auf einen Schlag gelöst. Ich schaue mir nochmal meine frisch geputzen Schuhe und meine im schwarzen Kleid drappierte Begleitung an und entscheide mich für die gechilltere Variante sitzen zu bleiben und den Cocktail auszutrinken. Braver James.

Das anschließend aufkommende Partygefühl wird schnell von einem "hier gehts nicht weiter" des Taxifahrers beendet, da wir bemerken, dass die Partylocation "im Fabrikgelände" scheinbar schon plattgewalzt wurde und eine Autobahn gebaut wurde und das, obwohl der Reiseführer vom letzten Jahr ist. In Shanghai geht eben alles ein bisschen größer und vor allem schneller!

Die Sonne weckt uns auf dem Balkon. Jiaozi (gebratene Teigtaschen mit Fleischfüllung) auf dem Balkon und ein Kaffee katapultieren uns über den Weg des Ekelns vorbei an Gemütlichkeit gleich wieder zurück ins Wochenende. Eine Exkursion nach Xinjin und Suzhou steht auf dem Programm. Es sind zwei Orte, durchlaufen von kleinen Wasserstraßen, ähnlich Venedig, die teils touristisch, teils sehr untouristisch in Erscheinung treten. Zwischen zwei Wegpunkten begleitet uns freundlicherweise ein übermäßig sportlicher Zeitgenosse auf seiner Rikscha Richtung Zielstation. Da im eher außerhalb gelegenen örtchen Touristen genauso selten sind wie Taxen, erfreut er sich eines Geschäfts mit Westlern und fährt uns für 2 Euro durch die G egend. Auch in diesem Ort gibt es wiedermal alles zu kaufen wovor man Angst hat und der Abend mündet für uns in einem Hotpot Restaurant der "All you can Eat" Extraklasse. Klausi, meine neue Lieblingslanguste leistete mir während des Essens nette Gesellschaft, bevor er dann am Essensabend eintauchen durfte, jedoch in heisses Fett. Ärgerlich. Ich beweise wiedermal, dass mir mein chinesischer Name zu Recht gehört, dennoch lässt Klausi auch im gebrutzelten Zustand nicht mir sich reden und will die Beine nicht breit machen, die Sau. Blöder Arsch, und dabei zahlen wir sogar. Naja, beim nächsten mal.

Zao shanghao, guten Morgen ShanghaiVenedig mit Stäbchen Der Friseur Chillen im Gässchen Fischfütterung Clichee   Der ProtagonistRikschafahrt1Rikschafahrt2 Klausi the faithfull

Eine weitere hervorragende Nacht in wohliger Wärme und mit fabelhafter Musik vom Paule Kalkbrenner auf dem Balkon lässt uns auch in den Montag entspannt eintauchen. Der letzte Tag. jetzt muss was gehen! Als erstes besuchen wir das Shanghai Museum. Hier gibts alles was die chinesische Kultur bisher geschichtliches hervorgebracht hat. Von München über Stempel und Kalligraphie, über chinesische Minderheiten bis hin zu Getöpfertem gibt es einiges, was das Touristenherz erfreut. Gewappnet mit einem chinesischen Pfannkuchen und Milchtee (very famous) geht über die Haupteinkaufs- und Touristenstraße Nanjing Lu zum Bund. Dort wartet bereits unser Schiff, dass uns zu einer 3 stündigen Bootsrundfahrt zum Yangtse-Delta entführt. Entführt daher, da wir irgendwann 1 Stunde warten müssen, da ein Boot im Hafen montiert wird und doof, weil man eigentlich nur nochmal ein bisschen was von Shanghai sieht uns sonst nen reudigen Hafen in dem viele rostige Schiffe liegen. Als es dann zum Yangtse Delta geht, sieht man bloß aus weiter Ferne die großen Schiffe und schnurstracks dreht der Pilot wieder um. Touristen abzocken können die hier in Chine tatsächlich gut. Aber wir lernen dazu.

