Björn_in_Shanghai

20November
2011

Pekingente und Minggräber - auf in den kalten Norden

 

Es ist Donnerstag und es gibt Tage an denen man schon ganz genau weiß, dass eigentlich nichts gehen wird, weil später irgendwas großes, aufregendes ansteht. Heute ist so ein Tag. Die Kapazitätsanalyse geht schleppend voran und mein Kopf sitzt leider schon im Zug. Mitsamt mir und meinem Gepäck geht es mit gechillten 303km/h von Shanghai über Nanjing nach Beijing. Nanjing war früher eine der Hauptstädte Chinas und so wie Nan jing eben die südliche (nan) Hauptstadt (jing) ist, so ist Beijing eben die nördliche Hauptstadt, das heutige Peking! Hätte mir der Kopf nicht zeitig bescheid gesagt, dass er los wollte, säße ich wohl übers Wochenende wieder in Shanghai, doch da auf ihn Verlaß ist, reiße ich mich gestresst vom Mittagessen los, spute zum Bahnhof und erreiche mit einem fabelhaften Puffer von gigantischen 5 Minuten meinen Schnellzug. Wow. Nice. Wie einem die Pumpe gehen kann wenn man in der Bahn steht und keinen  Plan hat wann man ankommt. Hihi. 60 Euro setzt man halt nicht jeden Tag in den Sand, aber man zahlt auch nicht jeden Tag für eine Strecke von 1200km in 4,5 Stunden 60 Euro. Deutsche Bahn: Da solltet ihr mal nachziehen! Preispolitik China – alles für den kleinen Mann, da fühl ich mich angesprochen!

Reiseroute

D´r Zoch kütt doofer Pfeiler - cw-wert Zug? Action! AchterbahnfahrtReiseplanung

Die Reiseplanung läuft mal wieder kurz vorher in der Bahn – Just in Sequence! Zum Glück gibt’s in Peking nix zu sehn – Pustekuchen. Der Zettel ist so voll mit Sachen die gesehen werden müssen, dass meine charmante Reiseführerin die Kinnlade mit einem Expanderstrang sichern muss damit sie nicht zu schnell runterflitzt.

Was steht auf dem Programm:

Stattliches Programm! „Das geht nicht“ – Naja, dann wollen wir doch mal sehen. Mein Hunger treibt mich, und ihr Anstand sie, in das zufälligerweise gegenüberliegende Pekingentenrestaurant, in dem wir 5 Minuten zu spät ankommen, da Pekingente so begrenzt ist, dass sie nur zu bestimmten Uhrzeiten bereitgestellt wird. Mist. Wir landen beim Mongolen. Na? Kennt man den noch? Den hat die Tai Hu Tour hervorgebracht und obwohl ich ihn bis heute noch nicht ein einziges Mal in Groß-Shanghai gefunden hab, so hat es in Peking grad mal ca. 5 Minuten gedauert. Phantastisch. Lecker!!!

Ihr morgiger Unitag und meine Sightseeinglust ergänzen sich fabelhaft und somit geht es gleich morgens zum Sommerpalast. Der Sommerpalast ist fast gar nicht RIESIG und lädt zu einem gemütlichen Spaziergang um den Kunming See ein. Früh morgens tümmeln sich wenige Touristen in Sehenswürdigkeiten, wohl aber ab 10. Dann wird’s voll! Aber vorher ist der Gegensatz zum alltäglichen Shanghai-Tumult eine wahre Wonne und ich genieße es spazieren zu gehen und Fotos zu machen. Ja, ich bin ein Tourist! Kein Informationsschild entgeht meinem geschulten „Das ist interessant“-Auge und auch das hübsch anmutende Buddha-Armband als Souvenir aus dem Tempel Meer der Weisheit findet den Weg an mein Handgelenk und schmückt es bis zum heutigen Tag.

Zettel für den TaxifahrerDer Sommerpalast - ein ganzes Stück ArbeitTempel Meer der Weisheit The Lion plays with the ball Palast-hübsch Marmorboot der Kaiserwitwe Cixi Marblebridge Spazierengehen für Fortgeschrittene schönschönschön hübsch gell? 

Danach geht es zurück zur Wohnung und gleich wieder auf zum Essen. Was ansteht? Na ein straffer Zeitplan schmückt unseren Tag und so wie die junge Frau mein Wochenende im Oktober mit Sightseeing überrannte, so biete ich hiermit ausbalancierte Revenge.

