Björn_in_Shanghai

21Sept
2011

Sightseeing in progress

Was kann es wohl bedeuten, wenn die Frequenz des Erscheinens der Blogeinträge nachlässt? - Richtig! Der aufmerksame Leser merkt sofort, die Lust am Schreiben kann mir gar nicht vergangen sein. Es liegt wohl eher entweder an tausend Dingen, die man hier erleben kann oder an frühabendlich drückender Feierabendstimmung die mich ins Bett zwingt um das anstrengende fast 5-tätige Wochenende zu verarbeiten. Aktuell treffen beide Einflussfaktoren zu.

5-tägig? Was macht der Kerl da drüben? Der soll arbeiten der Lausebub! - NÖ!

Nach meinen Einschneidenden Erlebnis letzte Woche in den Gassen der Negativseite Shanghais, folgte eine kurze aber arbeitsintensive Woche. Es zwang mich 2 Tage in´s Büro und gleich danach auf die "Furniture manufacturing and Supply China". Die zweigeteilte Shanghaier Möbelmesse, die allen Maschinenherstellern und Zulieferern das Ausstellen auf einem Expo Gelände und ihren Kunden, nämlich den Möbelausstellern, einen Stand auf dem anderen Expo Gelände verschafft. Macht ja auch Sinn, dass die Kunden erstmal durch ganz Shanghai müssen um sich dann bei ihren Zulieferern sehen zu lassen und umgekehrt - VOLLIDIOTEN!!!

Messe in China nach Deutschem Vorbild rock&roll auffa Messe unglaublich exotisch

Naja, - ich habe einen Job, oder vielmehr ein paar. Zuerst mal Kaffee trinken! Ganz wichtig! Am Dienstag wird auf der Messe erstmal die Lage gecheckt. Standardmäßiges chinesisches Messechaos. Die Messe beginnt in ein paar Stunden und der Laden sieht aus wie Dresden ´45. Unser Stand ist vorhanden, es kleben jedoch die Schilder eines anderen Ausstellers daran, obwohl auf den im innern klebenden Plakaten deutlich unser Name zu erkennen ist.

Zweiter Job: Zusammenstellen von Informationen der chinesischen Zulieferer. Ich mache mich also wichtig und laufe in meinem gestriegelten Anzug und meiner schwarzen Kravatte über die Messe. Ich sehe wichtig aus und komme mir auch so vor. Ich verteile Visitenkarten und sammle fleißig Produktinformationen. Ich stelle mich auf eine bevorstehendes Preiskataloginvasion ein, aber das ist mir egal. Mir gefällt das neue Ich. Dass meine Kravatte-Anzug Kombination dabei aussieht als käme ich grade von einer Beerdigung, erfahre ich ja erst am Abend :-)

Sehr abgefahrene Bemerkung: Der Ausländer wird beim Betreten der Messe bei geschicktem Eintreten nicht nach seiner Eintrittskarte gefragt. Der westliche Vorsprung, oder das gespielte östliche Schamgefühl? Man weiß es nicht. Nundenn. 17 Uhr - Bier muss ran. Liebevoll drückt mir der Kollege ein paar Yuan in die Hand und fordert mich freundlich auf etwas zu Trinken zu organisieren - ENDLICH! Jetzt bin ich Praktikant! Das hat lang gedauert. Ich wehre mich natürlich, jedoch nich vor Angst ausgenutzt zu werden, sondern vor dem Malleur, das es geben könnte wenn ich mir der klimpernden Kiste Bier wieder auf die Messe laufe. Natürlich kann ich mich nicht gegen die durstigen Kollegen durchsetzen und so landen 7 Flaschen Bier bei unserem Messestand. Hat alles geklappt. Hm, wieso? Tüte mit Bier durchschmuggeln obwohl die zwei Chinesen vor mir auch nicht mehr reingelassen wurden weil es schon zu spät war - check. Durchkommen obwohl ich verplant habe die Eintrittskarte vorher um meinen Hals zu hängen - check. Dreist aussehen beim Bestellen von 7 Bier draussen an der Kaffeebar - check. Wahrscheinlich ist es tatsäch das östliche Schamgefühl davor einen Westler anzusprechen, doch ich hoffe immernoch darauf endlich mal ein dreistes Arschloch zu werden!!! Ich übe weiter!