Whatever Wazuuuup??? Bi yong - the Greatful!!! Eintauchen in Shanghai Seemannsidyll Shanghai aus der Ferne

Der künstlich beschaffte Stress lässt uns zum Flughafen rennen und wir erreichen den Flieger noch grade so um uns vorher am Flughafen für ca 2 Euro each ne warme Mahlzeit reinzustellen. Schade - das wars schon wieder. Naja, Arbeit macht auch Spaß, Wir verabschieden uns gebührend, ich verspreche meinen Besuch in Peking und setze mich wieder in die Bahn zurück zur Wohnung. Pleite und übermüdet falle ich in mein Bett und wache nicht mehr auf bevor mein Wecker mich nicht mehr schlafen lassen mag.

Auf in die schniken Schuhe und los. Die Woche startet!

Gruß aus Shanghai

Björn (Bi yong)

12Sept
2011

Ich verlasse Shanghai !!!

Ich blicke zurück auf eine sehr aufregende, gar nicht allzulang erscheinende erste Woche in meinem neuen Job, fernab von Sicherheitsschuhen und Meterstäben. Meine schicken Schuhe erweisen sich als angenehme Begleiter selbst bei längeren Büroaufenthalten und es fällt mir gar nicht schwer mich an das Tragen von Hemden zu gewöhnen. Erste Etappe erfolgreich gemeistert. Gut der Junge!

Tschakaa!!!!

Ich erarbeite Kennzahlen und bastel fleißig an Exceltabellen herum. Früher hab ich mich immer gefragt was die Kerle den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen und rumklicken. Als Schreiner aus der "ich muss da mal dran" und "ui - wer ist denn da"-Perspektive macht man sich noch kein Bild davon, wie arbeitsintensiv ein nicht-produktives Geschäft sein kann. Aber gleich in der ersten Woche heisst es: Disziplin beweisen. Die Kollegen verlassen der Reihe nach das Büro. Einige sind auf Tour, ein weiterer hat Kurzurlaub, der nächste merkt dass es leerer wird im Büro und auch ich lasse mich bloß auf einen Tag allein im Büro ein, wonach ich dann auch bereits angefangen habe von zu Hause aus zu arbeiten. Hier heisst es: Disziplin beweisen. Kaffee Flatrates sind verlockend, doch Durchhaltevermögen vor dem Rechner soll bewiesen werden. Wer den einen Fuß quasi im Feierabend hat, hängt bereits mit dem anderen Fuß 2 Wochen im Rückstand. Das soll natürlich nicht passieren!

Was also ist zu tun, wenn der Kopf nicht mehr das tut, was er soll? Normalerweise ist dann der Beistand zweiier Freunde gefragt, die eben bereits den ganzen Tag vor der Türe stehen und dringend ausgeführt werden wollen. Doch mit Laufen in der Innenstadt konnte ich mich bisher noch nicht so richtig anfreunden. Also verfalle ich in alte Verhaltensmuster und beschreite eine Zeitreise ca 1/2 Jahrzehnt zurück ins Fitnessstudio. Es ist alles vorhanden und meine Kreativität beschert mir ein Training wie ich es lange nicht hatte. 15min laufen, 60min pumpen, 15 min schwimmen. Super - was ein Tag. Und? Kann ich jetzt weiterarbeiten? - NIX! Ich hab hunger und bin müde. Verdammt - Ich hasse es wenn ein Plan nicht funktioniert. Geschickt wie ich bin, habe ich mir Aufbrühnudeln aus dem Westler-Laden besorgt. Dauern ca 2 Minuten bis sie fertig sind, jedoch 200 Minuten bis man alle Nudeln mit den Stäbchen aus der Brühe hinterher wieder rausgezogen hat. Wird schon!