Das „Tor des Himmlischen Friedens“ und die „Verbotene Stadt“ sind die nächsten zwei Ziele. Beide sind Wahrzeichen Beijings und müssen dringendst besichtigt werden. Das Tor ist der Eingang in die Verbotene Stadt und ist zugleich der Ort an dem 1949 die Volksrepublik China ausgerufen wurde. Hier hängt Maos riesige Fratze und blickt Richtung Tiananmen Platz auf dem sein Mausoleum steht.  Die verbotene Stadt selber war der Kaiserliche Hof und war lange Zeit nicht begehbar. Heute werden hier angeblich 80.000 Touristen am Tag durchgeschleust. Die Hauptachse ist gezeichnet von vielen großen Hallen, die immer einen Thron beinhalten und unterschiedlichste Bedeutungen haben. In den Nebengängen, die wir aus Zeitgründen mal außen vorgelassen haben waren wohl die Kaiserlichen Unterkünfte.  Ich hab mir wohl etwas mehr davon versprochen, aber abgehakt ist es trotzdem!

Tor des himmlischen Friendens Drachenkopfschildkröte - mal wieder Felsgebilder in der verbotenen Stadt - der aufmerksame Leser weiß wo die Steine herkommen

Der Ausgang ist auf der Rückseite der Verbotenen Stadt und wie nicht anders zu erwarten stehen hier  unzählige Rikschafahrer die die Touristenpärchen zu einer spannenden Fahrt durch die alten Gassen Pekings ermuntern möchten. Da wir natürlich eben auch wie ein Touristenpärchen aussehen haben wir 300meter mit einem Fahrer zu kämpfen entscheiden uns dann aber schnell den Bus zu nehmen. Yeah – First Time Bus fahren in China – check. Der Bus fährt uns Richtung Wanping Dajie, zu einem Markt, der berüchtigt ist. Hier gibt es alles wovor wir Angst haben. Schlangen, Magen, Skorpione, Hund, Katze am Spieß oder als Hackfleisch. Bei uns in Deutschland weiß man schon manchmal nicht was im Hackfleisch ist, warum sollte man das dann in China versuchen? Aber vielleicht ist ja das die beste Methode um mit dem Essen fertig zu werden. Unser eigentlicher Plan sieht die Pekingente für heute vor, allerdings klagen wir über „keinen-Hunger“ und dieser Markt verbessert die Situation definitiv nicht. Auf dem Weg zum Tiananmenplatz, der größte öffentliche Platz der Welt vor dem Tor des himmlischen Friedens, kommen wir noch an St. Josephs Kirche und an einem weiteren Markt vorbei. Die Kirche strahlt unnachahmlich kolonialstilmäßig und auf dem Platz davor fahren Skateboardfahrer ihre Lines. Bin ich wieder in Köln? Wohl kaum, so einen Markt gibt es nicht in Köln. Hier leben die Skorpione, die aufgespießt werden, noch  und er ergänzt das Produkspektrum des anderen Marktes um Spinnen und gerupfte Babyenten. Bäh! Disgusting!!!

Ekelmarkt1 Alles was das Herz begehrt St. Joseph Cathedral Ekelmarkt2 - Die Skorpione strampeln!!! Ekelmarktatmosphäre Happen für Zwischendurch gefällig?

Ein weiterer Bus fährt uns hinter den Tiananmenplatz. Hier gibt es ein kleines Gefühl dafür, wie Hutongs aussehen. Jedoch ist alles sehr touristisch ausgelegt. Es gibt wieder fleißig Straßenshops in denen freudig gehandelt werden darf. Ich kaufe mir mal wieder ein neues paar Schuhe für 2€ und wie beide kaufen uns Stäbchen. Juhu – meine ersten eigenen Stäbchen. Wir treffen auf einen Handwerksmarkt auf dem nicht nur Glasbroschen, sondern auch Wackelkopffiguren handgebastelt werden. Sehr abgefahren. Aber nun treibt uns dann doch der Hunger zurück nach Wudaoku . Es ist Freitag abend, den soll man ja bekanntlich nicht verkommen lassen. Wir starten einen zweiten Versuch Pekingente zu essen, müssen jedoch eine Stunde Wartezeit mitbringen. Meiyou. Hamma nit.