Nachdem ich nun auch noch die zweite Aufgabe, das Sammeln von Maschinendaten unbekannter Hersteller :-) , erfolgreich gemeistert habe, widme ich mich am zweiten Tag gleich der nächsten Aufgabe: Mal schaun, wie die Chinesen so ihre Möbel bauen. WIe ist die Konstruktion, auf was stehen die so, wie sehen die Stände der Kunden aus? Wie ich bemerke, ist dieser andere Messeteil ca 20mal so groß und hat schon Ligna Niveau. Ich habe wiedermal viel Spaß daran über die Messe zu laufen und gebe mich interessiert an Möbeln. Mein Anzug verleiht mir wiedermal ein fabelhaftes Aussehen. Ärgerlich am heutigen Tag ist bloß, dass ich alle 20meter einknicke, da ich am vorabend mal wieder nach Ewigkeiten ne Stunde laufen war. Ja, ich habe die Straßen Shanghais bei Nacht mit Laufschuhen erkundet und habe nun Schmerzen. BLÖD! Aber auch der Tag ging dann irgendwann mal rum!

Heute ist Donnerstag - Zeit für Wochenende. Meine reizende Flugbegleitung richtung Fernost besucht mich aus Peking. Fabelhaft, das bedeutet: Gesellschaft, Maglev fahren und sightseeing. Ich fahre 1,5 Stunden zum Flughafen mit der Ubahn. Meine schicken Schuhe stellen sich als hervorragend alltagstauglich heraus. Bin das wirklich ich?

Wieder erwartet mich der übliche chinesische Alltagsstress. Der Flieger ist an einem Terminal angeschrieben, landet aber am anderen. Alles kein Problem, wenn nicht bloß 11 Minuten verbleiben würden bis der letzte Transrapid das provinzähnliche Hafengebiet verlässt. Just in Time - das Wochenende beginnt mit einer 8 minütigen Fahrt in die Stadt bei Tempo 300. Rasante Fahrt und die Schuhe hab ich auch noch an :-)

430 Spitze

Standard Sightseeing am Bund, ich bin ja schon Shanghainese, und eine Taxifahrt zur Glamourbar bescheren und einen fabelhaften Abend und 2 überteuerte Cocktails in einer Schnöselbar. Voll Geil!

Was steht auf dem Programm? - Eigentlich ist die Frage falsch gestellt. Die korrekte Frage lautet: Was steht NICHT auf dem Programm? - Es geht also los, ein spannendes Wochenende erwartet uns. Gleich einmal starten wir sanft in den lieben Shanghaier morgen. Mit fabelhaftem Wetter, hochgekrempelten Hosen und Teigtaschen mit Schweinefleischfüllung gleich zum Frühstück - würg. Egal - mir versaut nix die Laune!!!

Wir besuchen den People´s Park. Ein überraschenderweise englisch sprechendes jungen Mädchen, entzückt von unserem Auftreten und gewillt ihr Englisch zu verbessern, quatscht uns einfach mal so an. Will sie was verkaufen? Sie geht wieder und  lässt uns in unserem romantischen Tai Chi Idyll zurück. Beim Ausweg aus dem Park treffen wir zufällig auf einen Sightseeingbus der unseren Reiseplan deutlich zerstört. Nundenn, auf ins Touristengedränge. für 3 Euro einen Tag Bus zu fahren ist doch super. Wir erkunden alles was toll ist und steigen aus wann es uns gefällt. Der Yu Yuan Garden offeriert uns einen religiösen Tempel, malerisches chinesischem Ambiente mitten in der Großstadt und ein Mittagessen, wie es chinesischer kaum sein könnte. Meine entzückende Reisebegleitung spricht im Gegensatz zu mir, ein ausgeprägteres chinesisch, was zu keinerlei Kommunikationsproblemen führt. Weder zwischen ihr und dem Verkäufer, noch zwischen ihr und mir :-) COOL!

Tai Chi Kollegen Reiserouten TouritourYu Yuan Wall die Guten schauen böse drein! Yu Yuan Gasse Yu Yuan Garden hostorisch vor neureich Dragonwall ZickZack Brücke Mittaaach!!

Es treibt uns nach Pudong. Die westliche Seite des Flusses protzt mit gigantischen Wolkenkratzern. Diese wiederum protzen mit prallen Eintrittspreisen. Was kostet die Welt? Immer her damit. Wir stehen auf 474m über dem Boden auf der weltweit höchsten Aussichtsplatform eines Gebäudes. Unter uns ist ein Glasboden der uns den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die klein erscheinenden Autos und die nicht wahrzunehmenden Fußgänger befinden sich 474m unter uns und wir verbringen 2 Stunden dort oben, bis die Dunkelheit einkehrt und uns das selbige Schauspiel in bunt glitzernder Fassade darbietet. Unglaublich! Man blickt über die weitesten Teile der Stadt. Einzig allein die Smogwolke begrenzt nach vielen Kilometern die Sicht. Lustige Informationstafeln wecken mein Touristenherz und ich eigne mir alles an, was mir an Wissen angeboten wird.