Laufen über Shanghai Schwimmen über Shanghai Schwimmen über Shanghai2

Inzwischen ist es Freitag abend. Der Kollege aus dem Chinesischkurs von der Hochschule ist bereits unterwegs im Überlandbus nach Shanghai und ich freue mich darauf mal etwas vom Shanghaier Nachtleben mitzubekommen, nachdem ich ja letztes Wochenende 1320 Stufen rauf und runtergelatscht bin. Es verschlägt und in die Hengshan Liu (Straße). Jeder Westler, der bereits in Shanghai war, kennt diese Straße. Es geht um Killer, Koks und Nutten, genau wie in Deutschland. Allerdings gibts weniger Killer, aber dafür mehr Nutten, meint man zumindest. Tatsache - es gibt hübsche chinesische Mädchen. Dessen werde ich mir dieses nachts bewusst. Und ja, die Westler werden von den Chinesen verarscht. Dessen werde ich mir erst des nächsten morgens bewusst. Es funktioniert so: Der Westler wird in den Club gelotst. Am Eintritt zahlt er 100Yuan (10Euro) und bekommt ein "Freitrinken" offeriert. Skeptisch wie ich bin, hinterfrage ich 1000mal und löse das Rätsel nicht. Am nächsten morgen wird mir alles klar: Der Chinese hat seine 20 Mädels dabei und flackt schön Gigolomäßig auf den gepolsterten Coaches neben seinen Uschis, die eigentlich nicht wirklich viel anhaben. Er sitzt in mitten des Partyraumes, indem die Musik deutlich zu laut erklingt und erfreut sich der Veranstaltung. Was ist die Veranstaltung? Die Veranstaltung ist, dass die Westler zwar nen Freitrinkenschein haben, dass jedoch die einzige Bar die die Freidrinks ausschenkt, draußen im Vorraum ist und dass dort bloß ein Bar-boy steht, der nix kann! Der Laden ist voller Westler, was einen immensen Ansturm auf die Theke nicht ausschließt, nein - eigentlich eher unmöglich macht, an etwas zu Trinken zu kommen, was manchen Westler doch wieder an die Standardbar treibt, wo überteuerte Preise warten. Und der Sofachinese macht sich sauber drüber lustig. Aber naja, wenn das Bier extrem scheisse ist, und es sonst nur Schnaps gibt, dann findet das wirklich jeder Bargast witzig, auch der betrunkene Westler, der wie blöd den Asiamädels hinterherdackelt, die ihn wiederum abwimmeln weil er ja zu krass betrunken ist - hartes Schicksal!

Shanghai Partymädel Zwei Rosenheimer im Osten Östliche Animierversuche

Der nächste Tag ist ein kurzer! - Er startet um 3, beschert eine günstige, spärliche Portion "Was auch immer" und lädt mich wieder dazu ein, mich mit Fakemarketverkäuferinnen zu prügeln. Ich werde besser! Im Weiteren Verlauf hat er einen Besuch in einer American Bar und ein Tiger 0,4liter Bier für mich übrig. - Gute Nacht. Oh halt, ich hab vergessen, dass er mir noch auf dem Weg, ein wahnsinniges chinesisches Spektakel offerierte, das alte chinesische Muttis bei ihrer Allabendlichen Park-Tanz-Therapie-Synchron-Orgie zeigt. Merkwürdig, aber überwältigend.

Ost-Interpretation von Michael Jackson´s

Der Sonntag ist ein harter! Meine gestern zu teuer erstandenen Krawatten sollen fachgerecht an meinem Hals montiert werden. Jup, läuft. Eine Sightseeingtour der Extraklasse ist geplant, wohingegen Extraklasse immer eine Frage der Definition ist, aber ich bin ja nicht nach China geflogen um mich nicht umwerfen zu lassen.

Das Motto des heutigen Tages lautet: Schicksal! Dies musste auch die kleine Maus erleben, die wohl zur falschen Zeit am falschen Ort war und vom Schicksal eben etwas zu heftig überwältigt wurde als ihr lieb ist. So gings uns später auch. Der Onkel des Kollegen führte uns durch ein chinesisches Viertel. Seine gewohnte shanghaiisch-chinesische Dreistigkeit, die ernüchternde Einblicke in das tatsächliche Shanghai verleihen mag, bescherte mir die Erinnerung daran, dass ich tatsächlich ein Extremes Schamgefühl empfinden kann. Ich verlasse Shanghai. Oder auch nicht. Wir steigen durch ein Gitter und begeben uns in das, was in unser Aller Vorstellung "Slum" genannt wird. Hier hört der lustige Teil auf!

Sieht autentisch aus!