Der anschließende Partyabend stellt ein großes schwarzes Loch in meinem Kopf dar. Für 15Yuan ~1,5€ darf man Mojito auch nicht anbieten, das geht einfach nicht. Der Wecker bimmelt um 8. Wunderbar. Mein Schädel dröhnt. Heute steht eine Tempeltour mit ihrer Uni auf dem Programm. Es geht in die westliche Bergregion. Fabelhafte Luftverhältnisse und Ruhe krönen diesen morgen. Alles andere würde mich wohl auch umbringen oder zumindest meinen Magen im Reisebus entleeren, aber dazu kommt es glücklicherweise nicht. Der Rest des Nachmittags wird im Bett verbracht. Na toll. Alkohol ist scheisse! Björn, wolltest du nicht bald einen Marathon laufen? – eh, jup, stimmt, da war was. t-30Tage. Passt.

Tempel im Herbst Die Chinesen und ihre Bäume Berge sind was Tolles - Rosenheim Gebetsmünzenweitwurf Fischknutschen erwünscht St. Martin? Gebeinetürmchen

Gegen Abend geht es erstmal zu der gestrigen Partylocation, da mein betrunkener Kopf zwar die Fähigkeit besitzt mich pünktlich zu einem Zug zu bringen, wohl aber auch gern mal vergisst die Jacken an der Gaderobe abzuholen und sich mit dem Nummernbändchen der Gaderobe, hinter dem nicht nur meine eigene Jacke verborgen liegt, im warmen Bettchen daheim schlafen legt. Vollidiot! Nunja, diesen angebrochenen Abend nutzen wir für einen hübschen Spaziergang um einen See mit 1000 Bars und landen schlussendlich in einem Jazzlocal und lauschen bei einem Cappuccino den fabelhaften Klängen chinesischer Jazzmusik. Dass es den Chinesen mal wieder überhaupt gar nicht um die Jazzmusik geht, sondern einfach nur um den gewissen Status den man besitzt wenn man sich mit seinen Freunden in einem Jazzlokal blicken lässt, wird deutlich als die Musik anfängt zu spielen und die chinesische Partygesellschaft sich lautstark gegen die Beschallung wehrt. Ach ist das schön hier – Assis! Hauptsache ihr habt einen schönen Abend. Warum es an diesem Abend mit der Pekingente wieder nicht geklappt hat kann ich gar nicht mehr sagen, aber fakt ist: Da ging wieder nix. Stattdessen gab es ein phantastisches Teppanyaki mit reichlich Fleisch und Spargel. YEAH.

Teppanyai und Tee

Der nächste Tag ist gut durchgeplant, doch wie immer in China kommt alles anders als erwartet. Der Wecker bimmelt früh und einige Sehenswürdigkeiten schmücken unseren Tag, vielleicht. Beim morgendlichen Frühstück entdecke ich zufällig eine Anzeige auf einer Citymap: Great Wall, Ming Tombs, Olympic Stadium 400Yuan (=40€). Ein mehrfaches Nachtelefonieren bestätigt uns den Preis, räumt uns 90Minuten Vorbereitungszeit ein und sichert uns einen englischsprachigen Guide, ein Auto und einen Fahrer zu. Eigentlich stand die Mauer schon gar nicht mehr auf meiner Liste der Erwartungen, da sie schon ein Stück weg ist und ihr Interesse gar nicht so groß ist, dort nochmal hin zu fahren, jedoch reißen die Minggräber und ein Tag voller Abenteuer die ganze Sache wieder raus.  

Der Fahrer ist ein Taxifahrer, der englischsprachige Guide ist nicht da, aber es geht los. Soweit können wir das verkraften. Als er jedoch auf der Autobahn zur Mauer die Autobahngebühr zusätzlich kassieren möchte nachdem ich ja am Telefon die 400Yuan total ausgemacht hatte, geht meine Begleitung lebhaft aber charmant an die Decke. Der Fahrer glaubt zwar noch dass wir Touristen sind, ist aber auch etwas eingeschüchtert und versucht die Sache mit dem Reisebüro (oder was auch immer) telefonisch zu regeln.