Pudong Modell Jin Mao Building von oben Jin Mao und Ich ohne Worte Prollos adrett glamurös

Wir setzen unsere Reise am Fuß des Giganten fort und erkunden die Bundseite östlich des gelben Flusses. Ein Eis und ein chinesischer "Singer Songwriter" versüßen uns den Abend ebenso wie die auch von unten umwerfende Optik der fabelhaften Konsummetropole. Es ist Freitag abend. Ein Abendessen in der "Food Republic" stärkt uns für den Abend und das anschließende Bier im Paulaner Biergarten setzt die Segel des Partyschiffes. Ich sponsore meinen Einstand an die ebenfalls anwesenden Kollegen. Der in Lederhosen auftretende pseudebayrische Urchinese lächelt und seine im Dirndl steckende ostasiatische Kellnerfreundin kassiert mal eben 8Euro pro Getränk und mich in die Armut. Naja - immerhin Live-musik.

Es geht wieder auf die Hengshan Lu. Ich bin mir wohlst bewusst über die finanziellen Tücken der Stadt und somit entscheiden wir uns für Flatratetrinken. Aber nicht in der Bar von letzter Woche, sondern in der nächsten. Rückschritte verboten!!! Es ist genauso! Egal. Wir haben Spaß und bewundern chinesische Würfelspiele. So cool würd ich ja auch gern aussehen beim Würfeln. Hier gibt es weniger Westler als in der Bar um die Ecke. Wahrscheinlich ist das auch der Grund weshalb der Kellner uns anwesende Westler nun auch noch böser anschaut, egal, ich bin betrunken, das macht mir nix. War ja auch ne anstrengende Woche - lach!

Samstag. Keine Zeit für Kopfschmerzen, jetzt gibts SIghtseeing. Die French Concession steht an. Der Reiseführer hat durch das ehemals französisch besetzte Gebiet der Stadt einen Stadtspaziergang vorgesehen, den wir uns ganz genau anschauen. Gemütliche Gässchen, nette Straßenverkäufer und sogar chinesische Kultur bieten uns einen sehr gemütlichen Tag. Im Fuxinpark schließlich geraten wir an lusitge Plastiklaufräder auf einem See, die uns zu kurzer sportlicher Närrischkeit verleiten. Mein Kopf ist jedenfalls nicht so erwachsen, wie mein Alter das vermuten lässt. Ihrer scheinbar auch nicht - Und los!

Ein Touri in Frankreich Die Königin des Handelns Otto und Co westlicher Spieltrieb westliches Flair östliches Flair

In einem netten Kaffee im Zielhafen der French Concession Xintiandi endet der Stadtspaziergang. Ein Taxi geleitet uns wieder zum Bund und eine Fähre wiedermals auf die östliche Seite des gelben Flusses. Ich reserviere mir einen weiteren freien Montag und freue mich auf mehr Sightseeing. Ein weiterer Abend in der Food Republic hat ebenfalls ein Highlight für uns parat. Meine Begleitung zeigt mir Tepanjiaki (is mir egal wie man das schreibt, ich bin hier der Klugscheisser). Der (vielleicht) japanische Koch bereitet das Essen gleich vor dir auf seiner heissen Herdplatte zu und serviert es dir umgehend. Eine sehr gemütliche Angelegenheit. Bei diesem gemütlichen Essen beraten wie die weitere Vorgehensweise. Sie ist ein Klassemädel und möchte wohl auch so den Abend ausklingen lassen. Wir landen also gestrigelt mit unserem Kollegen Flo in der Cloud 9 Bar oben auf dem Jin Mao Building. Diese Bar vermittelt uns zuerst das Gefühl dass wir zu blöd sind Aufzug zu fahren, da wir 3 mal umsteigen müssen (eigentlich sollen wohl die Besucher bloß durch den Wolkenkratzer geführt werden), dann suggeriert sie jedem von uns James Bond zu sein (da wir piekfein in einer Bar sitzen, mit super Ausblick, viel zu freundlichem Personal und Ledersesseln) und dann schlägt sie einem mit 10 Euro pro Drink fett mit dem Vorschlaghammer in die Fresse. Hm, James Bond hätte wahrscheinlich einfach die Kellnerin gevögelt und wäre dann mit dem Fallschirm vom Turm gesprungen. Da wären einige Probleme auf einen Schlag gelöst. Ich schaue mir nochmal meine frisch geputzen Schuhe und meine im schwarzen Kleid drappierte Begleitung an und entscheide mich für die gechilltere Variante sitzen zu bleiben und den Cocktail auszutrinken. Braver James.