Verarmte Famlien wohnen eng zusammengefercht in stinkenden Gassen. Wir gehen praktisch direkt durch ihre Wohnzimmer und fangen uns fragende Blicke ein. Die Frauen waschen die Wäsche mit Bürsten und Seife von Hand in Waschbütten, überall hängt Wäsche. Immerwieder erwischt uns eine Wolke unwohlriechenden Etwas. Ein Ghetto, aus dessen Labyrinth man kaum herausfindet obwohl man rauswill. Ich wehre mich, bin jedoch hinterher sehr froh gesehen haben zu dürfen, was eben die Kehrseite der Medaille bedeutet. Diese so pompös wirkende Stadt mit ihren neuen Bauten und dem glamourösen Erscheinungsbild, ist scheinbar genauso glaubwürdig wie das aufgebretzelte Mädel, das uns entgegenkommt. Hinter ihrer Fassade aus einem kurzen Rock und Schminke verbirgt sich offenbar ein Leben, das sich wahrscheinlich Niemand wünscht. True or False? - Who knows?

Straßenverkehr Armengasse

Um diese Viertel herum befinden sich die kleinen, unzähligen Shops der Familien. Sie reparieren Roller, massieren Füße, schneiden Hare, verkaufen Tiere, kochen Essen, betreiben Kioske. Welcome to Shanghai.

Essensshop Tiermarkt Rollerwerkstatt unzählige Shops Shop

Ein paar Ecken weiter werden wir selbst ungewollt zu Lebensmittelkontrolleuren. Es ist ein Markt für Meereskram. Ja, es stinkt, aber das ist in Hamburg nicht anders. Allerding: Ich schau in das Gesicht eines Fisches. Er liegt aufrecht vor mir auf einem Tablett. Seine Kiemen bewegen sich und bemerke Lebenszeichen. Nun bewegt sich auch das große Maul und schnappt nach Wasser. Wasser gibt es jedoch keins, denn das Tablett auf dem er liegt ist das der Metzgerin, die bereits von hinten angefangen hat den Fisch in ca 3cm breite Scheiben zu zerschneiden. Diese Scheiben liegen neben dem Fisch. Er kann sie sehen. Ein weiteres tragisches Schicksal. Es ist dreckig, wir treffen einen umherliegenden Hund und um die Ecke, im selben Laden verkauft eine Familie handgearbeitete genähte Waren. Portemonaits, Mäppchen.... Nette Umgebund oder?

Mahlzeit! Not yet spicy Kurz vor der Freiheit Kurz vor der Freiheit 2

Schluss damit! Wir fahren was Essen! - Naja, ein Brot, ich könnt eigentlich eher kotzen, aber irgendwas muss ja mal rein. Danach beschaue ich noch den zukünftigen Reiserucksack, eine fitte Jacke und Wanderschuhe für die hoffentlich bald startenden Wochenende - Überlandbus - Chinaerkundungen und die im Oktober geklante Fahrradtour um den Tai-Lake nahe Suzhou.

Wir holen noch einen Kollegen ab und gehen was Richtiges Essen. Der Spicey Frog steht auf der Speisekarte und nun wollen wir doch mal sehen, was der so kann. Grad eben noch durften wir einen seiner Kollegen im Käfig betrachten, nun sitzt der Artgenosse schon auf dem Teller und wird mit Mühe und Not mit Stäbchen gehalten. Glitschig, knorpelig und knöchern, jedoch sehr lecker. Wir fragen uns ob es wirklich Frosch war, oder ob uns China wiedermal verarscht hat.

Spicy Frog Fußgängerzonenambiente

Zum Ausklang des Abends gibt es ein Bierchen auf der Dachterasse einer Kirche. Hier oben im Kathleen5 präsentiert sich uns im 5. Stock schon ein fabelhafter Blick über die innerste Innenstadt von Shanghai. Friede, Freude, Eierkuchen. So haben wir den Tag nicht erlebt, aber so endet er. Keine Sorge, ich verlasse Shanghai nicht wirklich, aber ein Blick über den Tellerrand bietet immerwieder Blicke, die einen nachdenklich werden lassen, wie gut man es doch hat.