Die Ming Gräber:

Es sind 3 Ming Gräber zugänglich. Ein Minggrab sieht immer ähnlich aus. Ein Haupttor führt in den ersten von einigen Höfen. Am Ende der Höfe kommt die Halle der Gnade. Nach der Halle kommen fünf Opfergaben und schlussendlich der Seelenturm. Hinter diesem liegt dann der Grabeshügel unter dem sich das eigentliche Grab befindet. 13 von 16 Mingkaiser liegen hier begraben. 3 Gräber sind zugänglich. In einem kann man in den Grabeshügel hinuntersteigen. Als wir aussteigen merken wir, dass hier keine Touristen sind. Totale Ruhe zeichnet dieses Minggrab – warum? Na klar – es ist natürlich  eines der beiden Gräber die nicht zugänglich sind. Vom Rundweg um den Grabeshügel können wir das benachbarte begehbare Grab erkennen. Wir beschließen uns dieses auch noch vorzunehmen nur ärgerlicherweise müssen wir das dem Taxifahrer klar machen. Er wehrt sich fürchterlich, schließlich ist das viel Zeit in der er anderweitig Geld verdienen könnte. Nebenbei bekommen wir aber wiedermal den Reisefritzen ans Telefon und erfahren, dass in unserer Reiseroute auch noch eine Seidenfabrik und ein Teehaus versteckt sind. Mit meiner Begleitung möchte ich niemals Stress anfangen. Als Schreiner lernt man, dass die Kunden eigentlich kein Problem des Handwerkers sind, man sich allerdings niemals mit der Frau anlegen darf, da die einem das Leben zur Hölle machen kann. Ich bin sehr froh so ein Mädel nun dabei zu haben! Nach 30 Minuten Diskussion auf Deutsch, Englisch und Chinesisch hat sie nun dem Reisefritzen und auch Alfred, so haben wir zwischenzeitlich den Taxifahrer getauft, klar gemacht, dass wir nun zu Füß rübergehen, uns das andere Minggrab anschaun, uns dann von Alfred zur Mauer fahren lassen und schlussendlich noch eine Runde um den olympischen Park drehen. Also im Vergleich mit Mädels die man in Deutschland kennenlernt hätte sie sich jetzt mindestens 3 von mir gezauberte Spezialabendessen verdient und ca. 20 von meinen handgemachten Kaffee. Wer schon mal da war, weiß sicher noch, dass es anders ist als an einer Imbissbude oder im Starbucks.

Nach einigen Umwegen landen wir am Minggrab Ding Ling. Der Grabesplan ist nach dem üblichen Muster konstruiert, jedoch sind hier deutlich mehr Touristen und die Grabstätte ist begehbar. Wir entdecken den Thron des Kaisers und die der Kaiserinnen mit denen sie damals zusammen begraben wurden und wandern durch gigantische Steintüren bis in die Grabeskammer. Abgefahren! Als wir auf dem Weg raus aus dem Grab entscheiden ob wir noch das Grabesmuseum besichtigen oder nicht, klingelt das Telefon. Alfred ruft an und erinnert uns höflich daran, dass die Mauer um 16 Uhr schließt. Wir sind erschrocken, dass es bereits so spät ist, freuen uns aber darüber, dass er nun schon 5 Stunden mit uns unterwegs ist und sich höflich am Telefon meldet und vor allem auch darüber, dass es noch da ist, aber scheinbar mag er Geld sehen. Lektion: Zahle den Fahrer nie auch nicht anteilig, wenn du noch nicht wieder zuhause bist!!! Auf dem Weg zur Mauer realisiert er, dass er nun Gas geben muss, damit wir nicht rummeckern. Der richtige Großstadttaxifahrer kommt aus ihm heraus und er tritt in die Eisen. Wahnsinn Alfred, „Loss jücke“! Wir erreichen die Mauer um 15:55 und werden hereingelassen. Phantastico! Wie bei der Anreise nur diesmal: Just in Time!

Nachbargrab Ding LingWeg zum NachbargrabEingangstor Grabkammer Thron  Gewölbe mit kleinen Türen Türgriff

Es gibt einen gekochten Neutral-Geschmack Maiskolben auf die Hand und wir hechten die Stufen hinauf. Wer drin ist, ist drin. So läuft das hier. Dies kann ich irgendwie nicht glauben uns somit rasen wir hoch. Wir haben uns natürlich in aller Eile das steilste Stück ausgesucht und erreichen ohne Restluft einen Turm von dem aus man gerade noch die Sonne untergehen sieht – Sonnenuntergang auf der Mauer – Check! Von oben sehen wir, wie die Besucher langsam das Mauerstück verlassen, wie sich der Parkplatz langsam leert und nur eine Person noch darauf herumschlendert. Auf einer Treppenstufe sitzend erholen wir uns bei unserem Maiskolben und beobachten gechillt den ungeduldigen Alfred aus sicherer Entfernung. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Shop vorbei, der Zertifikate ausstellt, die den Besuch der Mauer bescheinigen. Jedoch ist die englische Übersetzung der chinesischen Bedeutung etwas verfremdet. Hier geht es nicht um irgendein Zertifikat, sondern für das Zertifikat für brave Chinesen, die die große Mauer bestiegen haben. Es kommt die Frage auf, ob wir auch eins bekommen hätten, denn wie brave Chinesen fühlen wir uns nicht, was meinst du Alfred? Der offeriert uns einen fabelhaften Blick auf das „Vogelnest“, das Stadion der Olympischen Spiele und das angrenzende Olympiabad. Alfred fetzt sich nochmal mit dem Reisefritzen am Telefon und setzt uns dann, wie es sich für einen braven Chinesen gehört, direkt vor dem Pekingentenrestaurant ab und erhält 4 Zertifikate für brave Chinesen die zumindest zur Mauer gefahren sind in Höhe von je 100Yuan = 10€. Taxifahrer für einen Tag für 40€, vielleicht will ich ja doch nicht wieder zurück nach Deutschland.