Das anschließend aufkommende Partygefühl wird schnell von einem "hier gehts nicht weiter" des Taxifahrers beendet, da wir bemerken, dass die Partylocation "im Fabrikgelände" scheinbar schon plattgewalzt wurde und eine Autobahn gebaut wurde und das, obwohl der Reiseführer vom letzten Jahr ist. In Shanghai geht eben alles ein bisschen größer und vor allem schneller!

Die Sonne weckt uns auf dem Balkon. Jiaozi (gebratene Teigtaschen mit Fleischfüllung) auf dem Balkon und ein Kaffee katapultieren uns über den Weg des Ekelns vorbei an Gemütlichkeit gleich wieder zurück ins Wochenende. Eine Exkursion nach Xinjin und Suzhou steht auf dem Programm. Es sind zwei Orte, durchlaufen von kleinen Wasserstraßen, ähnlich Venedig, die teils touristisch, teils sehr untouristisch in Erscheinung treten. Zwischen zwei Wegpunkten begleitet uns freundlicherweise ein übermäßig sportlicher Zeitgenosse auf seiner Rikscha Richtung Zielstation. Da im eher außerhalb gelegenen örtchen Touristen genauso selten sind wie Taxen, erfreut er sich eines Geschäfts mit Westlern und fährt uns für 2 Euro durch die G egend. Auch in diesem Ort gibt es wiedermal alles zu kaufen wovor man Angst hat und der Abend mündet für uns in einem Hotpot Restaurant der "All you can Eat" Extraklasse. Klausi, meine neue Lieblingslanguste leistete mir während des Essens nette Gesellschaft, bevor er dann am Essensabend eintauchen durfte, jedoch in heisses Fett. Ärgerlich. Ich beweise wiedermal, dass mir mein chinesischer Name zu Recht gehört, dennoch lässt Klausi auch im gebrutzelten Zustand nicht mir sich reden und will die Beine nicht breit machen, die Sau. Blöder Arsch, und dabei zahlen wir sogar. Naja, beim nächsten mal.

Zao shanghao, guten Morgen ShanghaiVenedig mit Stäbchen Der Friseur Chillen im Gässchen Fischfütterung Clichee   Der ProtagonistRikschafahrt1Rikschafahrt2 Klausi the faithfull

Eine weitere hervorragende Nacht in wohliger Wärme und mit fabelhafter Musik vom Paule Kalkbrenner auf dem Balkon lässt uns auch in den Montag entspannt eintauchen. Der letzte Tag. jetzt muss was gehen! Als erstes besuchen wir das Shanghai Museum. Hier gibts alles was die chinesische Kultur bisher geschichtliches hervorgebracht hat. Von München über Stempel und Kalligraphie, über chinesische Minderheiten bis hin zu Getöpfertem gibt es einiges, was das Touristenherz erfreut. Gewappnet mit einem chinesischen Pfannkuchen und Milchtee (very famous) geht über die Haupteinkaufs- und Touristenstraße Nanjing Lu zum Bund. Dort wartet bereits unser Schiff, dass uns zu einer 3 stündigen Bootsrundfahrt zum Yangtse-Delta entführt. Entführt daher, da wir irgendwann 1 Stunde warten müssen, da ein Boot im Hafen montiert wird und doof, weil man eigentlich nur nochmal ein bisschen was von Shanghai sieht uns sonst nen reudigen Hafen in dem viele rostige Schiffe liegen. Als es dann zum Yangtse Delta geht, sieht man bloß aus weiter Ferne die großen Schiffe und schnurstracks dreht der Pilot wieder um. Touristen abzocken können die hier in Chine tatsächlich gut. Aber wir lernen dazu.

Whatever Wazuuuup??? Bi yong - the Greatful!!! Eintauchen in Shanghai Seemannsidyll Shanghai aus der Ferne

Der künstlich beschaffte Stress lässt uns zum Flughafen rennen und wir erreichen den Flieger noch grade so um uns vorher am Flughafen für ca 2 Euro each ne warme Mahlzeit reinzustellen. Schade - das wars schon wieder. Naja, Arbeit macht auch Spaß, Wir verabschieden uns gebührend, ich verspreche meinen Besuch in Peking und setze mich wieder in die Bahn zurück zur Wohnung. Pleite und übermüdet falle ich in mein Bett und wache nicht mehr auf bevor mein Wecker mich nicht mehr schlafen lassen mag.

Auf in die schniken Schuhe und los. Die Woche startet!

Gruß aus Shanghai

Björn (Bi yong)