Gruß aus Shanghai

Björn

06Sept
2011

Erfolgriches Auftreten

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, gestaltet sich nun das „Über-die-Straße-gehen-versuchen“ als reine Nebensächlichkeit. Der anfängliche, ungeübte Angstschweiß weicht also einem an Selbstbewusstsein strotzenden, männlichen, Könner-Standard-Schweiß, der mein neues Wo (chin. Für ICH) ständig mitbestimmt. Blöd nur, dass ich in der U-Bahn wieder wie ein Affe angeschaut werde, was dem entgegenwirkt.

Ein langes Wochenende steht bevor. Nach den ersten paar Tagen in Shanghai wird es also Zeit sich auf den ernsten Teil des Lebens vorzubereiten. Es werden also wichtige Vorkehrungen zu meiner Integration in das chinesische Leben getroffen und ich verabrede mich gleich mal in den Biergarten der Park Taverne. Bei einem gemütlichen Heineken werden also die nächsten Wochenenden mit anderen Landsmännern besprochen und dem Abend ein Sinn gegeben.

Der nächste Tag verhilft mir erfolgreich zu meiner chinesischen Handynummer, die ich nun endlich benutzen und somit die Kommunikation am kommenden Wochenendtrip sicherstellen kann. Gleich vom Xujiahui park aus, wird die erste SMS an meinen Mitbewohner und Kollegen verschickt. Es funktioniert – ich bin mobil. Ein schönes Gefühl. Ebenfalls sehr mobil und dazu noch sehr flexibel und fleißig ist die chinesische Mücke, die bereits ihre drohenden Bahnen um mich herum zieht. Ja – hier gibt es Mücken und Ja – die stechen mehr als bloß einmal. Unterbrochen beim Lesen des vom Vormieter hinterlassenen literarischen Meisterwerkes „It´s all chinese to me“, das von der chinesischen Regierung zwecks Prittstift teilweise zensiert wurde – wo auch sonst haben Beamte soooo viel Zeit? – Stimmt, in Deutschland zum Beispiel, werde ich von dem unbekannten Summen gestört. Die Form ist ähnlich, das Summen ist ähnlich, die Hinterlassenschaften sind ähnlich, bloß die Gestaltung des Blutsaugers scheint im Schöpfer den Künstler hervorgerufen zu haben. Die chinesische gemeine Parkmücke ist schwarz mit hellgrünen Stellen und leuchtet lustig. Beim Versuch sie zu fotografieren fange ich mir bloß noch mehr Bisse von dem blöden Vieh ein, wonach ich die Sache zwecks „It´s all chinese to me“ und einem gekonnten Hakenschlag beende. Tatsache, wirklich alle Hinterlassenschaften sind ähnlich!

Park inmitten einer Metropole 2 Ladies

Das Wochenende beginnt mit einer 6 stündigen Autofahrt für wagemutige 400km. Wahnsinn, das kriegt selbst mein Bus nicht langsamer hin. In China gibt es für interessierte Neuankömmlinge immer interessante Dinge zu sehen. So auch an Raststätten. Während der Eisverkaufstand vor der Türe mit Nervenbetäubenden, weiblichen Krächtztönen in der Endlosschleife „Icecleam, Icecleam, bingxiling, bingxiling“ tönt, pinkeln im Restroom der Herren  eben diese am Reihenpissbecken, stehend gegen eine Glasfront hinter der sich Blumen befinden, die jedoch aussehen, als wünschten sie sich die Glasfront hinfort. Fürs Wohlbefinden ist also gesorgt. Dessen kann sich auch der chinesische Kollege überzeugen, der bereits Reis aus der Plastiktüte lutscht.

Reiseroute

Zebrastreifen auf der Autobahn Ladesicherung auf der Autobahn Toilettenambiente

Nach dem mehrmaligen Versuch „bingde, bingde“ kalte Getränke zu bekommen verköstigen wird im Auto nun also auf der Weiterfahrt warmes Bier und lassen es uns dabei gut gehen. Informationen über unser Reiseziel, der alltägliche Arbeitsstress und Metallboxen auf Ladeflächen von Pritschen auf der Autobahn in denen Schweine schlimmer als in Deutschland zusammengefercht sind, stimmen uns freudig auf das Wochenende ein. Ein fabelhaftes Hotel und eine nette Sherpa (Reiseführerin) erwarten uns und unseren Hunger am Ziel.

Chinesisches Essen.