Biyong auf der Mauer Mauerblick Björn auf Mauer bei Sonnenuntergang Biyong auf der Mauer2 Zertifikate für brave Chinesen Olympia Schwimmhalle

Wir müssen eine halbe Stunde warten. Diese nutzen wir für eine Dusche in der Wohnung gegenüber und platzen nach 30min VIP mäßig an den brav in der Schlange stehenden Chinesen vorbei direkt vor zu unserem Tisch. Finally!

Wie isst man Pekingente? -  

Pekingente wird in Scheiben serviert mit dünnen Pfannkuchen und einer Art Sojasauce. Dazu gibt es noch ein Schälchen mit Zwiebelstückchen, Knoblauch und Zucker. Die Entenhaut wird in kleinen Stücken in den Zucker gedippt und als Appetizer verzehrt. Eine Entenscheibe wird mit den Stäbchen gefasst, in die Art Sojasauce getunkt und bemalt wie ein Pinsel den Pfannkuchen. Dieser wird dann mit dem Entenstück und Gürkchen, Zwiebeln und Knoblauch gefüllt, zusammengewickelt und wie ein Wrap oder Fajita verspeist. Dazu gibt es noch tausende Köstlichkeiten die man dazu bestellen kann, wie zum Beispiel kalten Spinat mit reichlich Knoblauch und Eierkuchen. Man trinkt unaufhörlich Tee. Ein tolles Erlebnis, das man mal gemacht haben muss. Ein sehr entspannter erste Klasse Abend krönt den fabelhaften Tag voller Neuheiten und spannender Verläufe. Einschlafen ist nicht wirklich ein Problem!

Ihr Montag-morgen in der Uni ergänzt wiedermal meinen Sightseeing-plan perfekt, denn der Himmelstempel steht noch aus.  Er ist der Tempel in dem der Kaiser um eine gute Ernte gebeten hat und ebenfalls ein Wahrzeichen Pekings, das unbedingt gesehen werden muss. So wie das Sterben, so hat auch das Beten hier eine gewisse Reihenfolge einzuhalten, und so besteht der Tempel nicht nur aus einer Halle sondern wiedermal aus einer großen Reihe an Gebäuden die durchschritten werden müssen. Angefangen vom Himmelsalter in dem sich mehrfach die heilige Zahl 9 wiederspiegelt über das Himmelsgewölbe, welches von der Echomauer eingeschlossen wird, über eine 360meter lange Brücke bis hin zum Tor der Halle des Erntegebetes und schlussendlich eben in die Halle des Erntegebetes schritt damals der Kaiser auf dem Weg zum Gebet. Wichtig: Der Kaiser geht beim Tor immer durch das rechte Tor, die anderen offiziellen durchs linke und der Gott des Erntegebets fliegt durchs mittlere. Dieses ist natürlich für die Öffentlichkeit verschlossen, so dass ich mich mit dem rechten Tor zufrieden geben muss. Die Halle des Erntegebetes ist eine Holzkonstruktion die ohne Drahtnägel oder Zement verstärkt, nur durch konstruktive Maßnahmen, steht.