Falls sich jemand schonmal gefragt hat, wofür der kleine Drehtisch auf Tischen im China-Restaurant ist, so kann ich mitteilen: Er ist nicht dafür da, um eurer kleinen Schwester die Cola rüberzuschieben ohne den Hintern hochbewegen zu müssen. Nein. Vielmehr wird für alle Leute bestellt was alles so schönes auf der Karte steht. Es ist eine eher gemütliche Sache, wäre da nicht der Alkohol. Man wäscht sein fertig verpacktes Geschirr kurz mit heißem Wasser ab, muss wirklich nicht lange auf das Essen warten und startet dann in einen Abend den man sein Leben lang nicht vergessen wird. Ich erkläre an dieser Stelle nicht, wie mit Stäbchen gegessen wird, es bleibt jedem selbst überlassen dies herauszufinden. Es soll bloß gesagt sein: Eine Gabel gibt’s da nicht!!! Man dreht fleißig den Kreisel vor sich und nimmt sich einfach direkt von dem Teller auf dem das Essen serviert wurde mit den Stäbchen runter und verköstigt dieses quasi „On the fly“ über seinem wohl sauber gespültem Geschirr. Bei gemeinschaftlichen Aufrufen zum Trinken sind alle herzlich eingeladen ihr Glas zu schwingen. Aber wehe es trinkt jemand nicht mit, und wehe jemand trinkt es nicht leer. Es sind zwar bloß 0,1 l Gläser, aber das kann bei hoher Frequenz durchaus in die Hose gehen. Die gebräuchliche Form des Trinkens jedoch geschieht durch das direkte Ansprechen einer Nachbarperson, die mit einem Trinken möchte. Wichtig beim zuprosten ist, dem Gegenüber Respekt zu zollen indem man das Glas nie höher hält als der andere, was natürlich schnell mal auf der Oberfläche des Tisches enden kann. Diese Form des Trinkens geschieht recht häufig,  vor allem wenn einige Deutsche sich eben in ihrer Landessprache dazu verabreden, alle mal mit dem chinesischen Kollegen zu trinken um zu schauen, was da denn so möglich ist. Eine wirklich sehr lustige Veranstaltung, die Niemand verpassen sollte.

Der Plan für das Wochenende sieht eine Bergwanderung vor. Wir sehen wahnsinnig schöne Felsformationen und erleben die erste Bergkette, die vollständig mit Steinstufen erschlossen ist. Vollumfänglich touristisch erschlossen, bleibt uns kein Moment Ruhe vor den Heerschaaren der chinesischen Sighseeing-Lovers. Unzählige chinesische Lastesel (Männer, die Konsumgüter in die Berge schleppen) laden uns auf ein Wasser ein und wir entdecken alle 50m ein Kiosk nach dem anderen. Sehr viele Aussichtplateaus ermöglichen uns die fabelhaftesten Bilder unserer Wenigkeiten vor atemberaubenden Bergmassiven und Kieferbäumen. Die anfänglich auf 5 Stunden angesetzte Bergtour entpuppt sich schließlich nach  chinesisch-englisch-deutscher Kommunikationsschwächen zu einer 10stündigen Tour und wir gelangen an das Ende unserer Kräfte. Nach dem Erklimmen von 4 Gipfeln, übernachten wir in einem noch fabelhafteren Hotel und der nächste Tag bringt uns nach einer deutlich kürzeren Wanderroute mittels Seilbahn wieder runter auf den Boden der Tatsachen in den Ort, der ebenso heist wie das Bergmassiv „Huang Shan“ (Gelber Berg).

Tempel Lastesel Faule Sau Gipfelshop NiiiceCrowded Peak

Land der MitteNiceKeine Drogen, sondern chinese Cookiesberühmter PinetreeStairsStairs2Nice3

Bei der Rückreise in den Ort, bemängelt die Reiseführerin meine unsoziale Verhaltensweise, die sich durch ein gestohlendes Handtuch, gedacht als Sonnenschutz bei der Wanderung,  bemerkbar macht, das wir gleich ins Hotel zurückbringen müssen und noch Strafe zahlen für eine Sonderreinigung. Chinesen – billig aber pingelig, wa?

Der anliegende Nachmittag eröffnet sich von seiner erlabendsten Seite mit einem weiteren chinesischen „Tischlein dreh dich“ Mittagessen in einem sehr feinen Separee eines der besten Restaurants Huang Shan´s wie uns erklärt wird. Es gibt alles wovor man sich normalerweise fürchtet. Wundervoll, auf ins Getümmel: Getrocknetes Rinderblut, Schlange und „Etwas von einem Fisch“, dass sehr viel Ähnlichkeit mit einer Fensterprofildichtung aufweist. Dieser auf ca. 200 Euro geschätzte luxuriöse Nachmittagssnack für 7 Personen mit eigener Bedienung im Zimmer, die einem jeden Wunsch von den Lippen abliest, reißt in unser Reisebudge ein dimensionsloses Loch von 400 Yuan, was grade mal etwas mehr als 40 Euro sind.  Also Essen, geht immer!

Gefolgt von einem entspannten Nickerchen geht es nun an den wirklich anstrengenden Teil des Nachmittags: Die Massage, jawoll! Die erste! Fuß- oder Ganzkörpermassage? Na – immer auf die Vollen! Die kleine fängt ganz lieb an, irgendwann steht sie mal auf dir und hat Tricks und Kniffe drauf dich mit ihren wahnsinnig kleinen Fingern in den Wahnsinn zu treiben. Wenn das Essen sooo günstig gewesen ist, kann das hier ja eigentlich auch nix kosten oder? Denkste! 70 Minuten schlagen mal eben mit 18 Euro zu Buche. BÄM! Hatte ich mir ehrlich gesagt anders vorgestellt!

Diverse andere Hotelgästechinesische Konsequenz

Da das Essen schon wieder sooo lange vorbei ist, gehen wir gleich noch mal nen Happen nachschieben! Was ist ein HotPot? – Naaa? Jemand eine Idee? Wiedermal ein runder Tisch, aber diesmal mit einem Loch in der Mitte. Darunter eine Herdplatte, die den auf ihr befindlichen Topf in Wallung versetzt. Der Topf beinhaltet, natürlich durch eine Metallseite getrennt, 2 Hälften. Die Eine Seite: Scharf, die andere Seite: super scharf! Man bestellt flux Fleisch, Nudeln und alles was man sonst noch gern in der brodelnden Suppe zerfetzen möchte und kippt die vorbereitete Tiefkühlkost bloß noch in das kochende Wasser. Nach einigen Sekunden ist alles durch und ähnlich entspannt wie beim weihnachtlichen Fondue, können alle getrost versuchen die Lustigen Kleinigkeiten mit ihren Stäbchen aus dem brodelnd heißen Hotpot rauszupicken. Eine tatsächlich sehr gemütliche Angelegenheit. Man sieht viele Pärchen die sich an Zweiertischen in der romantischen Mensaatmosphäre gegenübersitzen – wie gesagt: in China ist immer Stress, warum soll das beim Essen anders sein? Mal sehen wie´s da beim Sex zugeht?!? – naja, oder eigentlich lieber nicht. Aber wie hat ein weiser Augsburger Bayer mal gesagt: Vegeln muast ah! Machste nix ne?`

HotPot Arrangement HotPot Action

Zurück in Shanghai

Der erste Arbeitstag nach unserer Rückreise beschert mir einen sehr interessanten ersten Einblick in Fabrikplanung und meinen Kollegen einen sehr schicken Praktikanten in einem hübschen Hemd und netten Schühchen. Süß der Kleine! – Komme mir fast seriös vor. Der Ausblick aus dem Fenster auf Xu´hui und die Aussicht bis nach Pudong zum Flaschenöffner ist überwältigend, ähnlich wie der Pastapreis in der Mittagspause. Essen geht eben doch nicht immer!

Blick aus dem Büro1 Blick aus dem Büro2 Blick aus dem Büro3

Ich verlasse das Büro nach meinem ersten 11 stündigen Arbeitstag erfolgreich und zufrieden und blicke getrost nach vorn. Anfang Oktober soll es die nächste Reise geben, da China eine Woche lang Volksurlaub beantragt hat. Wunderbar! Mal sehen was kommt.

Gruß aus Shanghai, Zai dian!