Brücke zum Tempel Tor zum Tempel - Biyong rechts - Rest: links. Alles klar? Tempel des Erntegebetes Tempel des Erntegebetes2

Ein paar spielsüchtige Chinesen ...mit Steinchen ...beim Stricken ...und beim Kartenspiel

Nach diesem Kaiserlichen Schmankerl geht es tatsächlich mal auf den Tiananmenplatz. Uni ist aus und man ist wieder zu zweit unterwegs. Dieser Platz ist der weltgrößte öffentliche Platz und soll dem Besucher das Gefühl vermitteln sich in der Mitte des chinesischen Universums zu fühlen. Großartig beeindruckt bin ich aber weniger von dem Heldendenkmal, noch von dem Mausoleum vom großen Macker, der sich übrigens mal in der Mitte des chinesischen Universums hat beerdigen lassen – Egoist – als vielmehr von den 2 gigantischen LED Bildschirmen die neuerdings auf dem Platz stehen und phantastische Gegenden Chinas zeigen, in denen ich noch nicht war. Einige bekannte wie zum Beispiel Macau sind auch dabei, Hongkong ist zu sehen, was auch noch auf sich warten lässt.

Heldendenkmal auf dem Tiananmenplatz Mausoleum von Mao Zhedong Tor des himmlischen Friedens

Der weitere Plan sieht „die Halle des großen Volkes“ vor, die auch als „Volkskongresshalle“ bekannt ist. Hier kommen die Delegationen aus den unterschiedlichen Provinzen zusammen und berichten fleißig den Regierungsjungs. Ein Audioguide leitet uns deutsch-stotternd durch die Hallen und versucht uns die gestalterischen Ideen hinter den Hallen näher zu erläutern. Er hätte vorher lesen üben sollen! Es ist ein spannender Besuch der sich wirklich lohnt und wärmst weiter zu empfehlen ist. Vor der Halle erwartet uns ein kleiner Shop in dem kleine Mao-Statuen, Bilder vom Führer und kommunistische Wahrzeichen zu erstehen sind. Ich glaub ich spinn!

Halle des großen Volkes Die Shanghaihalle

Wir essen phantastisch in einem der vielen kleinen Läden, in denen sonst nie ein Westler auftaucht und testen ihre Kenntnisse der chinesischen Schriftzeichen. Sie ist fit – es schmeckt!

ca 9m2

Wir kaufen einen Kaffee bei Starbucks um auch nicht zu sehr der chinesischen Kultur zu verfallen und zahlen für zwei Kaffee grade mal doppelt so viel wie fürs Essen. Das Land der Mitte – voller Gegensätze.

Nun flitzen wir nach Hause um meine Sachen zu holen. Es ist Montag und mein Flieger geht um 21:30. In China bedeutet das, dass ich um 21:00 Uhr am Flughafen einchecken sollte. In Deutschland würde man bei so einer Aktion zu hören bekommen dass der Check-Inn schon seit 1,5 Stunden geschlossen ist. Hier ist das kein Problem. Auf dem Weg zum Flughafen liegt noch der 798 Art District, in dem es Ausstellungsstücke chinesischer Künstler gibt. Der Bereich sticht dadurch heraus, dass unzählige Künstler hier Galerien und Shops haben und auch die Straßen mit Statuen geschmückt sind. Wir sind spät dran und vieles ist bereits geschlossen. Es ist dunkel, aber vielleicht macht das auch die ganze Geschichte grad gemütlich. Ein Shop bereitet ihr eine hübsche neue Uhr, eine Gallerie uns einen Blick auf chinesische Kunst und schlussendlich ein verlassenes hübsches Cafe uns einen Tee, einen Cappuccino und ein Stück Tiramisu, kurz bevor ich zum Flughafen muss. Wiedermal bin ich viel zu spät dran, da die gemütliche Atmosphäre im Cafe einfach zu hinreißend war, aber die chinesische Gelassenheit am Flughafen bereitet mir keine Probleme. Auch der chinesische Mitarbeiter am Flughafensicherheitscheck-Inn verpasst mir mit den Worten „Wo xihuan Deguo“ (Ich mag Deutschland) eine gelassene Atmosphäre und einen entspannten Start in einen 1,5 stündigen Flug zurück nach Shanghai. Peking – check.

798 Art District BMW aus Stein Dicke Kunst Touristengedeck

Ich glaube allerdings, dass es mich noch einmal hierher verschlagen wird, nämlich wenn ich im Februar versuchen werde mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau zu fahren. Und auch wenn es arschkalt sein wird, so kann ich es mir eigentlich nicht nehmen lassen mal 10km auf der Mauer zu wandern. Das gehört einfach dazu. Mal sehen was wird.

Das nächste Ziel ist Hongkong Ende November. Meine Visaverlängerung treibt mich also in den Süden. Mal sehen ob das gut geht.

Bis dahin:

 

Grüße aus Shanghai

Björn